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Fitzharris, Lindsey – Der Horror der frühen Medizin

Fitzharris, Lindsey – Der Horror der frühen Medizin

Autor: Fitzharris, Lindsey
Titel: Der Horror der frühen Medizin
Verlag: Suhrkamp Verlag
Übersetzung: Volker Oldenburg
Erscheinungsdatum: 9. Juli 2018
Seitenanzahl Printbuch: 276 Seiten
Genre: Horror, Thriller, Sachbuch
Zeitraum: 11.05.21-29.05.21
Band einer Reihe: Nein
ASIN: B076VSNMZJ
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Klappentext

Grausig sind die Anfänge der Medizin: Leichenraub, blutige Operationen wie Kirmesspektakel, Arsen, Quecksilber, Kokain als verschriebene Heilmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unwissen der Ärzte sagenhaft, wie sie praktizieren, ein einziger Albtraum. Bis ein junger Student aus London mit seinen Entdeckungen alles verändert … Lindsey Fitzharris erzählt vom Leben dieses Mannes und vom Horror, den ein einfacher Arztbesuch damals bedeutete – schaurig, unterhaltsam, erhellend.

Als Joseph Lister 1844 sein Studium in London beginnt, ist die medizinische Versorgung der Bevölkerung desaströs: Die Krankenhäuser sind überfüllt und verseucht. Um aufgenommen zu werden, müssen Patienten genug Geld für die eigene Beerdigung mitbringen. In den Operationssälen arbeiten Chirurgen in Straßenklamotten vor schaulustigem Publikum. Warum fast alle Patienten sterben, wie sich Krankheiten ausbreiten, darüber herrscht nicht im Geringsten Einigkeit, nur hanebüchene Theorien. Joseph Lister wird Chirurg, er will ganz praktisch helfen. Und von Neugier und hellem Verstand geleitet, entwickelt er eine Methode, die das Sterben vielleicht beenden kann …

Meine Meinung

Dieses Buch ist faszinierend. Man kann es nicht einfach so ratz-fatz durchlesen. Es geht schon ein bisschen an die Nieren, da es der Realität entspricht. Die Bedeutung Operation gelungen – Patient tot hat hier seinen Ursprung. Natürlich weiss man aus diversen Filmen/Serien/Romanen, dass die Verhältnisse der Medizin echt übel war – aber hier bekommt man gezeigt wie schlimm es wirklich war. Die Todesrate war schon fast bei 100% Krankenhäuser waren Totenhäuser. Man hatte eher die Chance zu Hause zu überleben als in einem Krankenhaus. Aber diese Behandlung war nur für Reiche. Wir können uns bei Lister bedanken, dass er aufmerksam war und sich Gedanken darüber gemacht hat, wie man denn die Postoperative Genesung überlebt. Krass ist auch die Medizinkollegen, die so lange sich gegen den Fortschritt und die Beweise gewehrt haben. Aber im Endeffekt hat der Erfolg gesiegt und wir müssen nicht mehr in diese Elenden Behandlungen zurück.

Schreibstil: Man muss sich erst ein bisschen dran gewöhnen. In dem Buch werden viele Briefe zwischen den einzelnen Parteien veröffentlich. Teilweise Auszüge oder auch Veröffentlichungen. Dazwischen wird immer wieder der normal erzählt. Es ist manchmal ein bisschen trocken – aber nicht so schlimm wie bei einem reinen Sachbuch. Hier kommt der Stil in Romanform doch gut zur Geltung.

Figuren: Da es eher in einem sachlichen Ton gehalten wird und auch nicht soviel Privates der Personen erzählt wird, bleiben die Personen doch eher unpersönlich und man kann sich nicht so mit ihnen identifizieren. Auch kommt hier die englische Steifheit der Charaktere sehr deutlich zu Tage. Diese ständige höfliche aber arrogante Art der Elite ist echt faszinierend und nervig.

Atmosphäre und Spannung: Die Atmosphäre ist wirklich sehr düster und auch ein bisschen eklig, da man auch die OP-Methoden erzählt bekommt. Es ist wirklich sehr bedrückend, dass die Menschen früher für viele Chirurgen einfach nichts Wert waren.

Originalität: Ich finde es sehr gut, dass hier ein Sachbuch ein bisschen als Roman aufgebaut ist. Denn als reines Sachbuch, das voll mit Fachausdrücken wäre, würde es kaum den Markt bedienen. So kann sich jeder, der Interesse an der frühen Medizin hat, hier gut zurecht finden. Die wenigen Fachausdrücke sind sehr gut erklärt und man fühlt sich nicht aussen vor.

Fazit

Ein Buch, das auf jedenfall jeder Mediziner lesen sollte um die Anfänge und die Bereicherungen richtig zu schätzen weiss. Aber auch für jeden anderen ausserhalb des Medizinischen Bereiches eine interessante Lektüre. Wir können uns bedanken, dass wir heute leben. Wir können Danke sagen für Ärzte wie Listner und Patienten, die für uns gestorben sind. Dieses Buch geht manchmal schon ein bisschen an die Nieren, da die Behandlungsmethoden mit unserem modernen Wissen nicht nachvollziehbar ist. Es ist aber wirklich nicht für Zartbesaitete. Es ist blutig, eklig aber sehr, sehr interessant.

Autor:

Lesen ist meine Passion. Ich lese langsam, aber immer. Meine Beziehung und meine Familie sind mir wichtig. Ich liebe meine Tiere über alles. Sie sind es, die mir zeigen, wie einfach doch das Leben sein könnte. Ich warte. Warte auf ein Zeichen.

4 Kommentare zu „Fitzharris, Lindsey – Der Horror der frühen Medizin

  1. Mir hat es auch richtig gut gefallen. Und ich war bzw bin auf jeden Fall auch dankbar dafür, dass die Medizin in der Zeitgeschichte solche Fortschritte gemacht hat. Unter den damaligen Bedingungen hätte ich nicht leben wollen.

    (sorry dass nichts kam von mir hatte PC Probleme ein blödes Update von Windows hat alles lahm gelegt und ich musste das System komplett neuaufsetzen (ca 5 mal) …. nun sollte es passen und ich bin wieder regelmäßig da.

    LG

    Gefällt mir

    1. Ach ja die Technik….Ich muss meinen PC auch mal neu aufsetzen und drück mich schon die ganze Zeit davor….danach brauch man wieder ewig bis alles so läuft wie man es gerne hat.

      Schön, dass du jetzt wieder online bist.

      Ich glaube ich wäre eher zu einer Kräuterfrau gegangen als in eines dieser Krankenhäuser.

      Gefällt 1 Person

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