Das zweite Wort | 2017 – Der Tanz der roten Schuhe

Das Projekt*txt wird gegenwärtig von Dominik Leitner und Katharina Peham betreut.

Was ist das Projekt *.txt?


Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!

 

Entschuldigt die Länge der Geschichte, ich wollte sie nicht schon wieder aufteilen. Ich wünsche Euch viel Spass beim Tanzen ;-)

 

Das zweite Wort | 2017 – Der Tanz der roten Schuhe

Nächtelang hatte sie jetzt schon getanzt. Sie liebte das Tanzen, aber nicht ununterbrochen. Sie konnte ihren Körper fast nicht mehr aufrecht halten. Wie sollte sie denn  das schaffen? Karen verfluchte den Tag an dem sie über den Flohmarkt ging und diese schönen Schuhe sah.

Sie waren auch hier noch unerschwinglich, und Karen ging weiter. Aber diese Schuhe hatten sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Sie hatte fast das Gefühl, sie würden sie verfolgen. In jedem Schaufenster sah sie diese Schuhe und an jedem Fuss einer Frau, die an ihr vorüberlief. Es war gruselig. Sie hatte das Gefühl, irgendetwas lenkte ihre Füsse wieder an den Stand mit den Schuhen. Sie liebte es mehrere Runden über den Flohmarkt zu schlendern. Deswegen schob sie es einfach auf ihr Ritual. Aber tief in ihrem Inneren wusste sie, dass es nicht so war. Unter normalen Umständen hätte sie die Schuhe schon längst vergessen. Sie war gar nicht so besessen von Schuhen. Meist trug sie sie bis sie auseinander fielen. Aber diese roten Schuhe, die hatten sie verzaubert. Sie musste sie haben. Sie würden so toll an ihren Füssen aussehen und jeder, der sich immer etwas lustig gemacht hatte würde sie jetzt damit bewundern.

Als sie die Schuhe zu Hause auspackte stellte sie sie auf den Tisch und bewunderte sie. Sie glänzten so schön. Sie funkelten fast. Sie hatte schon kleine Visionen von sich, wie sie mit diesen Schuhen in die Uni gehen würde. Vielleicht würde James sie sogar endlich fragen ob sie mit ihm auf den Uniball gehen würde. Sie himmelte ihn schon so lange heimlich an, aber er ignorierte sie. Seine Kumpel und deren Freundinnen  foppten sie oft. Brillenschlange und Graue Maus. Secondhand-Tante und anderes. Aber mit diesen Schuhen wäre sie die Königin. Sie würde vielleicht tatsächlich Ballkönigin werden. Einmal in ihrem Leben im Mittelpunkt stehen und hübsch sein.

Sie ging schlafen, aber sie schlief unruhig. Im Traum wurde sie von den Schuhen verfolgt. Sie war in einer dunklen  Gasse und die Schuhe waren riesig und waren gerade dabei sie zu zertreten, als ihr Wecker anging. Sie schnaufte und  ging ins Bad um sich frisch zu machen. Danach wollte sie sich einen Kaffee kochen und in die Uni gehen.

Da standen sie. So  herrlich wie sie sie in Erinnerung hatte. Sie betrachtete sie hingebungsvoll und entschloss sich sie wenigstens mal anzuprobieren. Wie sie denn so an ihr aussehen. Sie zog sie an und in dem Moment fuhr ein Strom ihre Füssen bis zum Herzen hinauf. Sie bewegte sich vor dem Spiegel und fing an zu tanzen. Das fühlte sich herrlich an. Sie sah sich in einem tollen Ballkleid und vergass fast die Zeit. Ihr Handy summte und sie erwachte aus der Starre. Schnell zog sie die Schuhe aus. Und fühlte sich sofort verlassen und kalt. Sie fror vor Einsamkeit.

Schnell huschte sie in die Uni. Da stand schon ihre beste Freundin

„Mensch Karen, wo bleibst du denn, wir wollten doch zusammen diese Hausarbeit besprechen. Was ist denn los mit dir. Du wirkst etwas neben der Kappe.“

„Ach Feli. Ich habe mir gestern tolle rote Schuhe gekauft und die haben mich in ein Weibchen verwandelt. Ich kann an fast nichts anderes denken als an den Ball, James und die Schuhe. „

„Bäh – dieses Klischee. Wirf sie weg. Das ist ja ekelhaft.“ Meinte Feli. Und schmunzelte.

„Warum sollten wir nicht auch Mädchendinge wollen? Ist doch mal ganz schön so bisschen Romantik. Zieh sie doch morgen einfach an und schau was passiert.“

Als Karen wieder zu Hause war zog sie die Schuhe an und ging hinaus. Es zog sie in die Altstadt. Dort gab es mehrere Tanzlokale. Es war als wäre sie nicht mehr Herr ihrer Sinne. Sie war wie eine Marionette. Und gleich aus der  ersten Tür die sich öffnete, entfleuchten  die ersten Klänge die sie wie an einer Schnur in das Innere das Tanzlokal zog.

Stunden später. Sie konnte fast nicht mehr laufen konnte sie sich endlich von dem Bann lösen und verliess fluchtartig das Lokal. Die Schuhe hatte sie ausgezogen und trug sie vor sich wie einen verrottenden Fisch. Als sie zu Hause war, schloss sie die Schuhe in den Schrank. Sie würde sie nie mehr anziehen. Danach fiel sie in ihr Bett und war sofort weg. Aber sie träumte schon wieder von den Schuhen. Sie verfolgten sie schon wieder und sie wollten sie wieder zertreten. Dieses Mal rette das Telefon sie.

Wie gerädert stand sie auf und humpelte zum Apparat.

„Hallo?“ flüsterte sie hinein

„Karen?“ es war Feli

„Hi, Feli, was gibt es denn?“

„Hast du mal auf die Uhr gesehen. Du fehlst schon wieder bei der Besprechung. Was ist denn los?“

Karen erzählte Feli von dem Abend davor und schluchzte. „Feli, ich glaube da stimmt was nicht mit den Schuhen.“

„Ich sagte dir doch, dass du sie weg werfen solltest. Gut, das war da noch nicht ernst gemeint, aber jetzt schon. Wirf sie in die Tonne, sofort. Ich kann leider jetzt nicht weg hier, aber morgen treffen wir uns, ist das klar?“

„Ja ist gut“ flüsterte Karen.

Aber es sollte anders kommen. Als es dunkel wurde, wurde sie wieder magisch angezogen. Sie öffnete den Schrank und zog die Schuhe an. Dann verliess sie die Wohnung.

Drei Tage später stand sie in einem Salsaclub und dachte –Nächtelang tanze ich jetzt schon. Ich liebe es zu tanzen, aber das werde ich nicht überleben. Ich muss die Schuhe loswerden. Die Männer standen Schlange, jeder wollte mit ihr tanzen. Die Schuhe zogen sie magisch in ihren Bann. Und die Männer tanzten  mit ihr bis zur Erschöpfung. Es war als würden die Schuhe ihnen die Energie entziehen. Je mehr Männer kamen umso stärker fühlten sich die Schuhe an. Aber sie merkte die Erschöpfung. Ihr Körper und ihr Geist würden bald zusammen brechen.

Die Tür des Clubs öffnete sich und vor ihr stand Feli. „Oh Karen, meine Süsse. Du siehst furchtbar aus. Zieh die Schuhe aus.“

Karen versuchte es, aber sie liessen sich nicht von ihren Füssen ziehen. „Feli, hack mir die Füsse ab. Lieber laufe ich auf Prothesen, als noch eine Minute diese Schuhe zu tragen. Ich kann nicht mehr“

„Ach je. Was machen wir nur. Komm ich bring dich in die Uni. Da gibt es jemanden der vielleicht helfen kann. Ein Prof., mit dem ich manchmal arbeite. Er kennt sich mit so ´nem Scheiss aus.“

„Aber ich kann hier nicht weg. Anscheinend brauche ich Musik.“

„Na, das ist doch das kleinste Problem. Hier mein Handy. Die Playlist müsste reichen.“

Feli schnappte sich Karen und tanzte mit ihr aus dem Club. Auf dem Unigelände angekommen, tanzten sie weiter Richtung Unibibliothek. Dort sass ein etwas verschroben wirkender Mann über dicke verstaubte Wälzer gebeugt.

„Professor Martin? Ich brauche ihre Hilfe. Meine Freundin hat ein kleines Tanzproblem.“

Er schaute hoch und es schien, als wäre er noch nicht hier angekommen.

„Ach Felicitas. Das ist aber schön. Was für ein Problem haben sie?“

„Ich weiss es nicht so genau. Meine Freundin  hat sich paar rote Schuhe gekauft, die – wie sag ich es – verzaubert sind?“

„Nun – ich denke sie meinen eher verflucht. Ich kenne diese Schuhe. Er nahm sich einen Wälzer und blätterte verwirrt. Hin und Her und dann – „Ha – da ist es. Ich hatte schon mal über diese Schuhe gelesen. Sie wurden damals von einem Mann verflucht gestützt von einem Engel. Die Schuhe wurden damals wegen Eitelkeit getragen. Die Trägerin sollte erst alle ihre Sünden bereuen, bevor sie erlöst wurde.“

„Waas. Ich bin doch nicht eitel. Also das letzte was ich bin ist eitel.“ Meinte Karen tanzend über sich.

„Naja. Diese Schuhe sind einfach verflucht. Das ist wie bei einem Virus. Da kann so ein Fluch auch mal mutieren.“

„Sie verarschen mich doch jetzt?“ meinte Karen.

„Ja ein bisschen – Nein. Dieser Fluch ist schon so alt, und die ursprüngliche Trägerin ist ja befreit, aber die Schuhe nicht. Also müssen wir die Schuhe befreien, sonst wird ihr Schicksal sein, nächtelang durchzutanzen, bis sie irgendwann nur noch Haut und Knochen sind und sterben. Wir müssen es irgendwie schaffen, die Schuhe von ihnen abzulenken.“

„Okay – das geht ja gar nicht.“ Meinte Feli. „Wie können wir dieses Problem beheben? Und erklären sie doch noch mal wie das genau ist, warum ist Karen dafür anfällig?“

„Ich kenne sie ja nicht, aber ich kann es mir etwa vorstellen. Ich habe sie auf dem Campus schon mit Felicitas gesehen. Sie gehören eher in die Kategorie graues Mauerblümchen. Und ich denke, dass die Schuhe deswegen auf sie angesprungen sind. Sie wollten mehr  – also doch etwas Eitelkeit. Sie wollten endlich beachtet werden. Tja – da sind verfluchte Gegenstände recht flexibel.“

„Na toll.“ Tanzte Karen vor sich hin. „Wie kann man diesen Fluch brechen?“

„Ich befürchte man kann ihn nicht brechen, dafür bräuchte man denjenigen, der den Fluch ausgesprochen hat, aber man kann ihn unterbrechen oder ablenken. Dafür brauche ich aber Hilfe einer lieben Freundin und weissen Hexe. Tanzen sie ruhig noch etwas weiter, das wird einige Zeit dauern. Ich werde mal telefonieren.“ Er ging in sein Büro, die Mädchen folgten ihm. Es schauten nicht wenige verwundert hinter ihnen her, da sie tanzend den Raum verließen.

„Hallo Miranda, meine Liebe. Wie geht es dir? Ach na du weisst, immer beim alten. Aber ich könnte deine Hilfe brauchen. Ja einen verfluchten Gegenstand, beziehungsweise, zwei. Kleidungsstücke. Ja Schuhe. Genau – die Roten. Toll, bis gleich in meinem Büro.“ Er drehte sich zu den beiden. „Sie ist unterwegs.“

Als Miranda auftauchte, stand Karen am Fenster und tanzte vor sich hin. Sie war tief in Gedanken versunken. Wenn sie nun nächtelang tanzen müsste. Welch ein grausamer Tod würde sie da erwarten. Sie schauderte.

„Genau das meine Liebe, müssen wir sofort abschalten.“ Meinte Miranda zu Karen gewandt.

„Bitte?“

„Ein Fluch nährt sich von Energie. Lebensenergie, Angst oder andere starke negativen Gefühle. Wir müssen sehen, dass wir sie erst mal ins Reine mit sich bringen, dann werden wir versuchen den Fluch abzulenken, oder wenigstens zu unterbrechen.“

„Was sollen wir machen?“ Fragte Professor Martin?

„Ernst. Es ist wichtig, dass wir einen Kreis um sie bilden. Sie muss geerdet werden und durch unsere positive Energie müssen wir sie auch erst mal positiv einstellen. Das wird etwas dauern. Lasst uns erst mal die Kerzen aufstellen. Etwas Salbei ist immer gut. Herzchen, kannst du den Salbei verbrennen?“ Wandte sich Miranda an Feli.

Als dann alles vorbereitet wurde, stellten sich die drei  um die tanzende Karen und beteten. In dem Kreis lag noch ein Stein, auf ihn sollte der Fluch abgelenkt werden. Wenn es denn funktionierte.

Das Beten wurde immer intensiver und es kam Karen so vor, als würden die Schuhe heiss werden. Miranda war die einzige, die Karen berührte. Und sie spürte den Fluss der Energie. Er schien von den Schuhen aus zu gehen. Und sie merkte, wie die Energie schwächer wurde. Sie fühlte eine Ruhe, die sich in ihr ausbreitete. Eine wohlige Wärme fächerte sich in ihrem Solarplexus auf und sie fiel ohnmächtig um. Alles andere bekam sie nicht mehr mit.

Ernst fing sie auf und bettete sie vorsichtig auf dem Boden. Schnell schnappte Miranda nach den Schuhen und legte sie in eine Metalldose, den Stein legte sie dazu. Schnell verschloss sie die Dose und versiegelte sie mit einer Plombe auf der eigenartige Runen aufgeritzt waren.

Danach warteten sie bis Karen erwachte. Sie sah furchtbar erschöpft und blass aus. Aber sie tanzte nicht mehr.

„Ah – mein Kopf, was ist geschehen?“ Sie setzte sich schnell auf und blickte auf ihre Füsse. „Es hat geklappt? Es hat geklappt ich bin frei. Oh mein Gott. Wie kann ich euch  nur danken. Sie fiel Miranda um den Hals und nacheinander Ernst und als letztes drückte sie Feli, als würde sie sie nie wieder los lassen wollen.

„Was passiert jetzt mit den Schuhen?“ fragte sie.

Miranda antwortete:“ Die nehme ich an mich, es gibt da einen Bund, der kümmert sich um solche Gegenstände. Die haben in einer Verlassenen Gegend ein Lagerhaus, dort sind so einige solcher Dinge sicher verstaut. Diese Schuhe werden, hoffentlich nie wieder jemanden in die Hände fallen.“

„Ich werde bestimmt nie wieder etwas Gebrauchtes kaufen.  Man kann doch wirklich nie wissen, ob es nicht verflucht ist.“

„Ach, mein Kind, so drastisch  muss das nicht sein. Ihr solltet nur etwas auf bekannte Geschichten achten. Das Märchen mit den Roten Schuhen? Kennt ihr? Ja genau diese Schuhe waren das. Also alles wo es ein Märchen, Mythen, Legenden drüber gibt, solltet ihr meiden. So ich gehe mal. Ich muss meinen Kontaktmann anrufen um ihn von den Schuhen zu erzählen. Gehabt euch wohl.“ Uns summend verliess  Miranda die kleine Gruppe.

Feli und Karen waren am nächsten Morgen ganz früh in der Uni um sich bei Professor Martin in den Kurs einzuschreiben. Denn sicher war sicher. Sie wollten wirklich alles erfahren, was es zu erfahren gibt um nie wieder einen verfluchten Gegenstand zu erstehen und um anderen Helfen zu können.

ENDE

Das erste Wort | 2017 – Hoffnungsschimmer Teil 2 – Mia und Benji und die zwei anderen Katzen die Hunde sind

Das erste Wort | 2017 – Hoffnungsschimmer Teil 1 findet ihr HIER

 

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Lasst uns zwei der vier Katzen in ihr neues zu Hause begleiten.

Bruder und Schwester – sie verstanden noch nicht so ganz was geschehen war. Ihre Mutter hatte es ihnen zwar erklärt, aber sie konnten es nicht verstehen. Sie hatten wahnsinnige Angst. Sie waren in einer dunklen Kiste mit einem Tuch, das so stark nach ihrer Mutter roch, dass sie kläglich anfingen zu maunzen. Endlich hörte das gewackel auf. Und der Deckel öffnete sich. Es schaute ein fremdes Gesicht zu ihnen hinein. Es sah sehr freundlich und lieb aus, aber die beiden hatten einfach zu viel angst und drückten sich aneinander. Auf einmal fing das Gesicht an zu sprechen.

„Hallo ihr zwei. Ihr habt Angst ich weiss. Ach ihr seid so süss. Schatz, was meinst du. Sie sehen aus wie eine Mia und ein Benji. Die Namen passen so gut.“

„Ach – ich weiss nicht. Lass sie uns erst noch bisschen beobachten, bis wir ihnen Namen geben. Mach den Deckel zu, du machst ihnen Angst.“

Und schon wurde es wieder dunkel. Die beiden atmeten auf und schauten sich an.

„Ich weiss – Mama hat gesagt, wir sollten keine Angst haben,“ Sagte der Kater zu seiner Schwester, „Aber ich kann nicht aufhören zu zittern und zu jammern. Ich habe solche Angst. Warum konnten wir nicht bei Kate bleiben? Ich versteh das nicht. Da hatten wir doch alle genug Platz. Wir kannten uns aus und wussten wo wir spielen durften. Wer weiss, was das für zwei Menschen sind. Vielleicht sind sie nicht nett zu uns.“

„Ich habe auch Angst. Aber ich denke Mama und Kate hätten uns auf keinen Fall zu irgendwelchen Menschen gegeben, die böse sind. Wir müssen ihnen vertrauen und hoffen, dass wir – wie Mama es uns beigebracht hat – die Menschen schnell zu unserem Personal machen können. Das wird unsere Prüfung werden.“

Die beiden kuschelten sich anneinander und warteten. Als das Auto zum Stehen kam und das gewackel wieder anfing wurden die beiden wieder unruhig. Sie zitterten und drückten sich ganz eng an. Nicht lange und sie wurden auf einen Boden gestellt. Sie schnupperten und es roch alles so fremd und beängstigend. Menschlicher Geruch kannten sie ja von Kate. Selbst wenn die beiden neuen Menschen noch andere Gerüche vereinten. Aber da waren noch andere Gerüche. Das war ganz fremd für sie. Auch die Geräusche, die mit diesen Gerüchen zusammen kamen. Lebendig aber fremd. Dann öffnete sich der Deckel. Sie sahen noch mal die Frau und auch den Mann. Dann gingen die beiden hinaus und ließen sie alleine.

Die beiden betrachteten sich und schoben die Köpfe aus dem Korb. Hier stand viel herum. Der Kater war mutig und hüpfte aus dem Korb. Seine Schwester zog sich schnell zurück. Sie hörten die Menschen und diese anderen Geschöpfe. Schnell kam ihr Bruder zurück. Sie drückten sich an den Boden und zitterten. Es wurde dunkel und sie hörten wie die Familie sich zurück zogen. Das war die Zeit, die die beiden nutzten um sich umzuschauen. Sie verliessen die Box und fingen an alles ganz vorsichtig zu beschnuppern und zu betrachten. Leise schlichen sie sich aus dem Zimmer und schauten. Da war eine Treppe. Sie führte nach unten. Der Bruder ging voraus.

„Folge mir, ich denke da unten ist keiner. Ich höre nur noch Geräusche aus dem Zimmer dort drüben und da ist die Tür zu. Lass uns schauen was da unten ist. Ausserdem muss ich echt mal dringend.“

„Okay. Geh vor ich komme sofort nach. Ich will auf keinen Fall alleine hier bleiben.“

Die beiden tapsten tapfer nach unten und folgten ihrer Nase. Den Geruch des Katzenklos kannten sie. Schnell schlüpften sie in den Raum und jeder ging auf eines der beiden Toiletten. Sie atmeten tief aus. Das war dringend. Jetzt konnten sie weiter gehen. Sie rochen Futter. Aber der Magen war einfach verknotet. Essen war überhaupt nicht drin. Sie gingen von Zimmer zu Zimmer und alles roch fremd. Sie sahen Kratzbäume  – das kannten sie und sie hüpften schnell drauf. Schnell wurden die Krallen gewetzt, das beruhigte sie. Und von oben konnten sie alles besser betrachten. Es sah ganz nett aus.

Am nächsten Tag nahmen die beiden Menschen ihren Korb und trugen ihn in das Zimmer, das gestern verschlossen war. Oben gelegen – auf einer Kommode – hatten sie ein kleines Häuschen aufgestellt. Sofort flohen Mia und Benji da hinein und schauten immer mal wieder heraus.

Als Mia ihr neues Zuhause betrachtete. Wusste sie. Ja sie hatten es geschafft. Und als sie ihre neuen Bediensteten sah war sie mehr als zufrieden. Sie schubste ihren Bruder an und schnurrte leise. „Hier sind wir richtig.“ Und war sofort wie erstarrt als zwei riesen Katzen um die Ecke stürmten und bellten.

„Das sind doch keine Katzen“. Meinte Benji. „Das ist irgendwas trampeliges, das sich total affig aufführt. So würden Katzen sich nie erniedrigen. Nein, Nein. Das ist was anderes. Ich glaube nicht, dass sowas in unserem Familienstamm zu finden ist. Sie sind laut, stinken und schnurren falsch. Nein. Aber wir werden es bestimmt erfahren. Jetzt bin ich erstmal müde. Komm lass uns erstmal wieder in diese Höhle verschwinden. Diese Menschen, die uns in Zukunft bedienen werden, sehen ganz ok aus. Ich denke hier lässt es sich aushalten.“

Die beiden Menschen betrachteten ihre neuen Familienmitglieder und riefen diese trampeligen vierbeiner zu sich.

„Ihr beiden, ihr müsst etwas vorsichtig sein. Die Katzen sind noch so klein, nicht dass ihr sie tretet. Macht langsam und dann wird das bestimmt gut werden. Ihr habt doch schon Erfahrung mit Katzen, also. Ihr seid keine Katzenanfänger. Kommt her.“

Die Frau schnappte sich die beiden und knuddelte sie richtig fest. Das schien den beiden zu gefallen. Mia lunzte aus ihrer Höhle und wunderte sich etwas. Hoffentlich würde sie von dieser Frau nicht auch so grob gestreichelt. Puh.

Max und Maude genossen es und schauten sich an.

„Weisst du Maude, als die anderen beiden Katzen über die Regenbogenbrücke gegangen sind haben sie mir schon ein bisschen gefehlt. Obwohl sie ja manchmal wirklich frech waren. Wenn aber die beiden Menschen weg waren, hat man sich ja immer gut unterhalten. Ich bin gespannt wie es mit den beiden neuen wird. Meinst du wir werden uns mit ihnen verstehen?“

Mas meinte: „Ist mir egal, ich bin jetzt so alt, da erwarte ich Respekt. Und solange sie nicht an mein Futter gehen können sie machen was sie wollen“

Damit legten sich die Hunde an das Fussende des Bettes und fingen an zu schnarchen und im Traum durch die Felder zu rennen

Fortsetzung folgt.

 

 

Das erste Wort | 2017 – Hoffnungsschimmer Teil 1

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Projekt *.txt soll der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen! Die Texte schreibst und veröffentlichst du auf deinem Weblog und

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Maura hatte einen kleinen Hoffnungsschimmer. Sie war schwanger. Der Vater war schon über alle Berge – aber das war ihr egal. Sie hatte ihn ja nur wegen der Schwangerschaft gewollt. Aber die Zeiten waren schlecht für Schwangere. Es war kalt und sie fand nichts zu essen. Bald würde es soweit sein. Sie spürte schon wie die kleinen in ihr rum wuselten. Sie wollten langsam raus und die Welt erkunden. Also war es um so wichtiger schnell einen sicheren Platz zu finden wo sie die kleinen in die Welt entlassen konnte. Sie kannte eine Frau – die würde ihr helfen. Auch dann wenn die kleinen da wären würde sie Maura helfen einen guten und sicheren Platz für sie zu finden. Das war bis jetzt immer so. Und Maura hat ihre Kinder immer wieder besucht um zu sehen, dass es ihnen gut geht. Deswegen hatte sie dieses mal wieder einen kleinen Hoffnungsschimmer. Sie hatte schon vor einigen Tagen bei der Frau – sie nannte sich Kate – vorbei geschaut. Aber die Tür war verschlossen. Es war ein Schild an der Tür, aber sie konnte ja nicht lesen. Sie hoffte inständig, dass Kate jetzt für sie da war.

Es war soweit. Die kleinen wurden unruhig. Sie wollten die Welt sehen. Maura beeilte sich zu Kate zu kommen und wieder keimte der Hoffnungsschimmer in ihr auf. Was sollte nur geschehen wenn Kate nicht da wäre. Aber sie hatte sich umsonst geängstigt. Kate war da. Und sie empfing Maure freudestrahlend.

„Oh – meine Hübsche. Ist es wieder mal soweit. So langsam solltest du aber mal aufhören. Du bist nicht mehr die Jüngste. Komm schnell ins warme. Da wartet auch etwas Milch für dich. Vor dem Kamin ist ein Plätzchen für dich, da kannst du dich vorbereiten. Ich lasse dich dann in Ruhe. Komm, komm.“ Maura atmete auf. Sie und ihre Kleinen waren in Sicherheit. Vielleicht sollte sie wirklich langsam mal aufhören mit den Babys. Vielleicht könnte sie bei Kate bleiben und sie könnten sich zusammen um andere Schwangere kümmern. Sie würde sich das überlegen. Es klang schon sehr angenehm. Ein warmer Platz vor dem Kamin und eine nette Frau die sich um sie kümmert. Ja – das war es was Maura wollte. Für sich und ihre Kleinen.

Die Nacht war lange und aufregend, aber als sich der Vollmond langsam senkte und die Sonne sich den Platz erkämpfte war Maura erschöpft aber glücklich. Sie säuberte ihre Kinder und gab ihnen etwas zu trinken. Sie waren perfekt. Vier kleine, absolut bezaubernde Wesen mit so süssen rosa Nässchchen und geschlossenen Augen. Die Köpfe waren noch so schwer und sie konnten ihn kaum heben. Ihr Herz ging auf und sie begann mit ihnen zu schmussen. Sofort fingen die kleinen an ihre Nähe zu suchen und ein summen ging von ihnen aus.

Kate betrat das Zimmer. Sie war entzückt.

„Ach Maura – sie sind einfach bezaubernd. Ich könnte sie alle hier behalten wenn du wolltest. Sie sind einfach zu süss. Aber ich werde mich auf die Suche nach einem neuen Zu Hause für die vier machen. Sie werden es – wie immer – gut haben. Vertrau mir.“ Das tat Maura schon seit Jahren. Und dann rollte sie sich zusammen, ihre Kinder lagen neben ihr und schnurrten zufrieden.

Zehn Tage später öffneten das erste seine Augen. Das Köpfchen wackelte manchmal noch etwas hin und her. Diese süssen Himmelblauen Augen schauten Maura direkt in die Seele. Sie war erfüllt von Liebe. Nach und nach öffneten alle ihre Äuglein. Etwa drei Wochen nach der Geburt verliess das erste Baby das Nest. Maura war sehr aufgeregt. Obwohl sie es ja schon so oft erlebt hatte. Der kleine Kater. War sehr neugierig aber auch vorsichtig. Er trabbelte paar Schritte und verschwand schnell wieder in der Obhut seiner Mutter. Kate beobachtete alles von ihrem Sofa aus und konnte sich nicht satt sehen an diesen süssen Kleinen. Ihr Herz pochte ganz laut. Wie wenn man etwas ganz leise beobachtet und ja kein Laut von sich geben will um sie nicht zu erschrecken.

Kate war so glücklich. Es war Leben in ihrem Haus. Sie liebte es wenn die kleinen, die jetzt etwa einen Monat alt waren, ihr Gegend erkundeten. Sie waren mutig, dreist und lebhaft. Maura sass immer gerne neben Kate und manchmal hüpfte sie auch auf ihren Schoss um sich streicheln zu lassen. Sie war wahnsinnig Stolz auf ihre Kitten.

Die Zeit ging dahin, die vier wurden lebhafter und langsam wurde es Zeit sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause zu machen. Sie waren jetzt 12 Wochen alt. Kate machte sich auf die Suche. Und sie fand tatsächlich zwei liebevolle Familien, die gerne Katzen haben wollten. Und Maura war so glücklich. Sie wollten beide je ein Paar nehmen. Sie wusste, dass auch einzel vermittelte Babys glücklich wurden, aber sie war immer froh, wenn die Geschwister nicht ganz alleine waren. So hatte wenigsten jeder noch ein Geschwisterchen an der Seite.

Es wurde Zeit. Nachdem die Familien da waren und sich ihre Paare ausgesucht hatten, sollten sie in eins-zwei Wochen in ihr neues Zu Hause ziehen. Kate hatte immer Tücher, mit dem Geruch von Maura,  für die neuen Familien bereit. Die Menschen kamen und waren aufgeregt und glücklich. Endlich hätten sie ihre neuen Familienmitglieder bei sich. Sie wurden in die Körbe gepackt. Maura schupste jedes noch mit ihrem Köpfchen an und sagte:

„Ihr Lieben. Ihr wisst ihr habt immer einen Platz in meinem Herzen. Jetzt ist es an euch eurer neuen Familie soviel Freude zu machen wie ihr sie mir gemacht habt. Macht mir keine Schande und seid so brav, wie Katzen halt sind. Ich habe euch alles beigebracht, damit ihr wahre Katzen werdet. Also – ich entlasse euch in euer eigenes Leben. Ihr werdet bald die Herrscher in eurem neuen Zu Hause sein. Stellt es geschickt an. Ich liebe euch.“

Kate wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel und winkte den neuen Familien zu. Sie wollte in ein paar Wochen mal bei ihnen vorbei schauen und Maura mitnehmen. Sie wollte einfach sicher sein, die richtigen Familien ausgewählt zu haben. Sie schloss die Tür und damit fing für die vier Kitten ein neues Leben an.

Folgt zwei der Kitten in ihr neues Zu Hause. Demnächt auf diesen Seiten…

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