[Story-Samstag] Spieglein, Spieglein an der Wand – Spiegel-To-Go

storysamstagWas ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

Schreibt  etwas über einen sprechenden Spiegel. Hier wie immer ein paar Anregungen: Was würde der Spiegel über euch sagen? Sieht der Spiegel vielleicht geheime oder verbotene Dinge? Kann der magische Spiegel vielleicht noch mehr als nur sprechen? Was für eine Geschichte steckt dahinter?

 

So – ich bin etwas zu spät, weil ich irgendwie nicht mitbekommen habe, das die zwei Wochen schon wieder rum sind. Und einen Schnupfen habe ich auch noch, der auf mein Gehirn drückt ;-). Aber ich habe doch noch was aus dem Spiegel herauskitzeln können. Ich wünsche euch viel Spass bei Spiegel-To-Go

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Amanda schlenderte über den Trödelmarkt. Seit einiger Zeit versuchte sie ihre Wohnung etwas alten Flair zu geben. Dafür suchte sie alte Möbel bei Haushaltsauflösungen und Trödelmärkten. Manchmal nicht zu glauben was man da so findet. Aber nicht nur das Finden der Möbel interessierte sie. Sie fand die Menschen auf den Trödelmärkten sind irgendwie ein besonderer Schlag Mensch. Nicht zu verwechseln mit den Flohmärkten. Da wurde ihr oft zuviel Ramsch angeboten. Aber wenn man in ländlichen Gegenden über die Märkte schlendert, dann kann man nette Sachen essen und trinken. Es vermittelt  manchmal so ein bisschen das Gefühl eines Mittelalter Marktes.

Als sie also so schlenderte, kam sie an einem Stand einer alten Frau vorbei. Die nahm es sehr ernst mit ihrem Kostüm. Obwohl es ein einfacher Markt war, hatte sie sich in alte Fetzen geworfen und eine Perücke mit verfilzten, grauen Haaren unter einem Tuch. Ein Buckel, eine Warze und der obligatorische Stock verfeinerten noch das Bild. Nein – Hinten im Stand lag noch eine schwarze Katze. Die verfeinerte den Eindruck. Sie zog mich magisch an – nettes Wortspiel. Aber es war wirklich so. Ihr Blick blieb an einem Spiegel hängen. Er war alt. Sehr alt. Er sah auch sehr schwer aus. Richtig massive Arbeit. Der Rahmen war geschwungen und Rund und die Spiegelfläche ziemlich verschmutzt.  Aber er hatte eine absolut fesselnde Ausstrahlung. Es war als hätte sie ihn schon mal gesehen. Sie musste ihn haben.

„Hallo gute Frau. Ich interessiere mich für diesen Spiegel. Was wird er kosten?“

„Ach mein Mädchen. Eigentlich verkaufe ich gar nichts. Auch diesen Spiegel nicht. Ich möchte keinen Gewinn aus den Objekten ziehen. Ich finde sie, sammel sie auf und stelle sie aus. Sie suchen den neuen Besitzer. Ich darf an der ganzen Sache nicht verdienen. Da der Spiegel sie anspricht haben sie wohl eine Verbindung zu ihm. Deswegen gehört er ihnen.“

Amanda war irritiert. Ein Objekt für einen Seelenverwandten? Das klang sehr eigenartig. Sie versuchte noch etwas mit der Frau zu verhandeln, da ihr das unangenehm war, den Spiegel geschenkt zu bekommen. Er musste schon einigen Wert besitzen. Aber es war nichts zu machen. Die Frau beharrte darauf – der Spiegel sollte Amanda gehören. Sie machten noch einen Termin für den Transport aus und Amanda verliess den Markt.

Als sie zu Hause ankam suchte sie gleich einen geeigneten Platz, wo sie ihn hinstellen würde. Sie hatte gesehen, dass er nicht unbedingt aufgehängt werden musste. Er hatte eine Vorrichtung die ausgeklappt werden konnte. Somit konnte sie ihn überall hinstellen. Und was würde sich besser anbieten als das Schlafzimmer?

Am nächsten Tag – sie hatte einen guten Nachbarn gefragt – holte sie das gute Stück mit ihm und einem seiner Freunde ab. Die Männer schafften den Spiegel unter viel Gestöhne in ihr Schlafzimmer.

„Mensch, Amanda – kannst du nicht ein normales Hobby haben wie Schuhe oder Taschen? Muss das immer so schwer sein, was du dir da anschaffst?“ Fragte Fred – ihr Nachbar sie.

„Ach Fred – was würde ich  nur ohne dich machen. Ich hätte keinen zum Quatschen und keinen zum Schleppen.“ lachte sie.

Als die zwei endlich weg waren, ging sie zu dem Spiegel. Sanft streichelte sie über die Oberfläche. Er fühlte sich warm an. Sie hatte das sonderbare Gefühl diese Szene zu kennen.

Sie begab sich in ihr Bett. Von dort aus konnte sie genau auf den Spiegel schauen. Sie fühlte sich seltsam geborgen und schlief ein.

Etwas weckte sie. Ein Geräusch? Jemand war in ihrem Zimmer – jemand sprach mit ihr. Mit einem Ruck und einer Gänsehaut setzte sie sich auf. Als allein wohnende Frau sollte man immer eine Waffe unter dem Bett haben. Und Amanda war vorbereitet. Sie hatte einen Baseballschläger unter dem Bett, den sie sich griff. Sie schlüpfte aus dem Bett und schlich zur Schlafzimmertür. Sie wollte sie gerade öffnen, als sie die Stimme neben sich hörte. Sie drehte sich schnell um und wollte zuschlagen, als sie gerade in den Spiegel schaute.

In dem Spiegel erschien ein Gesicht. Das warf sie um. Sie landete auf ihrem Hintern. So sass sie vor dem Spiegel. Sprachlos aber nicht verängstigt. Irgendwie fühlte sich das richtig an. Ein sprechender Spiegel. Ja – warum nicht. Diese ganze Aktion mit dem Spiegel war schon seltsam.

„Herrin. Endlich haben wir uns gefunden. Ich warte schon seit Jahrhunderten, dass sie  mich finden. Ich war so einsam. Die ganzen Häuser in denen ich gewohnt habe und den ganzen Menschen denen ich ihre Bilder zeigen musste. Es war deprimierend. Aber endlich. Ich habe schon zu hoffen aufgegeben. Aber jetzt sind wir wieder zusammen. Endlich können wir die Weltmacht an uns nehmen. Wir werden Schneewittchen finden und sie vernichten. Dann werden sie die rechtmässige Königin dieses Landes und alle müssen ihnen gehorchen“

„Wohow. Was bitte soll ich machen? Und wen soll ich finden? Schneewittchen? Ich glaube ich spinne.“ Mit was haben die denn den Spiegel behandelt?

„Was geht hier vor? Bin ich irgendwie gefallen und auf meinem Kopf gelandet. Wer bist du und was zum Teufel willst du von mir?“

„Äh – bin ich hier doch falsch? Das kann nicht sein. Ich warte schon seit so langer Zeit und nur der Geist der bösen Königin kann mich erwecken. Also müsst ihr die böse Königin sein.“

„Böse Königin? Was denn für eine böse Königin? Ich bin nur eine Frau, die Antiquitäten liebt. Und hier habe ich wohl vollkommen daneben gegriffen“

„Entschuldigt. Da muss irgendwas mit dem Zauber nicht stimmen. Ich bin ein verfluchter Gegenstand. Ein Spiegel, der euch eure Schönheit vorbetet. Und glaubt mir, das ist wirklich sehr ermüdend. Tag für Tag, fragtet ihr mich, wer denn die schönste im Land wäre und Tag für Tag antwortete ich „Ihr meine Königin, seid die schönste im Land“ Es war schon mal aufregend, als dann Schneewittchen auf dem Spielfeld erschien. Da kam mal Leben in die Königin. Aber sie scheiterte.“

„Ja – verdammt – ich kenne das Märchen. Aber was hat das mit mir zu tun und wieso soll ich böse sein. Im Gegenteil, ich töte noch nicht mal eine verirrte Fliege.“

„Tja – da ist irgendwas schief gelaufen. Vielleicht habt ihr eine kosmische Gehirnwäsche bekommen. Ja, das muss es sein. Bei den ganzen Wiedergeburten seid ihr wohl ständig durch einen Filter geschlüpft. Das ist die einzige Erklärung. Ach wie erleichternd. Endlich ist die Warterei vorbei und ich muss nicht ständig diesen blöden Spruch wiederholen. Jetzt müssen wir nur noch sehen, wie wir meinen verfluchten Geist aus diesen beschissenen Spiegel bekommen. Lasst mich überlegen. Also euer böses Herz ist gefiltert. Was soll ich sagen. Ihr müsst mich zerstören. Schlagt mich kaputt“

„Äh – Nö – Ich mag dich so wie du bist. Ausserdem würde ich die Spiegelscherben nie wieder hier raus bekommen. Und ich hätte sieben Jahre Pech – beim besten Willen und gefiltertem Geist nicht. Wie wäre es. Du bleibst bei mir. Wir werden Freunde und ich versuche dich Mobil zu bekommen. So in einen Taschenspiegel. Dann könntest du überall mit hin. Das fände ich toll. Endlich hätte ich einen Freund, mit dem ich alles bequatschen könnte. Und du hast bestimmt viel zu erzählen. Ach. Bitte – sag ja.“

„Nun – ich könnte  mir besseres vorstellen als immer noch in einem Spiegel gefangen zu sein. Aber wir könnten diesen Kompromiss eingehen. Ich will deinen gefilterten Geist ja keinen neuen Fluch aufbürden, in dem du mich zerschlägst. Ok, dann zeig mir mal den Taschenspiegel. Es dürfte kein Problem sein mich da hinein zu setzen.“

Amanda holte ihren Schminkspiegel und hielt ihn vor den grossen. Sie wartete und auf einmal wurde der Schminkspiegel warm. Sie schaute hinein und sah nicht mehr ihr Gesicht sondern den Spiegel.

„Yeah – das wird toll. Ich zeige dir alles von heute und du erzählst mir von deinen Erlebnissen. Wir werden uns gut verstehen. So und jetzt gehe ich schnell mal Kaffee kochen und dann fangen wir mit unserer Freundschaft an. Ich freu  mich – wie ist dein Name? Hast du einen?“

„Baltasar“

„Toll, dann lass uns in die Küche gehen und quatschen – Baltasar“

Baltasar schüttelte seinen Kopf und überlegte. Aber ihm viel keine Alternative ein. Warum sollte er dieses Arrangement nicht mitmachen. Man kann ja immer noch aussteigen, wenn ihm das nicht gefällt. Er mochte Amanda und freute sich auf ein neues Erlebnis.

 

 

 

 

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