Das Haus der Seelen Teil 14

Teil 1 findet ihr HIER,

Die restlichen Teile könnt ihr HIER finden

Es wird Zeit, das ganze voran zu treiben. Ich mag meine Leute und trenne mich schwer.

Für das richtige Feeling empfehle ich nochmal  hier hinein zu hören…

Was ist das letzte mal geschehen?

Madame Morell hat einen alten Freund kontaktet. Da sich Jakobs Geist physisch materialisieren kann muss man auf alles vorbereitet sein. Aber erst müssen wir noch bisschen mehr aus der Vergangenheit erfahren. Folgt Wanda in die Vergangenheit. Es wird spannend.

**

„Ok Wanda. Bist du soweit?“ Wanda nickte. Moe und Paul hatten sich in die hinterste Ecke gesetzt um nicht zu stören. Moe wirkte sehr angespannt. Irgendwas beunruhigte ihn.

„Bleib ganz locker und entspann dich. Schliesse die Augen und atme tief in den Bauch ein und tief wieder aus. Tief ein, tief aus. Tief ein, tief aus. Lass dich fallen. Bleib ganz locker. Deine Arme und Beine werden warm und weich. Du hast kein Gefühl mehr und kannst dich nicht bewegen. Aber du hast keine Angst, du fühlst dich sicher und entspannt. Du bekommst alles um dich herum mit. Solltest du Angst bekommen und dich unwohl fühlen, kannst du jederzeit abbrechen. „ Wanda nickte.

„Du befindest dich in einem Raum mit vielen Türen. Gehe zu der Tür direkt vor dir und öffne sie. Wo bist du?“

„Ich bin in der grossen Halle. Alles ist schön geschmückt. Es ist Weihnachten. Der Baum in der Halle ist toll. Mein Vater lässt da nichts auf sich kommen. Alles soll perfekt sein. Wenigstens nach aussen.“

„Dreh dich um, siehst du den Spiegel an der Wand? Schau hinein und sag mir wer du bist.“

„Ich sehe ihn. Natürlich. Ich bin Amelia Jakob. Ich sehe gut aus. Ich bin in grün und rot gekleidet und meine Haare fallen in schönen leichten Locken. Das hat die Zofe gut gemacht. Vielleicht wird es ein schönes Weihnachtsfest. Ich hoffe es. Es werden noch Nachbarn kommen. Die Familie Schwindt und die Familie Kurt. Ich mag den Sohn der Schwindts. Ich glaub er mag mich auch. Er macht mir immer schöne Augen. Er flirtet. Moritz. Ich mag Moritz. Und Peter. Er ist der Sohn der Kurts. Er ist wie ein Bruder für mich. Wir haben immer als Kinder zusammen gespielt. Das war ein Spass. Papa hat das gar nicht gemocht. Er wollte immer, dass ich bei ihm im Zimmer sitze. Oder in meinem und da Handarbeiten erledige. Ich durfte nie Spass haben. Das war unziemlich. Meine Knöchel waren zu sehen beim rumtollen. Einmal hat er mich erwischt, wie ich auf einen Baum kletterte. Ich konnte eine Woche nicht sitzen, so sehr hat er mich betraft. Ich hasse ihn. Aber Moritz wird mich bestimmt heiraten, dann kann ich hier endlich weg. Ich hoffe Moritz wird es machen. Ich hoffe es so sehr.“

„Amelia? Geh zurück in den Raum mit den Türen, öffne eine andere und lass uns sehen was es dahinter gibt. Was siehst du dort Liebes?“

„Papa ist wieder wütend. Ich komme in das Zimmer. Der Salon. Er hat Mama geschlagen, sie liegt blutend auf dem Boden. Ich renne zu ihr und werfe mich über sie um sie zu schützen. Er merkt es nicht gleich in seiner Wut und trifft mich. Dann erst stoppt er und es ist als würde er wach werden. Er zieht mich an den Haaren hoch und dann schüttelt er mich. Er schimpft und schüttelt. Ich bekomme Kopfschmerzen davon. Hör auf, hör auf Papa. Du tust mir weh.“

„Ich halte das nicht aus.“ Flüsterte Moe und Paul hielt ihn zurück. „Lass es Moe. Wanda schafft das. Sie muss sich von diesem Geist befreien. Was soll sonst aus ihr werden? Was soll aus euch werden?“

„Amelia? Geh doch bitte wieder zurück und öffne die Tür links von dir. Sie wird uns zeigen was mit dir passiert ist.“

„Gut, ich öffne die Tür. Ich kann sie nicht öffnen, sie ist verschlossen. Ich bin nicht stark genug. Jemand zieht von der anderen Seite. Ich kann nicht.“ Die Stimme wurde panisch.“ Ich kann sie nicht öffnen. Helft mir sie zu öffnen. Warum bekomme ich sie nicht auf. Wer zieht an der andern Seite. Lass los, lass mich rein.“ In dem Moment schlug Wanda die Augen auf. „Was war das?“

„Das weiss ich nicht so genau. Entweder ist es deine Erinnerung gewesen, die das Öffnen blockierte, oder der Geist Jakobs hat es irgendwie verhindert. Wir können es nachher noch mal versuchen. Aber unsere primäre Frage wurde beantwortet. Du bis Amelia. Was wiederum erklärt warum du keine Unterlagen von ihr aus Amerika finden konntest. Sie hat das Land nie lebend verlassen.“

„Bist du dir sicher?“ Fragte Wanda Madame Morell. „Kann es nicht sein, dass Amelia ihm entkommen ist und er deswegen so auf mich fixiert ist?“

„Diese Idee klingt nicht schlecht, aber wieso gibt es dann keine Unterlagen zu ihrem neuen Leben?“

„Ich weiss nicht. Es ist Übersee. Vielleicht ist über diese lange Zeit einfach etwas verloren gegangen.“

„Hm. Vielleicht erfahren wir bei einem erneuten Versuch mehr?“ Meinte Madame Morell.

„Meinen sie ich werde die Tür öffnen können. Ich will unbedingt wissen was passiert ist. Es ist beängstigend aber auch so spannend. Was ist mit meinem Ich geschehen. Lassen sie es uns noch mal versuchen. Ich bin bereit.“

„Warte noch bisschen. Ich bestelle uns was zu Essen. Lasst uns das Internet noch bisschen durchforsten. Lasst uns bisschen Ahnenforschung betreiben. Vielleicht finden wir noch was. Nur einen Namen eines Amerikaners unter den Gästen der Jakobs. Irgendein Krümel.“

Während sie sich um das Essen kümmerten klappte Paul sein Laptop auf und Wanda fing erneut  an zu suchen. Sie gab alles Mögliche ein. Gästelisten zu Partys und Galas und sonstige wozu die Jakobs geladen haben. Bilder und Berichte in den Klatschzeitungen. Der Drucker lief fast heiss, als Wanda stutzte. „Schaut hier. Ich glaube ich habe was. Ich habe was gefunden.“ Sie legte das Pizzastück zurück und ging schnell zum Drucker. „Guckt hier. Da steht was. Ein Besuch aus Amerika – Hier steht es. Die Familie Jakob lädt zu einer grossen Spendengala für Kinderheime auf. Das erste Mal wird ein hoher Besuch aus Amerika auf einer dieser Galen erscheinen. Eine einflussreiche Familie aus Amerika wird uns die Ehre erweisen und nicht nur als Gast erscheinen sondern auch als großzügiger Spender auftreten. Die Familie Harper. Sie besitzen eine grosse Reederei, die Handelsschiffe führt und haben gerade ihre Flotte aufgestockt und sich ihr  erstes Passagierschiff angeschafft, das zwischen Deutschland und Amerika fahren wird.  An dem Fest werden teilnehmen Winston Harper und seine Frau Emily und deren erwachsener Sohn Walter Harper. Der im heiratsfähigen Alter ist. Das wird einige wohlhabende Familien auf das Programm bringen und deren Töchter werden für die Gala herausgeputzt werden. Kaufhäuser und Modeexperten, wetzt die Scheren. Es wird bald einiges an Tüll benötigt werden.

 

„Da haben wir wohl unseren Amerikaner.“ Meinte Paul etwas sauertöpfisch.

„Ob Amelia Walter geheiratet hat? Was ist mit Moritz. In ihn war sie auf jeden Fall verliebt, das habe ich bei der Rückführung gesehen. Was ist da nur schief gelaufen? Ich muss das Chronologisch noch mal sortieren.

1789 verschwindet Manfred Jakob ohne eine Spur zu hinterlassen. Wann ist seine Frau und Rosemarie verschwunden, da habe ich noch gar nicht nach geschaut. Lasst uns schnell das Internet zu Hilfe nehmen. So Rosemarie verschwand ebenfalls 1789 aber paar Wochen früher. Seine Frau – Ah hier – sie wurde in ein Sanatorium eingewiesen, auch vor seinem Verschwinden. Gut – Amelia verlass das Land erst 10 Jahre später. Wieso? Und was ist mit Peter und Moritz? Wie waren ihre Nachnamen?

Hier steht es Peter Kaufmann und Moritz Nadler. Peter Kaufmann verstarb 1791 als er zu Besuch in dem Haus der Jakobs war. Er stürzte die Lange Treppe in der Halle hinunter. Und hier – Moritz verstarb 1795 ebenfalls in dem Haus. Er stürzte von dem Turm. Oh mein Gott. Da hat Jakobs Geist schon gemordet. Aber warum nie Amelia? Ich brauche noch eine Rückführung. Sofort. Madame Morell?“ rief Wanda. „Ich  muss noch mal zurück. Ich muss sehen ob ich da bisschen Licht ins Dunkel bringe.“

„Bist du dir sicher?“

„Ja ich  muss es versuchen.“ Meinte Wanda bestimmt.

„Okay. Dann lass uns loslegen.“  Sie leitete die Rückführung erneut ein und lotste Wanda wieder in den Raum mit den Türen. Wanda entschied sich zu versuchen die Zeit zu bestimmen, die sie sich anschauen wollte. Sie versuchte in Trance an das Todesdatum von Rosemarie zu denken. 17. Januar 1789.

Fortsetzung 

Das Haus der Seelen Teil 13

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Was im letzten Teil geschah

Wanda wurde auf der Strasse von einem Schatten angegriffen. Er hat ihr Energie entzogen. Dadurch kann er sich physisch materialisieren. Heute werden wir lesen, was besser zu töten sein soll. Und wir bereiten uns darauf vor in die Vergangenheit zu „reisen“.

**

Madame Morell suchte in ihrem Telefonregister nach der Nummer eines befreundeten Mediums. Er war eine Koryphäe in Sachen physischer Materialisierung von Geistern. Er hatte schon einige Abhandlungen dazu geschrieben. Sie selbst hatte dieses Phänomen noch nie gesehen. Einerseits wünschte sie es sich sehr – aber sie wusste auch um die Gefahr. Denn ein physischer Geist konnte anders Töten. Ein Geist selbst kann eher mental angreifen. Man läuft Gefahr seinen Verstand zu  verlieren. Aber auch hier gibt es geschickte Geister, die in ihrer astral Form töten können. In der Geisterwelt ist fast alles möglich. Was es immer auch aufregend und spannend für Madame Morell macht.

„Fritz? Hallo ich brauche dringend deine Hilfe.“

„Auch  schön mal wieder von dir zu hören Amanda. Wie geht es dir? Danke mir geht es sehr gut?“

„Ohwa. Mensch Fritz. Entschuldige. Ich bin etwas in Eile. Wie wär es, ich lad dich zum Kaffee ein, wenn ich hier fertig bin, dann kann ich mich richtig entschuldigen.“ Es war ein leicht anzüglicher Unterton bei dieser Bemerkung herauszuhören.

„Keine schlechte Idee. Also was gibt es. „

Madame Morell berichtete und Fritz hörte schweigend zu.

„Hör zu. Ich habe leider selbst gerade einen Fall, sonst würde ich dir persönlich helfen. Aber du schaffst das auch so gut. Es ist eigentlich gar nicht das schlechteste, wenn er sich physisch materialisiert. Man kann ihn dann töten wie einen Menschen. Aber ich bevorzuge immer die astral Version, denn einen Menschen töten, das bedarf einige Überwindung. Selbst wenn er böse ist, sollte man sich das nicht so leicht vorstellen. Also versucht ihn als Geist zu töten. Ich kann es für das Seelenheil empfehlen. Ansonsten, wenn er schon zu viel Energie gesaugt hat und lange physisch da ist, dann bleibt euch nichts übrig. Denn er ist in dieser Form sehr aggressiv. Wesentlich schlimmer als der Geist. Und eurer klingt schon sehr übel.“

„Danke dir Fritz. Ich werde mich sicherheitshalber für einen physischen Gegner wappnen. Obwohl ich es nicht möchte – gibt unschöne Fragen bei den Behörden. Ich werde versuchen ihn zu stoppen. Hast du einen Tipp, wie man es verhindern kann, dass er sich die Energie holt?“

„Nein – nur die üblichen Abwehrmechanismen. Salz ist hier am besten. Entweder als Schutzkreis, oder, womit ich auch schon erfolge hatte, als Spray. Hoch konzentriertes Salzwasser.“

Als Madame Morell zurück kam zu den dreien waren diese gerade in einem intensiven Gespräch über Wandas Erlebnis. Mademe Morell blieb an der Schwelle stehen und horchte.

„Wanda  – wir müssen aufhören. Es ist zu gefährlich. Er kommt dir immer näher. Lass uns einfach hier wegziehen. Wir fangen neu an und lassen diesen Geistermist hinter uns.“ Meinte Paul.

„Paul, sei realistisch. Vielleicht klappt das bei dir und Moe. Aber nicht bei mir. Der Geist will mich. Aus einem bestimmten Grund, den ich zwar erahne, aber noch nicht beweisen kann.“

„Was meinst du damit?“ Fragte Moe.

„Ich glaube, dass ich irgendwas mit Amelia zu tun habe, entweder als Wiedergeburt, oder als direkte Nachfahrin, aber ich konnte ja keine Details in Amerika über sie finden. Ich bin mir nicht mal sicher, dass sie tatsächlich das Land verlassen hat. Ich weiss nicht wie wir hinter dieses Geheimnis kommen sollen.“ Seufzte sie.

„Aber ich weiss es.“ Meinte Madame Morell. „Ich werde dich einfach zurückführen. Schon mal gehört davon? Man kann jemanden in seine vorherigen Leben zurückführen, dann werden wir wissen, ob du eine Wiedergeburt oder eine Nachfahrin bist. Ich tippe auf Wiedergeburt. Das erklärt diese starke Bindung. Am besten machen wir gleich um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.“

„Was – das kommt gar nicht in Frage.“ Rief Moe. „Ich bin dagegen. Davon halte ich nichts. Ist das nicht gefährlich?“

„Komm runter, Alter.“ Meinte Paul. „Warum soll das denn gefährlich sein? Sie wird doch nur gedanklich zurückgeführt. Ihr Körper bleibt doch hier. Und es ist doch nur wie eine Erinnerung.“

Moe atmete schwer. Er hatte wahnsinnige Angst um Wanda.“ Ich weiss nicht, sollten wir dann nicht alle zurückgeführt werden, wir scheinen uns ja damals gekannt zu haben?“

„Das halte ich nicht für nötig, denn Wandas Erinnerungen werden euch beinhalten. Und wenn sie einen von euch geheiratet hat, dann sowieso. Also wie sieht es aus. Bist du soweit?“

„Ja – ich will endlich Klarheit, wer ich bin und was passiert ist.“

„Es kann sein, dass wir mehrere Sitzungen brauchen. Je nachdem wie traumatisch deine Erinnerungen sind. Aber wir haben den ganzen Tag Zeit.“

„Gut, dann lasst uns anfangen.“

Fortsetzung folgt

Das Haus der Seelen Teil 12

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Es wird mal wieder Zeit sich bisschen zu gruseln. 

Vielleicht erinnert ihr euch noch. Der Psyco-Doc wurde von seinen gepeinigten Seelen vernichtet. In dem letzten Kapitel merkt Moe, dass er langsam mehr als Freundschaft für Wanda fühlt. Lasst uns mal sehen wie es jetzt weiter geht. 

**

Moe und Wanda trafen fast gleichzeitig bei Paul ein.  Sie gingen schweigend nach oben. Keiner wusste mit der Situation zwischen ihnen umzugehen. Sie waren erleichtert, als sie bei Paul im Wohnzimmer standen.

„Hey. Konntet ihr euch bisschen erholen?“

„Körperlich ja, aber in meinem Kopf schwirrt alles noch so unglaubwürdig umher.“ Meinte Moe.

„Ja, so in etwa geht es mir auch. Kommt setzt euch. Ich habe Kaffee gekocht. Lasst uns das langsam angehen.“

Sie versuchten sich in Smalltalk, während sie Kaffee tranken und Kuchen aßen, den Wanda mitgebracht hat.

„Gut: Nägel mit Köpfen. Gehen wir ans Eingemachte. Ich habe das Material schon gesichtet und bearbeitet. Das war echt nicht leicht. Aber aufschlussreich. Ich werde nie wieder zweifeln. Kommt schaut es euch selbst an.“

Die drei setzten sich vor den Fernsehapparat und warteten auf die ersten Bilder. Paul hatte den Ton untergelegt, so dass man fast eine Dokumentation vor sich hatte. Reality TV. Es war gruselig und verstörend die Geschehnisse nochmal zu sehen. Sehr beeindruckend war, wie Madame Morell den Geist von Moe herunterzog und natürlich die Anrufung der gepeinigten Seelen sich selbst an dem Arzt zu rächen. Sie konnten genau erkennen, wie der Arzt in diesen Strudel der verschiedenen Seelen gezogen wurde. Das nahm kein gutes Ende mit ihm. Aber wenn es einer verdiente, dann er.

„Ok. Können wir schon den weiteren Verlauf planen?“ fragte Moe

„Nein, wir müssen das mit Madame Morell besprechen. Ich will auf keinen Fall alleine in das Haus. Das ist mir zu gefährlich. Der Jakob Geist kommt mir stärker vor.“ Sagte Wanda

„Bestimmt, weil er direkt auf uns bezogen ist. Da fokussiert er seinen Hass.“ Sagte Paul.

„Gut, dann werden wir warten bis Madame Morell sich meldet.“ Sagte Moe erleichtert.

**

Madame Morell wachte relativ erholt auf. Sie lag noch gemütlich in ihrem Bett während sie schon anfing ihren weiteren Schritt zu planen. Ihr war es schon bewusst, dass Herr Jakob eine schwierigere Erlösung werden würde. Er ist stark an Wanda gebunden, dachte sie. Ich hoffe, ich kann diese Bindung lösen. Leider hatte sie schon von Fällen gehört, bei denen das nicht möglich war. Sie betete zu allen Schutzheiligen für ein gutes Gelingen. Sie würde am Nachmittag die Kinder anrufen um einen Termin mit ihnen auszumachen. Es drängte langsam. Sie befürchtete, Jakobs Geist würde bald noch aggressiver werden.

Nachmittags rief sie Wanda an: “Hallo meine Liebe. Wie ist es euch ergangen?“

„Hallo Madame Morell. Schön dass sie anrufen. Wir warten schon wie es weiter gehen soll. So geht es uns ganz gut. Körperlich wenigstens. Der Geist hüpft noch kreuz und quer und paar Alpträume schleichen sich auch ein. Aber ich hatte keine Besuche.“

„Das klingt schon mal beruhigend. Das bedeutet, der Geist von Jakob war tatsächlich abgelenkt durch die neue Wohnsituation. Hahahaha. Okay. Dann wollen wir mal weiter machen. Wir müssen diesen Geist von ihnen lösen. Das wird nicht ungefährlich. Ich muss sie noch mal bitten zu mir zu kommen um einige Details zu besprechen. Haben sie morgen früh Zeit?

„Absolut. Wie gefährlich kann es denn werden? Tödlich?

„Ach Liebes, das will ich nicht so am Telefon besprechen, das ist zu – persönlich. Seid morgen gegen zehn Uhr da. Dann Frühstücken wir nett und besprechen weiteres. Bringt die Brötchen mit.“ Schmunzelte sie

„Gut, wir werden mit Brötchen da sein. Bis morgen“

**

Wanda hatte bei ihrem Lieblingsbäcker Brötchen und einige süsse Stückchen gekauft und war gerade auf dem Weg zu Madame Morell. Sie war in Gedanken und merkte nicht, dass sich die Szene um sie herum änderte. Auf einmal kam ihr die Gegend unbekannt vor. Sie stand in einer dunklen Gasse und wollte fliehen. Sie wurde verfolgt. Sie rannte und wollte schreien, aber kein Wort kam aus ihrem Mund, also würden die Töne sofort entrissen werden und vom Wind verweht werden bevor sie Worte bildeten. Wanda rannte und rannte aber sie kam nicht vorwärts. Es schien wie ein Förderband, bei dem sie auf der falschen Seite versuchte voran zu kommen. Sie drehte den Kopf und sah einen dunklen, gefährlich wirkenden Schatten auf sie zukommen. Sie versuchte schneller zu rennen – nichts. Sie kam nicht voran. Im Gegensatz zu dem Schatten, er war jetzt schon so nah, dass er nur noch die Hand nach ihr ausstrecken brauchte. Und das tat er. Er griff in ihre Haare und zog daran. Sie wurde schmerzhaft nach hinten gerissen und versuchte sich zu wehren. Aber sie konnte nicht. Sie war gefesselt. Aber womit? Sie konnte keine Fesseln ausmachen. Nichts was sie entfernen könnte, aber sie war bewegungslos ausgeliefert.

Der Schatten kam immer näher. Immer noch hielt er sie an den Haaren und zog kräftig daran. Wanda merkte, dass einige Strähnen herausgezogen wurden. Als der Schatten dann endlich bei ihr war löste er den Zug und es schien als wollte er sie umarmen – gar küssen. Sie drehte den Kopf weg und versuchte ihn von sich zu schieben. Aber er war gewaltig. Sie hatte keine Chance und sein Mund landete auf ihrem. Aber er küsste sie nicht nur – er saugte. Und Wanda spürte wie sie schwächer wurde. Sie sackte zusammen und alles wurde nur noch dunkel.

Plötzlich ging ein Ruck durch ihren Körper. Sie bekam wieder Luft und atmete tief ein. Es war hell und sie blinzelte. Sie schaute sich um und sass auf dem Boden. Die Passanten schauten sie sonderbar an. Die meisten gingen weiter, eine junge Frau kam zu ihr. „Hallo, brauchen sie Hilfe? Kommen sie, ich helfe ihnen auf. Brauchen sie einen Krankenwagen?“

„Nein danke, mir war nur schwindelig. Vielen Dank für ihre Hilfe, es geht schon. Ich bin gleich da wo ich hin wollte. Vielen Dank.“

Wanda stützte sich an der Wand ab. Sie schaute sich um. Sie musste sich orientieren. Da! Da vorne war der Hauseingang zu Madame Morell. Sie konnte gerade sehen wie Moe und Paul hineingingen. Sie versuchte, so schnell wie es ihr möglich war, zu folgen. Als sie vor der Tür stand, schaute sie sich noch mal um. Und im Winkel konnte sie eine Figur erkennen. Schnell ging sie hinein. Sie hatte wahnsinnige Angst.

Oben angekommen klopfte sie an die Tür. Madame Morell öffnete und es war, als würde sie sofort wissen, dass etwas vorgefallen war.

„Wanda. Meine Liebe, was ist mit ihnen. Wurden sie angegriffen. Ich kann die Aura von etwas Bösen an ihnen spüren. War es Jakob?“

Wanda fing an zu schluchzen.“ Ich weiss es nicht. Es war ein kräftiger Schatten. Ich konnte kein Gesicht erkennen.“

„Oh – kommen sie schnell ins Wohnzimmer. Sie müssen sich setzen und beruhigen.“

Wanda ließ sich ins Wohnzimmer führen, wo die beiden anderen schon gemütlich auf dem Sofa sassen. Moe stand sofort auf und blickte sie ängstlich an. „Wanda, was ist geschehen? Du siehst furchtbar aus.“

„Na danke auch.“ Sie versuchte zu lächeln. „Das hört man doch als Frau besonders gerne.“ Sie verzog das Gesicht.  Moe nahm sie in den Arm und sofort ging es ihr besser. Ihr Herz schien langsam mit seinem im Takt zu schlagen. Sie fühlte sich sicher.

„Ok, dann erzählen sie mal was geschehen ist.“ Und Wanda erzählte.

Als sie fertig war, hatte Madame Morell ihre Stirn in Falten gelegt. „Das klingt schon sehr ernst. Er entzieht ihre Energie. Starke Geister können sich dadurch eine gewisse Zeit materialisieren. Das könnte dann wirklich gefährlich werden. Er ist so schon nicht ungefährlich. Ich muss mich schlau machen wie man diesen Angriff abwehren kann. Bleibt noch bisschen und trinkt noch einen Kaffee. Draussen in der Küche ist auch noch Kuchen oder Plätzchen. Ich bin gleich wieder da.“

Damit verschwand sie und liess die drei mit ihren Gedanken zurück.

Fortsetzung 

Das Haus der Seelen Teil 11

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Ihr erinnert Euch?

Die vier haben in dem Geisterhaus den Psycho-Doc ausgetrieben. Sie hatten dabei Hilfe von den Opfern des Arztes. Jetzt traut sich keiner die Nacht alleine zu verbringen. Sie sind alle bei Wanda und vielleicht kann es mehr als Freundschaft zwischen Moe und Wanda werden?

 

Wanda lag in ihrem Bett und beobachtete die Lichtspiele der vorbeifahrenden Autos an der Decke. Das war ein aufregender Tag heute. Sie bewunderte wie ruhig Madame Morell bei dieser Aktion gewesen war. Obwohl sie umringt war von Geistern und der Psycho-Doc sie angreifen wollte. Sie hat sich voll auf ihren Instinkt verlassen. Ihr Wissen beeindruckte Wanda. Schon bei den Recherchen zu ihrem Problem war Wanda fasziniert von dieser Welt.

Das nächste was Wanda beschäftigte war Moe. War sie bereit für mehr als nur Freundschaft? Sie mochte Moe schon immer bisschen intensiver als Paul. Sie wurde immer etwas unruhig in seiner Nähe. Während Paul immer wie ein Bruder für sie war. Der arme Paul.  Das war ein furchtbares Erlebnis heute für ihn gewesen. Interessant war, dass sie von keinem Geist belästigt wurde. Sehr seltsam. Wenn sie dran dachte, würde sie Madame Morell danach fragen. Sie kicherte. Vielleicht hat Manfred Jakob mich ja gezeichnet. Property of Ghost Jakob. Sie wurde bisschen albern.

Nach diesem kleinen Ausbruch dauerte es nicht mehr lange und sie schlief auch endlich ein. Sie schlief sehr unruhig. Ständig träumte sie von dem Keller und den Gestalten. Aber nichts, dass sie direkt bedrohte.  So gegen vier Uhr gab sie auf. Sie verließ das Bett und wollte sich einen Kaffee kochen. Sie liebte ihre Küche. Dort hielt sie sich am liebsten auf. Sie hatte ein schönes grosses Fenster dort und vor einigen Jahren hatten ihr Paul und Moe eine Art Bank eingebaut. Sie konnte sich jetzt bequem auf die Fensterbank setzen. Sie hatte das in den amerikanischen Filmen immer bewundert. Dort kuschelte sie sich mit ihrem Kaffee in eine Decke und schaute auf die Strasse.

Sie liebte diese Ruhe um diese Nachtzeit. Es waren kaum Autos unterwegs und die Vögel erwachten langsam. Es gab im Moment nichts was sie mehr genoss, als dieses Gezwitscher.

Moe stand in der Tür und beobachtete Wanda. Sie sah so friedlich aus. In dem Moment merkte er, dass er mehr als nur Freundschaft wollte. Wenn diese ganze Sache vorbei war, würde er sie zum Essen ausführen. Das würde er. Leise verliess er sie, damit sie noch etwas die Ruhe geniessen konnte.

**

Am nächsten Morgen trafen sich alle verschlafen in der Küche.

„Was sollen wir heute machen?“ Fragte Paul

„Wie geht es euch?“ Fragte Wanda.

„Es geht“ meinte Paul. Und Moe nickte. „Ich denke ich werde erst mal heimgehen. Mich frisch machen und die Aufnahmen bearbeiten. Wollen wir uns nachher bei mir treffen? Ich glaube nicht, dass Madame Morell sich heute wegen des Jakobs – Geist meldet. Die brauch bestimmt Ruhe.“

Wanda und Moe nickten. Auch Moe wollte kurz zu Hause vorbei schauen und sich duschen. Sie verabredeten sich gegen sechzehn Uhr bei Paul.

**

Moe und Wanda trafen fast gleichzeitig bei Paul ein.  Sie gingen schweigend nach oben. Keiner wusste mit der Situation umzugehen. Sie waren erleichtert, als sie bei Paul im Wohnzimmer standen.

„Hey. Konntet ihr euch bisschen erholen?“

„Körperlich ja, aber in meinem Kopf schwirrt alles noch so unglaubwürdig umher.“ Meinte Moe.

„Ja, so in etwa geht es mir auch. Kommt setzt euch. Ich habe Kaffee gekocht. Lasst uns das langsam angehen.“

Sie versuchten sich in Smalltalk, während sie Kaffee tranken und Kuchen aßen, den Wanda mitgebracht hat.

„Gut: Nägel mit Köpfen. Gehen wir ans Eingemachte. Ich habe das Material schon gesichtet und bearbeitet. Das war echt nicht leicht. Aber aufschlussreich. Ich werde nie wieder zweifeln. Kommt schaut es euch selbst an.“

Die drei setzten sich vor den Fernsehapparat und warteten auf die ersten Bilder. Paul hatte den Ton untergelegt, so dass man fast eine Dokumentation vor sich hatte. Reality TV. Es war gruselig und verstörend die Geschehnisse nochmal zu sehen. Sehr beeindruckend war, wie Madame Morell den Geist von Moe herunterzog und natürlich die Anrufung der gepeinigten Seelen sich selbst an dem Arzt zu rächen. Sie konnten genau erkennen, wie der Arzt in diesen Strudel der verschiedenen Seelen gezogen wurde. Das nahm kein gutes Ende mit ihm. Aber wenn es einer verdiente, dann er.

„Ok. Können wir schon den weiteren Verlauf planen?“ fragte Moe

„Nein, wir müssen das mit Madame Morell besprechen. Ich will auf keinen Fall alleine in das Haus. Das ist mir zu gefährlich. Der Jakob Geist kommt mir stärker vor.“ Sagte Wanda

„Bestimmt, weil er direkt auf uns bezogen ist. Da fokussiert er seinen Hass.“ Sagte Paul.

„Gut, dann werden wir warten bis Madame Morell sich meldet.“ Sagte Moe erleichtert.

Fortsetzung

Das Haus der Seelen Teil 10

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Was davor geschah

Madame Morell hat es geschafft den Psycho Dok zu verbannen. Dazu hatte sie Hilfe der gequälten Geister, die von ihm gefoltert wurden. Aber der schlimmere Geist liegt noch vor ihnen. Die nächsten Tage werden sie Gestalten und Erinnerungen erleben, die ihnen helfen mehr zu verstehen und ihn hoffentlich auch zu bannen.


Madame Morell schloss die Tür auf und liess alles gerade so in den Flur plumpsen. Sie wurde alt. Es würde vielleicht langsam mal Zeit über den Ruhestand nach zu denken. Vielleicht sollte sie endlich mal eine Schülerin oder einen Schüler aufnehmen, der ihren Weg weiter gehen würde. Früher hatte sie nach so einer Sitzung wenige Stunden zur Erholung gebraucht. Aber es wurde immer schwieriger für sie. Sie bräuchte nach dem heutigen Tag schon wenigstens mal zwei bis drei Tage bevor sie dem nächsten Geist die Stirn bieten könnte. Es wird sich zeigen, ob sie solange Erholung bekommen würde. Vielleicht verhielt sich Herr Jakob erst mal paar Tage ruhig, da sich seine Umgebung verändert hat. Er wird vielleicht den neuen Raum erkunden, der frei geworden ist. Sie hoffte darauf. Die drei jungen Leute könnten auch einige Tage benötigen um die Batterie wieder auf zu laden und mit dem Erlebten fertig zu werden. Vor allem der arme Paul. Welch ein Schock so eingeschlossen zu sein. Sie legte sich in ihr Bett und es dauerte nicht lange da schlief sie selig, aber unruhig. Sie hatte ihre Wohnung natürlich gesichert gegen Geister. Egal ob gut oder böse. Hier war ihr reich, kein Geist willkommen. Aber vor dem Fenster manifestierte sich ein dunkler Schatten, der sie lange beobachtete, bevor er sich auflöste. Danach verfiel Madame Morell in einen erholsamen und ruhigen Schlaf.

In der Zwischenzeit hatten sich die anderen Drei wieder bei Wanda eingefunden und dieses Mal stellte Wanda gleich die Flasche Whiskey auf den Tisch. Welch ein Erlebnis. Und das war noch das leichtere. Paul war noch immer ganz blas im Gesicht und sein Glas zitterte in seiner Hand.

„Wollt ihr heute Nacht hier bleiben. Ich hätte nichts dagegen nicht alleine zu schlafen. Ich habe zwei Reisebetten, die gar nicht so unbequem sind.“

„Ich will auf keinen Fall heute alleine sein. Ich bleibe gerne. Wie sieht es mit dir aus Moe?“

„Ja, ja. Ich bleibe auf jeden Fall auch. Ich will noch nicht mal die Wohnung hier verlassen. Hat Madame Morell etwas zur Absicherung gesagt?“

„Nein. Das hat sie wohl vergessen. Aber was wir auf jeden Fall machen überall mal Salz verstreuen. Türen und Fenster. Das mache ich bevor ich nicht mehr laufen kann.“ Meinte Wanda.

Moe war sehr zurückhaltend. Sehr ruhig. Etwas beschäftigte ihn. „Wanda?“

„Ja?“ Sie hatte im Wohnzimmer die Betten vorbereitet.

„Meinst du wir schaffen den anderen Geist? Dieser hier war schon echt heftig. Ich glaube ich werde das Gefühl des Geistes auf dem Rücken nie vergessen. Und schau dir Paul an.“

„Ich weiss.“ Wanda hätte sich gerne an Moe geschmiegt. Etwas Wärme täte ihr gut. Aber es schien nicht passend. Oder? Sie nahm seine Hand. „Moe. Ich will gerne, dass ihr dabei seid. Aber ich kann verstehen, wenn ihr euch zurückzieht. Madame Morell wird das schon schaffen.“

Er erwiderte den Druck ihrer Hand und streichelte ihren Handrücken. „Ich glaube nicht, dass wir da raus kommen. Du hast selbst gesagt, die Vision hat uns alle drei betroffen. Also werden wir wohl alle involviert sein.“

„Das stimmt, aber vielleicht reiche ich um den Bann zu brechen.“

„Ich habe wirklich Angst. Aber ich lasse dich hier auf keinen Fall alleine.“ Er zog sie an sich und nahm sie in seine Arme. Sie schmiegte sich an ihn und es fühlte sich beruhigend an.

Paul kam in das Zimmer und der Zauber war vorbei. Die beiden lösten sich und Wanda wurde kalt. Sie gingen zurück in die Küche und redeten noch einige Zeit über den Tag und so langsam viel die Spannung ab. Dann zogen sich die drei zum Schlafen zurück.

Moe schüttelte seine Decke auf und legte sich hin. „Paul?“

„Was?“ Paul schien etwas genervt.

„Ist alles klar bei dir?“

„Wie soll alles klar sein? Ich werde noch lange Alpträume von diesem Tag haben.“

„Es ist wichtig, dass wir miteinander reden um das besser verarbeiten zu können. Zieh dich bitte nicht von uns zurück. Bitte.“

Paul zögerte:“ Nein, das werde ich nicht, aber lasst mich nicht fallen. Lasst mich nicht alleine damit. Dieses Erlebnis wird unsere Freundschaft verändern. Vielleicht zerbricht sie sogar.“

„Das liegt an uns, das zu verhindern. Wir sind Freunde. Für immer. Daran müssen wir uns klammern. Ich werde das nicht aufgeben. Ist das klar!“ Moe stand auf und zog Paul in die Arme. Er war steif und abwehrend, aber dann liess er es zu und fing an zu weinen. Diese Freundschaft würde nicht zerbrechen. Und vielleicht würde sich zwischen Moe und Wanda etwas mehr als Freundschaft entwickeln. Moe hoffte es. Er hoffte es schon so lange. Während er Paul tröstete, dachte er an die langen Jahre ihrer Dreier-Gemeinschaft nach.

Endlich war Paul eingeschlafen. Moe überlegte, ob er in die Küche gehen sollte um auf Wanda zu hoffen. Aber es war nicht der richtige Moment für romantische Gefühle. Er drehte sich um und auch ihn übermannte endlich der Schlaf.

 

Fortsetzung 

Das Haus der Seelen Teil 9

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Die restlichen Teile könnt ihr HIER finden

Ich habe diese Geschichte hier angefangen und werde sie deswegen auch hier noch weiter veröffentlichen, für diejenigen, die ihr vielleicht folgen.

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Was bisher geschah: Wanda, Moe, Paul und das Medium Madame Morell machen sich auf den Weg um den ersten Geist aus diesem Haus zu vertreiben. Es wird der Psychiater sein. Er hat eine Bindung an das Haus, im Gegensatz zu der des Jakob-Geistes, der an Wanda gebunden ist. Paul und Moe machen eine dramatische Erfahrung in den Kellerräumen. Dieses Erlebnis bring Paul an seine Grenzen. Werden sie es schaffen diesen Psychodoc. zu vertreiben? Lest hier weiter.

Neu motiviert machten sich die vier auf den Weg die Gruselkammer des Dr. Psycho zu finden. Die Lampen funktionierten, die Aufnahmegeräte zeichneten auf. Paul hätte noch am liebsten laut gepfiffen. Wenn das vorüber wäre, bräuchte er eine gute Therapie. Jemanden, der ihm erzählt, dass alles nur in seiner Einbildung geschehen war. Ihm paar Pillchen verschreibt und die Zeit, die das Tuch des Vergessens darüber breitet. Ja. Er würde das hier durchstehen.

Als sie um die nächste Ecke bogen, tauchten auf einmal unzählbar viele Schatten auf. „Ah – so viel Präsenz, wir müssen in der Nähe sein. Jetzt wird es bald spannend. Ich habe mal darüber gelesen, es aber noch nie angewandt. Mal sehen ob ich das hin bekomme. Dann sind wir hier ganz schnell weg.“ Meinte Madame Morell.

„Schnell weg klingt für mich ziemlich gut.“ Meinte Paul.

Ein kleiner Gang führte sie in einen der Anbauten. Sie befanden sich jetzt unter dem Turm. Und hier waren sie richtig. Hier standen mehrere Betten  mit Riemen und teilweise Ketten. Die obligatorischen Wannen und eigenartige Metallgehäuse, die wie Kammern aussahen.  Moe hatte so was schon einmal in einem Film gesehen. Da wurden die Menschen hineingesperrt und eine Art Laterna Magica projiziert bewegte Bilder. Ganz grausam.

„Meine Herren, meine Dame – hier sind wir richtig. Spürt ihr hier die Spannung. Es fühlt sich schon böse an. Gut, ich muss auspacken. Stellt mir den Tisch dahinten hier hin und Wanda? Bring mir bitte diesen Stuhl. Gut. Was ihr jetzt sehen werdet wird wirklich sehr herausfordernd für euren Geist. Also wappnet euch. Es wirkt gefährlich, aber es kann euch nicht verletzten. Physisch – deswegen achtet auf eure Psyche. Bleibt zusammen. Lasst euch auf keinen Fall hier raus drängen und voneinander trennen. Alles klar?“

Alle drei nickten ängstlich.  In dem Moment, als Madame Morell mit ihrer Ansprache fertig war, ging es los. Die Geister schrien.  Die Schatten flackerten unruhig hin und her. Die drei nahmen sich bei der Hand. Das tröstete sie. Und dann – als hätte die Hölle ihre Tore geöffnet – sprangen sie die Bilder an. Sie sahen ein Team um den Arzt stehen. Er hatte die Paddles des Elektroschockers in der Hand und legte sie dem armen Jungen an die Schläfen. Die Bilder kamen wie aus einem alten Filmprojektor. Unscharf, abgehackt, aber trotzdem Detailtreu. Der Arzt nahm sich die Säge, die auf dem Tray lag und fing an den Kopf des Jungen zu öffnen. Der Junge war benebelt, aber nicht betäubt. Sie konnten die Schreie hören.

In der Mitte des Raumes stand Madame Morell und murmelte wieder unverständliche Sätze. Zündete die Kerzen an und in einer Schale verbrannte sie irgendwelche Kräuter. Um sich hatte sie einen Kreis Salz gezogen. Danach hatte sie den dreien das Salz Päckchen hingeworfen und ihnen aufgetragen das ebenso zu machen. Und dann sang sie auch noch. Die Luft lud sich elektrisch auf und fast konnte man die Haare knistern hören. Es war sehr imposant. Allerdings kamen sich die drei vor, als würden sie einem Voodoo-Ritual folgen. Fehlten nur noch die Blutopfer, die hoffentlich nicht sie sein würden.

Kurz danach hörten sie Madam Morell sagen. „Ich lasse euch herein. Kommt herein, seid willkommen. Das ist eure Rache. Ihr könnt endlich frei sein. Kommt herein. Ich öffne die Tür für euch. Befreit euch von eurem Dasein und eurer Pein. Kommt herein. Kommt herein. „

Es war unbeschreiblich. Die Geisterwesen schienen sich fast zu materialisieren. Der Arzt war verblüfft. Als er bemerkte, was denn da geschah wollte er fliehen, aber der Fluchtweg war abgeschnitten. Die gepeinigten  Seelen forderten ihre Rache. Sie umringten den Arzt und dann fing die Umgebung an zu wabern. Es schien als würde sich ein Wirbel bilden. Und in diesen Wirbel wurde der Arzt gezogen. Man konnte noch seine Hände sehen, die versuchten sich heraus zu kämpfen aus diesem Strudel, der ihn verschlang. Sein Angst- und schmerzverzerrtes Gesicht wurde immer undeutlicher und löste sich dann mit dem Wirbel auf.

Als sich alles wieder beruhigte, sahen die drei die Geister in Ruhe stehen. Sie betrachteten Madame Morell und es schien als würden sie lächeln. Ein warmes Strahlen ging von ihnen aus. Sie wirkten glücklich.

„Ihr seid nun frei. Ihr könnt endlich die Erlösung erfahren. Fahrt auf in den Himmel und findet endlich eure Ruhe. Ihr seid frei.“

Ihr Gesicht war ganz grau. Die Anstrengung dieser Seance war ihr deutlich anzusehen. „So, ihr drei, es ist geschafft. Lasst uns endlich dieses Haus verlassen. Einen zweiten, noch stärkeren Geist schaffe ich heute nicht. Ich werde erst wieder etwas Energie tanken müssen. Aber das bereden wir noch. Lasst und schnell raus hier.“

„Ich sagte schon, schnell weg klingt gut.“ Meinte Paul, schnappte sich die Tasche von Madame Morell und führte die Gruppe an. Er hatte es verdammt eilig aus diesem Keller zu entkommen. Frische Luft und Mondlicht, oder war es schon hell und die Sonne schien. Sie hatten jegliches Zeitgefühl verloren. Allerdings fühlten sie etwas anderes. Frieden. Dieser Teil des Hauses strahlte in all seinem Verfall und Dreck Frieden aus.

FORTSETZUNG 

Das Haus der Seelen Teil 8

Teil 1 findet ihr HIER,

Die restlichen Teile könnt ihr HIER finden

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Nach den gemütlichen Stunden, die Wanda mit Madame Morell verbrachte, sah die Welt gar nicht mehr so grausig aus. Wanda und Madame Morell verabredeten sich für den selbigen Abend an dem Haus. In der Zwischenzeit würde sie die beiden Freunde aufklären. Sie hoffte innig, dass die beiden noch mitkommen würden.

Etwa eine Stunde später trafen sich Moe, Paul und Wanda in ihrem Online-Kaffee. Sie waren alle sehr nervös. Wanda hatte das Gefühl, dass nicht nur sie außerhalb des Hauses eigenartige Schwingungen spürte.

„Hi, ihr zwei. Wie geht es euch?“

„Übel. Ich bin total alle.“ Meinte Paul. Moe nickte nur.

„Okay. Euch geht es so wie mir. Ich war bei dem Medium.“

„Was! Ich dachte wir wollten aufhören?“ sagte Paul wütend. Und auch hier nickte Moe nur heftig.

„Ich kann nicht aufhören, der Geist verfolgt mich. Sogar bis zur Wohnung des Mediums. Das war so gruselig.“

„Und was sagt sie?“ Fragte Moe.

„Es sieht nicht so gut aus. Wegen des zweiten Geistes macht sie sich noch keine Sorgen, der scheint noch nicht auf uns aufmerksam geworden zu sein, oder ist harmlos uns gegenüber. Aber der erste. Manfred Jakob – der hat eine persönliche Beziehung zu uns. Und vorallem zu mir. Aber auch zu euch, ihr wart im Ballsaal mit bei der Vision. Wir treffen sie heute Abend am Haus“

Paul stöhnte gequält. „Ich will da nicht mehr hin, Wanda. Ich hab echt Schiss.“

„Ich weiss, glaubst du mir geht es besser? Ich spüre ständig seine Anwesenheit.“

Die drei diskutierten noch einige Zeit über dieses Thema und machten sich dann auf um sich mit Madame Morell zu treffen. Wohl fühlten sie sich alle nicht dabei.

Als sie ankamen war Madame Morell schon auf dem Grundstück. Sie stand dort und lauschte.

Wanda räusperte sich, da sie bedenken hatte, sie einfach so zu stören.

„Ach da seid ihr ja. Moe und Paul. Schön euch kennen zu lernen. Ich bin Madame Morell, aber das dürfte euch ja klar sein.“ Schmunzelte sie.

Sie strahlte eine Ruhe aus, die sich sofort auf die drei projizierte. Wanda fühlte sich schon wieder sicherer. Ja. Es musste erledigt werden.

„Ok. Ich denke wir sollten dann rein gehen. Am besten nehmen wir uns erst mal den Keller vor. Ich will wissen, wie gefährlich der andere Geist ist. Bei Jakob weiss ich es ja schon, der wird eine harte Nuss, aber ich hoffe wir schaffen das. Aber es wird nicht leicht und könnte auch gefährlich werden. So seid ihr bereit.“

„Auf keinen Fall“, meinte Paul und schaute wirklich sehr unglücklich.

Sie packten ihre Taschen und gingen erneut durch die grosse, quietschende Eingangstür. Laut dem Grundriss sollte die Treppe zum Keller links liegen. Hinter dem Salon ging ein kleiner Gang nach rechts, der führte dann nach unten. Sie gingen los und Wanda behielt Madame Morell im Auge. Sie wollte ihre Reaktionen sehen. Aber Madame Morell bewegte sich absolut sicher vorwärts. Sie gingen in den Salon und bogen dann leicht rechts ab. Zum Glück waren Moe und Paul besser organisiert, als sie selbst. Sie hatte keine Taschenlampe eingepackt.  Aber die beiden hatten sogar diese praktischen Stirnlampen dabei. Sie waren wirklich eine Hilfe. Wanda war froh, dass sie doch mitkamen.

Mit den Stirnlampen ausgerüstet, Diktiergerät und Kamera, begaben sich die vier nach unten. Es wurde immer kälter, aber das war auch zu erwarten bei diesem Gemäuer. Es roch muffig und feucht. Das gesamte Gebäude schien unterkellert. Von dem Keller gab es kein Grundriss, deswegen konnten sie nicht wissen, wie viel Räume es geben würde.

Sie liefen hintereinander und Wanda hätte am liebsten Moe und Paul an die Hand genommen, wie im Kindergarten bei den Ausflügen. Sie fühlte sich ziemlich unwohl. Sie war gespannt, ob sich der zweite Geist zeigen würde. Und kaum hatte sie es ausgesprochen, flackerten die Stirnlampen.

Oh je, schon wieder ein Horrorfilm-Klischee. Wirklich? Die ausgehende Taschenlampe?  Das war wirklich sehr gruselig.  Und in dem Moment als die Lampen sich stabilisierten, sahen sie einen Schatten durch die Gänge huschen. Wanda griff schnell nach Moe´s Hand. Ob sie jemals wieder die Gänsehaut loswerden würde? Es schien, diese hätte sich eingebrannt. Wieder ging das Licht aus. Aber die Kamera verfügte über Nachtsicht und Paul schaute gerade durch den Sucher als er fast zu Tode erschrak. Die Gruppe war im Dunkeln stehen geblieben. Aber vor ihnen, von der Decke, hing etwas. Erst konnte Paul es nicht erkennen. Aber dann drehte es den Kopf und er schaute in glühende Augen. Sofort nahm er die Kamera vom Auge und schaute gleich wieder hinein. Diese Figur war weg. Nein! Sie war näher gekommen. Sie stand neben Moe. Fast drückte sie ihre Nase an seinen Kopf. Als wollte sie an ihm riechen.

„Moe, duck dich, da steht ein Geist neben dir.“

Moe duckte sich heftig. Dabei verlor er Wanda´s Hand. Und auf einmal hatte er das Gefühl alleine zu sein. Da ging das Licht wieder an. Und er war tatsächlich alleine. Er war alleine! Und gerat in Panik. Er drehte sich und rannte den Weg wieder zurück. Dann rannte er wieder vor. Eine Tür stand offen, da ging er hinein. Es war natürlich dunkel. Die Lampe beleuchtete nur schwach den Raum. Er konnte ein Bett sehen, einen Tisch, ein Regal, eine Toilette. Wie in einem Gefängnis. Es war furchtbar beengend und er hatte das Gefühl etwas drückte auf seinen Nacken. Dann hörte er die anderen wieder. Wo waren sie nur gewesen.

„Paul, Wanda, Madame. Ich bin hier in dem Raum. Wo wart ihr verdammt nochmal?“

Sie traten ein und Paul schaute durch die Kamera. Ihm stockte der Atem. Auf Moes Rücken sass diese Figur. Jetzt konnte er es erkennen. Es war eine dürre Frau in einem Nachthemd. Sie klammerte sich auf seinen Rücken fest, als wollte sie sich anschmiegen. Dabei schaute sie Paul grinsend an. In dem Moment trat Madame Morell vor. Legte Moe die Hand auf den Rücken und zog, als könnte sie die Figur sehen. Sie zog diese Frau von Paul hinunter. Sofort verschwand der Druck auf Moes Nacken. Er drehte sich um und schaute Fragend in die Runde.

„Verschwinde von diesem Mann, er gehört nicht dir. Verlasse uns nun und suche deinen Raum.“

Madame Morell fuchtelte mit einem Wedel vor sich her. „Ein Salbeibündel.“ Meinte sie nur kurz. „Das vertreibt die schwachen Geister. Dieser wollte nur etwas von deiner Lebensenergie. Sie scheint ihr gefallen zu haben. Aber sie war nicht gefährlich. Nur ein armes Wesen. Ein armes verirrtes Wesen.“

Moe stolperte und musste sich an der Wand abstützen.  Ungefährlich oder nicht, ein Geist hatte auf seinem Rücken gesessen. Er unterdrückte den Drang sofort aus diesem Haus zu rennen.

„Kommt, lasst uns weiter gehen. Das war noch nicht das was ich suche. Irgendwo muss der Psychiater gewirkt haben. Ich spüre die gequälten Seelen überall. Manche sind wie diese eben. Harmlos nur auf etwas Energie aus. Aber es gibt auch wütende, die schmerzen erleiden mussten. Wir sollten uns sputen. Es könnte vielleicht eine recht gute Lösung für dieses Problem geben. Also auf, auf.“

Die drei schauten sich an und schüttelten sich. Aber sie gingen weiter. Paul übergab Moe die Kamera, denn er war nicht unbedingt noch mal scharf darauf in solch ein Gesicht zu sehen und Moe wollte lieber sehen was so vor ihm sein könnte, sollte das Licht wieder ausgehen.

Sie erreichten den Operationssaal. Im Nebenzimmer stand eine Wanne. Sie war furchtbar verdreckt. Es sah aus wie Blut. Sie gingen in dieses Nebenzimmer und fanden noch eine Art Grube  im Boden. Ein Loch  mit einem Deckel. Sofort erschienen Flashbacks. Es war, als würde eine Übertragung stattfinden, aber der Empfang war sehr schlecht, deswegen gab es immer nur kurze Bilder. Und diese hatten es in sich. Ein Bett stand noch in der Ecke. In der Wann lag eine Frau. Aber sie war mit Eiswürfeln bedeckt. Sie zitterte und hatte schon blaue Lippen. Auf dem Bett war einer angekettet. Sein Kopf war fixiert und in seinen Augen steckten die Lobotomie Nadeln. Weiter hinten konnten sie ein mobiles Element mit vielen Drähten erkennen. Anscheinend waren diese für die Stromtherapien verwendet. Moe schaute sich die Grube im Boden an. Und in dem Moment in dem er davor stand konnte er den Glaseinsatz im Deckel erkennen. Da bewegte sich etwas.  Er drehte sich weg um Paul nach seinem Licht zu fragen und als sie zu zweit dort standen, erschien ein Gesicht. Ein kleines Mädchen. Es klopfte gegen die Scheibe. Es schrie und klopfte, die Finger waren schon blutig. Moe und Paul schraken zurück und wollten sofort diese Luke öffnen. Aber da war nichts mehr. Kein Mädchen mehr, kein Blut. Sie öffneten sie und nichts. Ein fauliger Geruch kam ihnen entgegen. Paul kletterte rein. Er leuchtete die Kammer aus und fand ein kleines Skelett. Er ging in die  Hocke, das war zu viel. Er konnte nur erahnen was passiert war.

Moe hatte sich zu Wanda umgedreht. „Wo ist Madame Morell?“

„Ich weiss nicht, sie war eben noch da.“

Und in dem Moment gab es einen Schlag. Der Deckel der Grube war zugefallen. Moe rannte zurück und sah die vor Angst aufgerissenen Augen seines besten Freundes. Er schrie und klopfte an die Scheibe. Moe versuchte den Deckel aufzuheben.

„Wanda, hilf mir, Paul sitzt in der Falle. Ich bekomme den Deckel nicht auf. Komm doch schnell. Hilf mir!“

Wanda kam angerannt und versuchte ihm zu helfen. Nichts! Der Deckel liess sich nicht öffnen. „Ich suche nach etwas zum Aufhebeln. Paul bleib ruhig. Wanda bleibt hier.“

„Madame Morell, wo zum Teufel sind sie? Wir brauchen ihre Hilfe. Paul ist gefangen. Wo sind sie!?“

Paul rannte durch den Raum und versuchte etwas zu finden, mit dem er den Decken aufstemmen konnte. Er riss die Schränke auf und wühlte in den Schubladen. Da erschien Madame Morell in der Tür.

„Lass mich machen.“ Und sie ging zu der Grube. Sie legte die Hand darauf und murmelte unverständliche Worte. Als sie fertig war, sprang der Deckel auf und entliess Paul in die Freiheit. Paul rannte hinaus, stolperte und fing an zu weinen. Wanda ging zu ihm und nahm ihn in den Arm um ihn zu beruhigen. So saßen sie paar Minuten, bevor Madame Morell was sagte.

„Ihr lieben. Hier gibt es eine böse Präsenz und einige sehr wütende Geister. Das habe ich mir in etwa so gedacht, das können wir für uns nutzen. Ich  muss nur den Raum finden in dem der Psychiater die Menschen gequält und getötet hat, dann sind wir dieses Problem ganz leicht los.

„Muss das heute noch sein?“ Fragte Wanda. „Paul hat furchtbares erlebt. Er ist nervlich am Ende.“

„Ich würde es gerne verschieben. Aber dann müssen wir noch mal kommen. Ich will ihn aber auch  nicht alleine hier lassen. Paul? Paul? Was meinst du. Wirst du es schaffen, oder sollen wir dich raus bringen?“

Paul schluchzte. Schniefte und stand auf. “Nein, ich schaff das. Lasst uns dem Wichser in den Arsch treten. Dem ersten Wichser. Wir werden hier als Sieger hinausgehen.“ Er straffte seine Schultern und ging los.

 

FORTSETZUNG 

 

Das Haus der Seelen Teil 7

Teil 1 findet ihr HIER,

Die restlichen Teile könnt ihr HIER finden

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Wanda sass am Küchentisch, der Kaffee stand dampfend vor ihr, die Sonne schien durch das Fenster und gaukelte eine glückliche Welt vor. Sie war in Gedanken und spiele mit der Visitenkarte in der Hand. Madame Morell,  Medium und eine Telefonnummer, mehr stand nicht darauf.  Sie dachte an die vergangenen Ereignisse und ihren Traum. Sie wusste, sie musste was machen, es würde nicht von alleine enden. Sie wollte erst mal alleine Kontakt zu Madame Morell aufnehmen. Erst mal antasten, bevor sie den anderen beiden etwas sagen würde. Sie nahm das Telefon, wählte die Nummer und wartete.

Nicht lange und auf der anderen Seite nahm jemand ab.

„Madame Morell, wie kann ich ihnen helfen.“

„Äh. Hallo, Madame Morell. Mein Name ist Wanda Michel. Ich habe ihre Nummer von Norma Benedikt bekommen. Sie währen bewandert in Geisteraustreibung.“

„Ah, Norma, die Liebe. Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen. Sie hat Recht, aber haben sie Recht? Ist es wirklich ein Geist, der sie heimsucht, oder sind es nur irgendwelche Hirngespinste. Ist ja alles wieder so modern. Ouija und alles was noch so umgeht. „

„Nein, nein. Das ist wirklich kein Hirngespinst. Wir wurden angegriffen und ich habe Träume und Visionen. Es geht um das alte Jakobs Haus.“

Stille.

„Madame Morell?“

„Ja, ja. Ja gut, das klingt auf jeden Fall so, dass sie treffen möchte. Kommen sie heute Nachmittag zu mir.“ Sie nannte die Adresse und verabredeten sich für Sechzehn Uhr.

Wanda atmete auf. Es war der richtige Weg. Sie fühlte sich schon leichter. Die Last schien etwas weniger zu werden. Jemand mit Ahnung würde ihr bestimmt helfen.

Um Sechzehn Uhr betrat Wanda schüchtern das Treppenhaus und stand unsicher vor Madame Morells Wohnung. In dem Moment als sie sich entschloss zu klopfen überlief sie ein Schauer. Sie drehte sich um. Irgendjemand beobachtete sie. Im Schatten. Da. Etwas bewegte sich im Schatten. Es bewegte sich auf sie zu. Die Lichter im Treppenhaus gingen nach und nach aus. Der Schatten bewegte sich mit jeder erlöschenden Birne weiter auf sie zu. Wanda fühlte sich wie ein Reh, das von einem Scheinwerfer angestrahlt wurde. Sie lehnte sich an die Tür und spürte schon den eisigen Hauch, der von dem Schatten ausging, als sich die Tür ruckartig öffnete. In dem Moment gingen die Lichter wieder an und der Schatten verschwand. Schnell zog Madame Morell Wanda in die Wohnung und hängte eine Kette vor die Tür. Keine Sicherheitskette. Es war eine Kette mit verschiedenen Kräuter, die Wanda nicht kannte.

„Oh mein Gott. Da haben sie aber jemand mächtigen sauer gemacht, wenn er sich von dem Haus lösen kann. Meist sind die Geister an Orte gebunden. Aber es scheint, nicht der Ort ist sein Bezug, sondern sie. Das ist interessant. Komme sie schnell, lassen sie uns ins Wohnzimmer gehen, da steht schon ein warmer Tee und etwas Süßes für die Nerven.“

Wanda zitterte und nicht wegen der Kälte.  Dieser Schatten. Sie hatte das Gefühl ihn schon gesehen zu haben. Am Ende der Treppe im Haus. Sie war sich sicher, dass es derselbe war. Er löste das gleiche Gefühl in ihr aus.

Als sie in dem gemütlichen Wohnzimmer saß merkte sie, dass sie langsam entspannen konnte. Dieser Raum strahlte eine Sicherheit aus. Sie  konnte sich fallen lassen. Sie brauchte sich nicht zu erklären, da Madame Morell ja eine Erscheinung mitbekommen hatte.

„So meine Liebe, dann erzählen sie doch mal von Anfang an, wie sie diesen Geist an sich gebunden haben.“

„Ich habe ihn bestimmt nicht bewusst gebunden. Ich weiss nicht, ich glaube er hat mich erkannt. Kann das sein?“

„Ja, ja, das kann sein. Sie sagten etwas von Visionen. Darf ich davon ausgehen, dass sie Visionen von sich in einem anderen Leben hatten?“

„Ja! Genau. Ist das so üblich?“

„In ihrer Situation schon. Ein Geist, der sich an einen Menschen bindet, spürt meist eine Brücke in die Vergangenheit auf. Wer war er?“

„Ich denke es geht um Manfred Jakob und er war wohl mein Vater. Aber in dem Haus muss es noch eine böse Präsenz geben. Es wurde von einem Psychiater berichtet, der Experimente mit den Insassen durchgeführt hat. Aber ihn haben wir noch nicht gesehen, oder gespürt. Nur mal Tonaufnahmen, die auf ihn hin deuteten.“

„Hm. Zwei böse Präsenzen. Das ist nicht gut. Schade, dass es nicht wie in der Mathematik ist. Minus mal Minus ergibt Plus.“ Lachte sie. “Das wird durchaus nicht leicht. Es kann sein, dass der zweite Geist sie noch nicht bemerkt hat, da der erste dominant ist. Es kann aber auch sein, dass er auch noch auf taucht. Aber da er keinen persönlichen Bezug zu ihnen hat, wird er sich auf das Haus beschränken, das macht es leichter. Das werden wir dann Vorort sehen.  Da bin ich flexibel.

„Ja, davon habe ich gelesen und auch schon solche Erscheinungen gehabt. Ach, das wäre eine richtige Erleichterung, wenn es nur um Jakob ginge. Es gibt noch zwei Männer in meinem Team, die da auch involviert sind. Sie waren auch in meiner Vision. Anscheinend hatten sie auch etwas in meinem Leben zu suchen. „

„Hm interessant. Erzählen sie mich doch etwas, was sie so alles schon herausgefunden haben.“

Wanda erzählte alles was sie über die Familie herausfand. Die angebliche Hochzeit, das Verschwinden der Familie und ihre Visionen und Träume.

FORTSETZUNG

Das Haus der Seelen Teil 6

Teil 1 findet ihr HIER,

Die restlichen Teile könnt ihr HIER finden

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Wandas Beine fühlten sich an wie Wackelpudding. Was hatten sie denn da gerade erlebt. Das war furchtbar und bestätigte die Theorie, in dem Haus gab es wenigstens einen bösen Geist. Was hatte Norma gesagt, wir sollten nicht alleine da rein gehen. Ein Medium oder ein Geistlicher. Sie kannte keinen Geistlichen, ob der hiesige Pfarrer genügend Ahnung hätte. Aber wer, das wäre auf jeden Fall das Medium. Da die Adresse von Norma kam, wusste Wanda, dass sie ein echtes vertrauenswürdiges Medium wäre.

Die drei saßen bei Wanda zu Hause und jeder hatte ein Glas mit Whiskey in der Hand. Es musste etwas Stärkeres als Kaffee sein.

„Verdammt, was ist da geschehen?“ Wandas Stimme zitterte.

„Ich weiss es nicht.“ Meinte Paul. „Ich denke wir müssen erstmal die Aufnahmen sichten. Ich habe meinen Laptop dabei. Wartet.“

Paul nahm seine Tasche und angelte den Laptop raus. Dann schloss er die Spiegelreflexkamera an und holte die Bilder runter. Dann nahm er Wandas Actioncam und das Aufnahmegerät. Als er alles zusammen hatte, fingen sie mit der Sichtung der Fotos an.

Da die Fotos in der Bewegung geschossen wurden, waren die meisten nicht verwendbar. Aber er hatte tatsächlich die Situation erfasst, als Wanda in der Luft hing. Und da war etwas zu erahnen. Es sah aus wie ein blinder Fleck, aber ein strukturierter. Man konnte tatsächlich eine Figur erkennen, mit ausgestreckten Armen, deren Hände an Wandas Hals endeten. Man konnte keine Details erkennen. Aber etwas war da. Schnell öffnete Paul die Aufnahmen der Actioncam, die Wanda direkt trug.

Aber da war es ähnlich wie  mit der Kamera. Die schnellen Bewegungen, hatten nur den Raum erfasst. Bis zu dem Moment als Wanda anfing zu schweben. Da konnte man ein Gesicht erkennen, oder erahnen. Ein hasserfülltes Gesicht, das Wanda anschrie.

Da kamen jetzt die Tonaufnahmen dazu. Paul ließ sie ablaufen.  Meist hörte man nur die drei. Aber dann – das musste so zu der Zeit der Vision gewesen sein – hörte man eine wütende Männerstimme.

„Du Hure. Machst du den jungen Männern wieder schöne Augen. Du wirst mir nie entkommen. Schon gar nicht durch einen anderen Mann. Du bist mein Eigentum. Eher werde ich dich töten. Du bist mein.“ Und dann war nur noch das gegurgel von Wanda zu hören als sie gewürgt wurde.

Die drei griffen nach ihren Gläsern und schauten sich fassungslos an.

„Ich glaube wir sollten die ganze Sache abbrechen.“ Meinte Moe.

„Ja du hast Recht. Das wird echt zu gefährlich. Meine Neugierde reicht hierfür nicht aus.“ Meinte Paul

Wanda blieb ruhig und schaute in ihr Glas. Sie befürchtete, dass ein Abbruch nicht mehr möglich war. Sie waren schon zu weit gegangen. Und ihre Vision im Ballsaal zeigte, dass sie alle irgendwie darin verflochten waren.

Aber was war das zwischen ihr und Moe. Sie weiss, das  Amelia entkommen war, indem sie einen Amerikaner heiratete. Ob das Moe gewesen war? Leider konnte sie keine Informationen über Amelia und ihrer Familie in Amerika finden. Als wären sie vom Erdboden verschwunden. Waren sie wirklich nach Amerika ausgewandert, oder hatten sie das Haus nie verlassen?

Als Moe und Peter endlich weg waren, kroch Wanda in ihr Bett, lies aber das Licht an. Sie hatte einfach Angst. Nahm ihr Stofftier in den Arm und schaute an die Decke. Sie versuchte einige Dinge zu verstehen, aber hier eröffneten sich Dinge, an die sie niemals richtig geglaubt hatte. Es gab Geister und sie waren nicht nur harmlose verirrte Seelen, die ins Licht geführt werden wollten. Manche schienen so böse zu sein, schon noch als Lebende, dass sie auch noch böse Geister wurden. Das war furchtbar. Noch nicht mal im Tod gab es Erlösung für diese Menschen.

Sie hatten sich noch gar nicht gefragt welcher Geist dies war. Aber eigentlich war das auch nicht nötig. Alle gingen davon aus, dass es der Geist von Manfred Jakob war. Der gestörte Arzt der Psychiatrie war nicht aufgetaucht. Zum Glück. Vielleicht war er nicht stark genug gegen Jakob. Oder, da er ja seine Behandlungsräume im Keller hatte, würde er dort herumspuken. Na toll.

Aber eigentlich ging Wanda nicht von einer Bedrohung aus dieser Richtung aus. Denn dieser Arzt hatte keinen Bezug zu ihr. Im Gegensatz zu Manfred Jakob. Er schien mit ihr oder ihnen verbunden zu sein. Sie konnte es nur hoffen. Mit zwei so bösen Geistern wären sie mehr als Überfordert.

Während sie so vor sich hin überlegte, vielen ihr die Augen zu. Aber es war kein erholsamer Schlaf. Sie träumte von dem Haus und wieder einer Situation mit ihrem Vater. Er war mal wieder wütend und zerrte sie an ihrem Arm die Treppe hoch. Er sperrte sie in einen Wandschrank und lachte höhnisch, während Amelia weinte. Ihre Schwester, Rosemarie, kam und setzte sich davor um Amelie zu beruhigen.  Sie war selbst schon in diesem Schrank gelandet. Sie wusste genau wie es war, wie düster und muffig. Die Wände kamen immer näher. Es war furchtbar. Die Mutter war nicht im Haus. Sie hatte ihren Frauentreff in der Stadt. Die Mädchen waren alleine mit dem wütenden Vater. Sie hörten ihn im Erdgeschoss poltern. Und irgendwann fiel die Tür ins Schloss. Er war gegangen.

Wanda schlief, nachdem Manfred das Haus verlassen hatte entspannt weiter und wachte sogar relativ ausgeruht auf. Ihre Befürchtung schien sich zu bestätigen. Es würde keine Ruhe geben. Selbst wenn sie nicht mehr in das Haus gehen würden. Der Geist hatte sie schon berührt und war nicht an einen Ort gebunden. Seine Präsenz war im Haus stärker. Aber es war nicht ungefährlicher ausserhalb. Sie würden sich wohl doch Professionelle Hilfe holen müssen. Sie ging an ihre Handtasche und wühlte nach der Karte, die Norma ihr gegeben hatte. Das Medium. Sie brauchten ein Medium.

FORTSETZUNG folgt

Haus der Seelen Teil 5

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Als sie bei dem Grundstück ankamen, blieben sie erstmal stehen. Es wirkte noch unheimlicher in diesem dämmerigen Licht. Sie bekamen alle drei Gänsehaut und irgendwie stockten sie. So richtig hatte keiner die Muse das Grundstück und vor allem das Haus zu betreten. Wanda löste sich als erstes aus ihrer Starre.

„Gut. Gib mir eine Taschenlampe, Paul. Dann nehmt ihr am besten das Aufnahmegerät, ich die Kamera und, wie sieht es aus. Soll ich die Actioncam tragen, oder will das einer von euch?“

Moe überlegte:“ Vielleicht ist es nicht verkehrt, wenn du auch ein Aufnahmegerät trägst, die Actioncam. Und Paul nimmt die Spiegelreflexckamera. Wir sollten uns nicht trennen, aber es kann ja trotzdem passieren. Jeder hat ein Thermometer am Armband, da es kalt ist, weiss ich nicht ob man einen rapiden Temperatursturz so gleich merkt. Was noch? Kruzifixe habt ihr alle. Salz habe ich, Weihwasser hat Paul. Gut, lasst uns rein gehen.“

Wanda umarmte die beiden und dann gingen sie, etwas bedrückt, hinein. Die Tür machte wieder dieses seltsam quietschende Geräusch. Die Schatten spielten mit ihren Sinnen. Es fühlte sich an, als würde an jeder Ecke, in jeder Nische ein Jemand stehen. Die Gänsehaut, die ihre Arme überzog, würde wohl an diesem Abend nicht mehr abklingen.

Da sie den oberen Stock schon betreten hatten, wollten sie sich dieses Mal im Erdgeschoss  umschauen. Den Salon hatten sie ja schon oberflächlich begutachtet. Also wollten sie in die andere Richtung gehen.

Sie gingen nach rechts. Gegenüber gab es auch noch einen Gang. Der führte laut Grundriss In das Gartenzimmer und Damenzimmer. Nach rechts sollte es ins Speisezimmer gehen. Dahinter lag das Raucherzimmer und angelegt, das Herrenzimmer. Durch das Raucherzimmer kam man in den Festsaal. Von dort aus sollte man dann in das Turmzimmer gelangen.

Das Speisezimmer strahlte, wie die Halle, einen alten Glanz, der schon stark gelitten hatte. Aber man konnte es sich noch vorstellen. Wanda blieb stehen und versank in eine Erinnerung.

Sie saß am Tisch, am Kopfende ihr Vater, daneben ihre Mutter. Ihre Schwester saß neben ihr und schaukelte mit dem Stuhl. Ihr Vater haute mit der Faust auf den Tisch und schimpfte mit ihrer Schwester. Beide zogen ihre Köpfe ein. Ihre Mutter schien abwesend. Das war in letzter Zeit öfter der Fall. Sie schien keinen Anteil an der Situation zu nehmen. Als wäre sie gar nicht bei ihnen. Die Mädchen schluchzten leise. Sie hatten Angst, dass ihr Vater es hören würde, also löffelten sie die Suppe um es zu vertuschen.

„Wanda? Waanda! Komm lass uns weiter gehen. Ich will mal sehen wie so ein Raucherzimmer und Herrenzimmer aussieht. Ich kenne das nur aus historischen Filmen. Wie muss man sich fühlen als Mann von Welt, wenn man sich „zurück zieht“.  schmunzelte Moe.

Sie betraten das Raucherzimmer. Die Wände schienen noch wie aus alten Zeiten. Getäfelt und viele Regale, aber durch die anderen Einrichtungen war nicht mehr viel vom Raucherzimmer zu erkennen. Moe schien enttäuscht. Er hatte sich bestimmt dunkle Ledermöbel vorgestellt und einen unvergänglichen Geruch nach Zigarren. Der Humidor in der Ecke. Ein prasselndes Feuer im Kamin.

Wanda hatte das Gefühl Zigarrenrauch zu riechen. Ausserdem hatte sie das Gefühl Stimmen zu hören. Schnell machte sie die Actioncam an und das Aufnahmegerät. Sie schaute auf ihr Thermometer aber es wurde nicht kühler. Vielleicht spielte ihr Verstand ihr einen Streich. Sie hatte bei ihrer Recherche gelesen, dass es Kopien der Zeitstränge gab. Es schien, dass schon erlebtes in einer Zeitschleife immer wieder ablief. Das würde ihr erlebtes erklären, ohne diese Geisterphänomene. Sie konnte einfach Erlebtes erkennen.  Das war nicht beängstigend. Jedenfalls im Moment, wenn die Situationen so harmlos war. Sie hoffte nicht, dass dies auch für nicht so harmonische Begegnungen zutraf.

Sie bogen ab ins Herrenzimmer. Aber hier war es ähnlich. Der alte Glanz, den man erwarten könnte war nicht mehr vorhanden. Es schien, als wären beide Zimmer nur noch Gemeinschaftsräume. Vielleicht kamen hier die Familien zu Besuch.

Jetzt betraten sie den Festsaal und es war berauschend. Sofort erklang die Musik.  Wanda schaute sich zu ihren beiden Begleitern um. Sie schienen auch etwas zu hören. Diesesmal war die Erscheinung wohl stark genug um auch sie zu erreichen.  Und in diesem Moment schienen sie in eine andere Zeit katapultiert. Wanda sah an sich hinunter und sie hatte ein traumhaftes Ballkleid an. Sie sah zu Moe und Paul. Beide hatten einen Smoking an und hielten Whisky Gläser in der Hand. Moe sah zu ihr, lächelte, drückte sein Glas Paul in die Hand und kam zu ihr.

„Fräulein Jakob. Wie schön sie hier anzutreffen. Ich hatte gehört, ihr fühlt euch nicht wohl und befürchtete, dass ihr mich nicht mit eurer Anwesenheit zu erfreuen. Dürfte ich um diesen Tanz bitten?“

„Herr Walter. Ihr schmeichelt mir. Ja mir war etwas unwohl. Ich konnte mich aber etwas zu Ruhe begeben und jetzt geht es mir erstaunlich gut. Und ja – ich würde gerne mit ihnen tanzen.“

Und die beiden bewegten sich wie in Trance über die Tanzfläche. Nach einigen Minuten tanzten sie an ihrem Vater vorbei und sie erhaschte seinen Blick. Dieser Blick, sie kannte ihn. Er war sehr wütend und sie bekam Angst. Sofort als die Musik aufhörte, löste sie sich von Moe und verschwand.

Die drei standen sich im Kreis gegenüber und wurden gleichzeitig wieder wach.

„Was war das?“ fragte Paul.

„Ich weiss nicht, ich habe euch in den Visionen noch nie gesehen. Sollten wir in der Vergangenheit schon mal aufeinander getroffen sein? Sind wir deshalb jetzt wieder hier zusammen?“

Wanda und Moe schauten sich an. Was war das zwischen ihnen? Sie hatte das Gefühl, sie spürte noch Moe´s Hand auf ihrem Rücken. Und dieses Gefühl war einfach richtig.

Allerdings fühlte sie auch noch immer den wütenden Blick Manfred Jakobs auf sich. Und sie drehte sich um, da sie das Gefühl hatte ihn immer noch auf sich zu spüren. In dem Moment traf sie etwas im Rücken. Sie fiel und dabei konnte sie einen Blick auf das Thermometer werfen. Die Temperatur war rapide gefallen.  Wanda richtete sich auf und rutschte an den Rand des Raumes. Dann sah sie wie Moe quer durch den Raum geschleudert wurde. Paul rannte schnell zu ihm. Aber er vergass nicht ständig auf den Auslöser zu drücken. Er hielt die Kamera ständig erhoben und versuchte jede Ecke zu erwischen. Als er bei Moe ankam schien der Angriff vorüber. Paul half Moe auf. Und Moe griff schnelle nach dem Salz während Paul das Weihwasser nahm. Sie hielten sich bereit. Wanda wollte gerade aufstehen, als sie plötzlich eine Hand an ihrem Hals spürte. Sie war eiskalt aber sie drückte kräftig zu. Es lag so viel Kraft in diesem Druck dass sie vom Boden erhoben wurde.

Wanda bekam keine Luft mehr, ihre Füsse strampelten und versuchten gegen ihren Angreifer zu treten, aber sie fanden kein Ziel. Moe und Paul kamen angerannt, aber sie wurden weg geschleudert. Sie hatten keine Chance an Wanda heran zu kommen.  Jedesmal wenn sie es versuchten, landeten sie wieder an der gegenüberliegenden Wand.

Wanda sah schon Sterne und versuchte mit ihrer Hand ihren Hals frei zu kratzen. Dabei konnte sie ihr Kruzifix frei legen. Auf einmal ließ der Druck auf ihren Hals nach und sie fiel schmerzhaft auf den Boden.  Moe und Paul konnten aufstehen und kamen schnell zu Wanda. Moe schloss sie in seine Arme und behielt schützend, das Salz in der Hand.

„Lasst und schnell hier heraus, bevor noch weiteres geschieht. Wir müssen hier raus. Schnell“, rief Paul.

Sie sammelten sich und rannten so schnell es ihnen möglich war zum Ausgang. Erst als sie vor dem Grundstück zum Stehen kamen, atmeten sie durch. Moe versuchte Wanda noch mal tröstend in den Arm zu nehmen, aber sie wehrte ihn ab. „Was war das? Wir müssen die Aufnahmen sichten und anhören. Ich brauche dringend etwas zu trinken. Mein Hals schmerzt.“

Und als die drei sich von dem Haus entfernten, erschienen an Wandas Hals Würgemale und am Fenster der Halle wutverzerrtes Gesicht.

Fortsetzung folgt