Das zweite Wort | 2017 – Der Tanz der roten Schuhe

Das Projekt*txt wird gegenwärtig von Dominik Leitner und Katharina Peham betreut.

Was ist das Projekt *.txt?


Schnell erklärt soll das Projekt *.txt der Inspiration dienen. Einmal pro Monat wird ein Wort verkündet, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Texte schreiben. Es gibt keinen Druck, etwas zu schreiben, kein Datum, bis wann die Texte da sein müssen … es soll also in erster Linie Spaß machen!

 

Entschuldigt die Länge der Geschichte, ich wollte sie nicht schon wieder aufteilen. Ich wünsche Euch viel Spass beim Tanzen ;-)

 

Das zweite Wort | 2017 – Der Tanz der roten Schuhe

Nächtelang hatte sie jetzt schon getanzt. Sie liebte das Tanzen, aber nicht ununterbrochen. Sie konnte ihren Körper fast nicht mehr aufrecht halten. Wie sollte sie denn  das schaffen? Karen verfluchte den Tag an dem sie über den Flohmarkt ging und diese schönen Schuhe sah.

Sie waren auch hier noch unerschwinglich, und Karen ging weiter. Aber diese Schuhe hatten sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Sie hatte fast das Gefühl, sie würden sie verfolgen. In jedem Schaufenster sah sie diese Schuhe und an jedem Fuss einer Frau, die an ihr vorüberlief. Es war gruselig. Sie hatte das Gefühl, irgendetwas lenkte ihre Füsse wieder an den Stand mit den Schuhen. Sie liebte es mehrere Runden über den Flohmarkt zu schlendern. Deswegen schob sie es einfach auf ihr Ritual. Aber tief in ihrem Inneren wusste sie, dass es nicht so war. Unter normalen Umständen hätte sie die Schuhe schon längst vergessen. Sie war gar nicht so besessen von Schuhen. Meist trug sie sie bis sie auseinander fielen. Aber diese roten Schuhe, die hatten sie verzaubert. Sie musste sie haben. Sie würden so toll an ihren Füssen aussehen und jeder, der sich immer etwas lustig gemacht hatte würde sie jetzt damit bewundern.

Als sie die Schuhe zu Hause auspackte stellte sie sie auf den Tisch und bewunderte sie. Sie glänzten so schön. Sie funkelten fast. Sie hatte schon kleine Visionen von sich, wie sie mit diesen Schuhen in die Uni gehen würde. Vielleicht würde James sie sogar endlich fragen ob sie mit ihm auf den Uniball gehen würde. Sie himmelte ihn schon so lange heimlich an, aber er ignorierte sie. Seine Kumpel und deren Freundinnen  foppten sie oft. Brillenschlange und Graue Maus. Secondhand-Tante und anderes. Aber mit diesen Schuhen wäre sie die Königin. Sie würde vielleicht tatsächlich Ballkönigin werden. Einmal in ihrem Leben im Mittelpunkt stehen und hübsch sein.

Sie ging schlafen, aber sie schlief unruhig. Im Traum wurde sie von den Schuhen verfolgt. Sie war in einer dunklen  Gasse und die Schuhe waren riesig und waren gerade dabei sie zu zertreten, als ihr Wecker anging. Sie schnaufte und  ging ins Bad um sich frisch zu machen. Danach wollte sie sich einen Kaffee kochen und in die Uni gehen.

Da standen sie. So  herrlich wie sie sie in Erinnerung hatte. Sie betrachtete sie hingebungsvoll und entschloss sich sie wenigstens mal anzuprobieren. Wie sie denn so an ihr aussehen. Sie zog sie an und in dem Moment fuhr ein Strom ihre Füssen bis zum Herzen hinauf. Sie bewegte sich vor dem Spiegel und fing an zu tanzen. Das fühlte sich herrlich an. Sie sah sich in einem tollen Ballkleid und vergass fast die Zeit. Ihr Handy summte und sie erwachte aus der Starre. Schnell zog sie die Schuhe aus. Und fühlte sich sofort verlassen und kalt. Sie fror vor Einsamkeit.

Schnell huschte sie in die Uni. Da stand schon ihre beste Freundin

„Mensch Karen, wo bleibst du denn, wir wollten doch zusammen diese Hausarbeit besprechen. Was ist denn los mit dir. Du wirkst etwas neben der Kappe.“

„Ach Feli. Ich habe mir gestern tolle rote Schuhe gekauft und die haben mich in ein Weibchen verwandelt. Ich kann an fast nichts anderes denken als an den Ball, James und die Schuhe. „

„Bäh – dieses Klischee. Wirf sie weg. Das ist ja ekelhaft.“ Meinte Feli. Und schmunzelte.

„Warum sollten wir nicht auch Mädchendinge wollen? Ist doch mal ganz schön so bisschen Romantik. Zieh sie doch morgen einfach an und schau was passiert.“

Als Karen wieder zu Hause war zog sie die Schuhe an und ging hinaus. Es zog sie in die Altstadt. Dort gab es mehrere Tanzlokale. Es war als wäre sie nicht mehr Herr ihrer Sinne. Sie war wie eine Marionette. Und gleich aus der  ersten Tür die sich öffnete, entfleuchten  die ersten Klänge die sie wie an einer Schnur in das Innere das Tanzlokal zog.

Stunden später. Sie konnte fast nicht mehr laufen konnte sie sich endlich von dem Bann lösen und verliess fluchtartig das Lokal. Die Schuhe hatte sie ausgezogen und trug sie vor sich wie einen verrottenden Fisch. Als sie zu Hause war, schloss sie die Schuhe in den Schrank. Sie würde sie nie mehr anziehen. Danach fiel sie in ihr Bett und war sofort weg. Aber sie träumte schon wieder von den Schuhen. Sie verfolgten sie schon wieder und sie wollten sie wieder zertreten. Dieses Mal rette das Telefon sie.

Wie gerädert stand sie auf und humpelte zum Apparat.

„Hallo?“ flüsterte sie hinein

„Karen?“ es war Feli

„Hi, Feli, was gibt es denn?“

„Hast du mal auf die Uhr gesehen. Du fehlst schon wieder bei der Besprechung. Was ist denn los?“

Karen erzählte Feli von dem Abend davor und schluchzte. „Feli, ich glaube da stimmt was nicht mit den Schuhen.“

„Ich sagte dir doch, dass du sie weg werfen solltest. Gut, das war da noch nicht ernst gemeint, aber jetzt schon. Wirf sie in die Tonne, sofort. Ich kann leider jetzt nicht weg hier, aber morgen treffen wir uns, ist das klar?“

„Ja ist gut“ flüsterte Karen.

Aber es sollte anders kommen. Als es dunkel wurde, wurde sie wieder magisch angezogen. Sie öffnete den Schrank und zog die Schuhe an. Dann verliess sie die Wohnung.

Drei Tage später stand sie in einem Salsaclub und dachte –Nächtelang tanze ich jetzt schon. Ich liebe es zu tanzen, aber das werde ich nicht überleben. Ich muss die Schuhe loswerden. Die Männer standen Schlange, jeder wollte mit ihr tanzen. Die Schuhe zogen sie magisch in ihren Bann. Und die Männer tanzten  mit ihr bis zur Erschöpfung. Es war als würden die Schuhe ihnen die Energie entziehen. Je mehr Männer kamen umso stärker fühlten sich die Schuhe an. Aber sie merkte die Erschöpfung. Ihr Körper und ihr Geist würden bald zusammen brechen.

Die Tür des Clubs öffnete sich und vor ihr stand Feli. „Oh Karen, meine Süsse. Du siehst furchtbar aus. Zieh die Schuhe aus.“

Karen versuchte es, aber sie liessen sich nicht von ihren Füssen ziehen. „Feli, hack mir die Füsse ab. Lieber laufe ich auf Prothesen, als noch eine Minute diese Schuhe zu tragen. Ich kann nicht mehr“

„Ach je. Was machen wir nur. Komm ich bring dich in die Uni. Da gibt es jemanden der vielleicht helfen kann. Ein Prof., mit dem ich manchmal arbeite. Er kennt sich mit so ´nem Scheiss aus.“

„Aber ich kann hier nicht weg. Anscheinend brauche ich Musik.“

„Na, das ist doch das kleinste Problem. Hier mein Handy. Die Playlist müsste reichen.“

Feli schnappte sich Karen und tanzte mit ihr aus dem Club. Auf dem Unigelände angekommen, tanzten sie weiter Richtung Unibibliothek. Dort sass ein etwas verschroben wirkender Mann über dicke verstaubte Wälzer gebeugt.

„Professor Martin? Ich brauche ihre Hilfe. Meine Freundin hat ein kleines Tanzproblem.“

Er schaute hoch und es schien, als wäre er noch nicht hier angekommen.

„Ach Felicitas. Das ist aber schön. Was für ein Problem haben sie?“

„Ich weiss es nicht so genau. Meine Freundin  hat sich paar rote Schuhe gekauft, die – wie sag ich es – verzaubert sind?“

„Nun – ich denke sie meinen eher verflucht. Ich kenne diese Schuhe. Er nahm sich einen Wälzer und blätterte verwirrt. Hin und Her und dann – „Ha – da ist es. Ich hatte schon mal über diese Schuhe gelesen. Sie wurden damals von einem Mann verflucht gestützt von einem Engel. Die Schuhe wurden damals wegen Eitelkeit getragen. Die Trägerin sollte erst alle ihre Sünden bereuen, bevor sie erlöst wurde.“

„Waas. Ich bin doch nicht eitel. Also das letzte was ich bin ist eitel.“ Meinte Karen tanzend über sich.

„Naja. Diese Schuhe sind einfach verflucht. Das ist wie bei einem Virus. Da kann so ein Fluch auch mal mutieren.“

„Sie verarschen mich doch jetzt?“ meinte Karen.

„Ja ein bisschen – Nein. Dieser Fluch ist schon so alt, und die ursprüngliche Trägerin ist ja befreit, aber die Schuhe nicht. Also müssen wir die Schuhe befreien, sonst wird ihr Schicksal sein, nächtelang durchzutanzen, bis sie irgendwann nur noch Haut und Knochen sind und sterben. Wir müssen es irgendwie schaffen, die Schuhe von ihnen abzulenken.“

„Okay – das geht ja gar nicht.“ Meinte Feli. „Wie können wir dieses Problem beheben? Und erklären sie doch noch mal wie das genau ist, warum ist Karen dafür anfällig?“

„Ich kenne sie ja nicht, aber ich kann es mir etwa vorstellen. Ich habe sie auf dem Campus schon mit Felicitas gesehen. Sie gehören eher in die Kategorie graues Mauerblümchen. Und ich denke, dass die Schuhe deswegen auf sie angesprungen sind. Sie wollten mehr  – also doch etwas Eitelkeit. Sie wollten endlich beachtet werden. Tja – da sind verfluchte Gegenstände recht flexibel.“

„Na toll.“ Tanzte Karen vor sich hin. „Wie kann man diesen Fluch brechen?“

„Ich befürchte man kann ihn nicht brechen, dafür bräuchte man denjenigen, der den Fluch ausgesprochen hat, aber man kann ihn unterbrechen oder ablenken. Dafür brauche ich aber Hilfe einer lieben Freundin und weissen Hexe. Tanzen sie ruhig noch etwas weiter, das wird einige Zeit dauern. Ich werde mal telefonieren.“ Er ging in sein Büro, die Mädchen folgten ihm. Es schauten nicht wenige verwundert hinter ihnen her, da sie tanzend den Raum verließen.

„Hallo Miranda, meine Liebe. Wie geht es dir? Ach na du weisst, immer beim alten. Aber ich könnte deine Hilfe brauchen. Ja einen verfluchten Gegenstand, beziehungsweise, zwei. Kleidungsstücke. Ja Schuhe. Genau – die Roten. Toll, bis gleich in meinem Büro.“ Er drehte sich zu den beiden. „Sie ist unterwegs.“

Als Miranda auftauchte, stand Karen am Fenster und tanzte vor sich hin. Sie war tief in Gedanken versunken. Wenn sie nun nächtelang tanzen müsste. Welch ein grausamer Tod würde sie da erwarten. Sie schauderte.

„Genau das meine Liebe, müssen wir sofort abschalten.“ Meinte Miranda zu Karen gewandt.

„Bitte?“

„Ein Fluch nährt sich von Energie. Lebensenergie, Angst oder andere starke negativen Gefühle. Wir müssen sehen, dass wir sie erst mal ins Reine mit sich bringen, dann werden wir versuchen den Fluch abzulenken, oder wenigstens zu unterbrechen.“

„Was sollen wir machen?“ Fragte Professor Martin?

„Ernst. Es ist wichtig, dass wir einen Kreis um sie bilden. Sie muss geerdet werden und durch unsere positive Energie müssen wir sie auch erst mal positiv einstellen. Das wird etwas dauern. Lasst uns erst mal die Kerzen aufstellen. Etwas Salbei ist immer gut. Herzchen, kannst du den Salbei verbrennen?“ Wandte sich Miranda an Feli.

Als dann alles vorbereitet wurde, stellten sich die drei  um die tanzende Karen und beteten. In dem Kreis lag noch ein Stein, auf ihn sollte der Fluch abgelenkt werden. Wenn es denn funktionierte.

Das Beten wurde immer intensiver und es kam Karen so vor, als würden die Schuhe heiss werden. Miranda war die einzige, die Karen berührte. Und sie spürte den Fluss der Energie. Er schien von den Schuhen aus zu gehen. Und sie merkte, wie die Energie schwächer wurde. Sie fühlte eine Ruhe, die sich in ihr ausbreitete. Eine wohlige Wärme fächerte sich in ihrem Solarplexus auf und sie fiel ohnmächtig um. Alles andere bekam sie nicht mehr mit.

Ernst fing sie auf und bettete sie vorsichtig auf dem Boden. Schnell schnappte Miranda nach den Schuhen und legte sie in eine Metalldose, den Stein legte sie dazu. Schnell verschloss sie die Dose und versiegelte sie mit einer Plombe auf der eigenartige Runen aufgeritzt waren.

Danach warteten sie bis Karen erwachte. Sie sah furchtbar erschöpft und blass aus. Aber sie tanzte nicht mehr.

„Ah – mein Kopf, was ist geschehen?“ Sie setzte sich schnell auf und blickte auf ihre Füsse. „Es hat geklappt? Es hat geklappt ich bin frei. Oh mein Gott. Wie kann ich euch  nur danken. Sie fiel Miranda um den Hals und nacheinander Ernst und als letztes drückte sie Feli, als würde sie sie nie wieder los lassen wollen.

„Was passiert jetzt mit den Schuhen?“ fragte sie.

Miranda antwortete:“ Die nehme ich an mich, es gibt da einen Bund, der kümmert sich um solche Gegenstände. Die haben in einer Verlassenen Gegend ein Lagerhaus, dort sind so einige solcher Dinge sicher verstaut. Diese Schuhe werden, hoffentlich nie wieder jemanden in die Hände fallen.“

„Ich werde bestimmt nie wieder etwas Gebrauchtes kaufen.  Man kann doch wirklich nie wissen, ob es nicht verflucht ist.“

„Ach, mein Kind, so drastisch  muss das nicht sein. Ihr solltet nur etwas auf bekannte Geschichten achten. Das Märchen mit den Roten Schuhen? Kennt ihr? Ja genau diese Schuhe waren das. Also alles wo es ein Märchen, Mythen, Legenden drüber gibt, solltet ihr meiden. So ich gehe mal. Ich muss meinen Kontaktmann anrufen um ihn von den Schuhen zu erzählen. Gehabt euch wohl.“ Uns summend verliess  Miranda die kleine Gruppe.

Feli und Karen waren am nächsten Morgen ganz früh in der Uni um sich bei Professor Martin in den Kurs einzuschreiben. Denn sicher war sicher. Sie wollten wirklich alles erfahren, was es zu erfahren gibt um nie wieder einen verfluchten Gegenstand zu erstehen und um anderen Helfen zu können.

ENDE

Das Haus der Seelen Teil 8

Teil 1 findet ihr HIER,

Die restlichen Teile könnt ihr HIER finden

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Nach den gemütlichen Stunden, die Wanda mit Madame Morell verbrachte, sah die Welt gar nicht mehr so grausig aus. Wanda und Madame Morell verabredeten sich für den selbigen Abend an dem Haus. In der Zwischenzeit würde sie die beiden Freunde aufklären. Sie hoffte innig, dass die beiden noch mitkommen würden.

Etwa eine Stunde später trafen sich Moe, Paul und Wanda in ihrem Online-Kaffee. Sie waren alle sehr nervös. Wanda hatte das Gefühl, dass nicht nur sie außerhalb des Hauses eigenartige Schwingungen spürte.

„Hi, ihr zwei. Wie geht es euch?“

„Übel. Ich bin total alle.“ Meinte Paul. Moe nickte nur.

„Okay. Euch geht es so wie mir. Ich war bei dem Medium.“

„Was! Ich dachte wir wollten aufhören?“ sagte Paul wütend. Und auch hier nickte Moe nur heftig.

„Ich kann nicht aufhören, der Geist verfolgt mich. Sogar bis zur Wohnung des Mediums. Das war so gruselig.“

„Und was sagt sie?“ Fragte Moe.

„Es sieht nicht so gut aus. Wegen des zweiten Geistes macht sie sich noch keine Sorgen, der scheint noch nicht auf uns aufmerksam geworden zu sein, oder ist harmlos uns gegenüber. Aber der erste. Manfred Jakob – der hat eine persönliche Beziehung zu uns. Und vorallem zu mir. Aber auch zu euch, ihr wart im Ballsaal mit bei der Vision. Wir treffen sie heute Abend am Haus“

Paul stöhnte gequält. „Ich will da nicht mehr hin, Wanda. Ich hab echt Schiss.“

„Ich weiss, glaubst du mir geht es besser? Ich spüre ständig seine Anwesenheit.“

Die drei diskutierten noch einige Zeit über dieses Thema und machten sich dann auf um sich mit Madame Morell zu treffen. Wohl fühlten sie sich alle nicht dabei.

Als sie ankamen war Madame Morell schon auf dem Grundstück. Sie stand dort und lauschte.

Wanda räusperte sich, da sie bedenken hatte, sie einfach so zu stören.

„Ach da seid ihr ja. Moe und Paul. Schön euch kennen zu lernen. Ich bin Madame Morell, aber das dürfte euch ja klar sein.“ Schmunzelte sie.

Sie strahlte eine Ruhe aus, die sich sofort auf die drei projizierte. Wanda fühlte sich schon wieder sicherer. Ja. Es musste erledigt werden.

„Ok. Ich denke wir sollten dann rein gehen. Am besten nehmen wir uns erst mal den Keller vor. Ich will wissen, wie gefährlich der andere Geist ist. Bei Jakob weiss ich es ja schon, der wird eine harte Nuss, aber ich hoffe wir schaffen das. Aber es wird nicht leicht und könnte auch gefährlich werden. So seid ihr bereit.“

„Auf keinen Fall“, meinte Paul und schaute wirklich sehr unglücklich.

Sie packten ihre Taschen und gingen erneut durch die grosse, quietschende Eingangstür. Laut dem Grundriss sollte die Treppe zum Keller links liegen. Hinter dem Salon ging ein kleiner Gang nach rechts, der führte dann nach unten. Sie gingen los und Wanda behielt Madame Morell im Auge. Sie wollte ihre Reaktionen sehen. Aber Madame Morell bewegte sich absolut sicher vorwärts. Sie gingen in den Salon und bogen dann leicht rechts ab. Zum Glück waren Moe und Paul besser organisiert, als sie selbst. Sie hatte keine Taschenlampe eingepackt.  Aber die beiden hatten sogar diese praktischen Stirnlampen dabei. Sie waren wirklich eine Hilfe. Wanda war froh, dass sie doch mitkamen.

Mit den Stirnlampen ausgerüstet, Diktiergerät und Kamera, begaben sich die vier nach unten. Es wurde immer kälter, aber das war auch zu erwarten bei diesem Gemäuer. Es roch muffig und feucht. Das gesamte Gebäude schien unterkellert. Von dem Keller gab es kein Grundriss, deswegen konnten sie nicht wissen, wie viel Räume es geben würde.

Sie liefen hintereinander und Wanda hätte am liebsten Moe und Paul an die Hand genommen, wie im Kindergarten bei den Ausflügen. Sie fühlte sich ziemlich unwohl. Sie war gespannt, ob sich der zweite Geist zeigen würde. Und kaum hatte sie es ausgesprochen, flackerten die Stirnlampen.

Oh je, schon wieder ein Horrorfilm-Klischee. Wirklich? Die ausgehende Taschenlampe?  Das war wirklich sehr gruselig.  Und in dem Moment als die Lampen sich stabilisierten, sahen sie einen Schatten durch die Gänge huschen. Wanda griff schnell nach Moe´s Hand. Ob sie jemals wieder die Gänsehaut loswerden würde? Es schien, diese hätte sich eingebrannt. Wieder ging das Licht aus. Aber die Kamera verfügte über Nachtsicht und Paul schaute gerade durch den Sucher als er fast zu Tode erschrak. Die Gruppe war im Dunkeln stehen geblieben. Aber vor ihnen, von der Decke, hing etwas. Erst konnte Paul es nicht erkennen. Aber dann drehte es den Kopf und er schaute in glühende Augen. Sofort nahm er die Kamera vom Auge und schaute gleich wieder hinein. Diese Figur war weg. Nein! Sie war näher gekommen. Sie stand neben Moe. Fast drückte sie ihre Nase an seinen Kopf. Als wollte sie an ihm riechen.

„Moe, duck dich, da steht ein Geist neben dir.“

Moe duckte sich heftig. Dabei verlor er Wanda´s Hand. Und auf einmal hatte er das Gefühl alleine zu sein. Da ging das Licht wieder an. Und er war tatsächlich alleine. Er war alleine! Und gerat in Panik. Er drehte sich und rannte den Weg wieder zurück. Dann rannte er wieder vor. Eine Tür stand offen, da ging er hinein. Es war natürlich dunkel. Die Lampe beleuchtete nur schwach den Raum. Er konnte ein Bett sehen, einen Tisch, ein Regal, eine Toilette. Wie in einem Gefängnis. Es war furchtbar beengend und er hatte das Gefühl etwas drückte auf seinen Nacken. Dann hörte er die anderen wieder. Wo waren sie nur gewesen.

„Paul, Wanda, Madame. Ich bin hier in dem Raum. Wo wart ihr verdammt nochmal?“

Sie traten ein und Paul schaute durch die Kamera. Ihm stockte der Atem. Auf Moes Rücken sass diese Figur. Jetzt konnte er es erkennen. Es war eine dürre Frau in einem Nachthemd. Sie klammerte sich auf seinen Rücken fest, als wollte sie sich anschmiegen. Dabei schaute sie Paul grinsend an. In dem Moment trat Madame Morell vor. Legte Moe die Hand auf den Rücken und zog, als könnte sie die Figur sehen. Sie zog diese Frau von Paul hinunter. Sofort verschwand der Druck auf Moes Nacken. Er drehte sich um und schaute Fragend in die Runde.

„Verschwinde von diesem Mann, er gehört nicht dir. Verlasse uns nun und suche deinen Raum.“

Madame Morell fuchtelte mit einem Wedel vor sich her. „Ein Salbeibündel.“ Meinte sie nur kurz. „Das vertreibt die schwachen Geister. Dieser wollte nur etwas von deiner Lebensenergie. Sie scheint ihr gefallen zu haben. Aber sie war nicht gefährlich. Nur ein armes Wesen. Ein armes verirrtes Wesen.“

Moe stolperte und musste sich an der Wand abstützen.  Ungefährlich oder nicht, ein Geist hatte auf seinem Rücken gesessen. Er unterdrückte den Drang sofort aus diesem Haus zu rennen.

„Kommt, lasst uns weiter gehen. Das war noch nicht das was ich suche. Irgendwo muss der Psychiater gewirkt haben. Ich spüre die gequälten Seelen überall. Manche sind wie diese eben. Harmlos nur auf etwas Energie aus. Aber es gibt auch wütende, die schmerzen erleiden mussten. Wir sollten uns sputen. Es könnte vielleicht eine recht gute Lösung für dieses Problem geben. Also auf, auf.“

Die drei schauten sich an und schüttelten sich. Aber sie gingen weiter. Paul übergab Moe die Kamera, denn er war nicht unbedingt noch mal scharf darauf in solch ein Gesicht zu sehen und Moe wollte lieber sehen was so vor ihm sein könnte, sollte das Licht wieder ausgehen.

Sie erreichten den Operationssaal. Im Nebenzimmer stand eine Wanne. Sie war furchtbar verdreckt. Es sah aus wie Blut. Sie gingen in dieses Nebenzimmer und fanden noch eine Art Grube  im Boden. Ein Loch  mit einem Deckel. Sofort erschienen Flashbacks. Es war, als würde eine Übertragung stattfinden, aber der Empfang war sehr schlecht, deswegen gab es immer nur kurze Bilder. Und diese hatten es in sich. Ein Bett stand noch in der Ecke. In der Wann lag eine Frau. Aber sie war mit Eiswürfeln bedeckt. Sie zitterte und hatte schon blaue Lippen. Auf dem Bett war einer angekettet. Sein Kopf war fixiert und in seinen Augen steckten die Lobotomie Nadeln. Weiter hinten konnten sie ein mobiles Element mit vielen Drähten erkennen. Anscheinend waren diese für die Stromtherapien verwendet. Moe schaute sich die Grube im Boden an. Und in dem Moment in dem er davor stand konnte er den Glaseinsatz im Deckel erkennen. Da bewegte sich etwas.  Er drehte sich weg um Paul nach seinem Licht zu fragen und als sie zu zweit dort standen, erschien ein Gesicht. Ein kleines Mädchen. Es klopfte gegen die Scheibe. Es schrie und klopfte, die Finger waren schon blutig. Moe und Paul schraken zurück und wollten sofort diese Luke öffnen. Aber da war nichts mehr. Kein Mädchen mehr, kein Blut. Sie öffneten sie und nichts. Ein fauliger Geruch kam ihnen entgegen. Paul kletterte rein. Er leuchtete die Kammer aus und fand ein kleines Skelett. Er ging in die  Hocke, das war zu viel. Er konnte nur erahnen was passiert war.

Moe hatte sich zu Wanda umgedreht. „Wo ist Madame Morell?“

„Ich weiss nicht, sie war eben noch da.“

Und in dem Moment gab es einen Schlag. Der Deckel der Grube war zugefallen. Moe rannte zurück und sah die vor Angst aufgerissenen Augen seines besten Freundes. Er schrie und klopfte an die Scheibe. Moe versuchte den Deckel aufzuheben.

„Wanda, hilf mir, Paul sitzt in der Falle. Ich bekomme den Deckel nicht auf. Komm doch schnell. Hilf mir!“

Wanda kam angerannt und versuchte ihm zu helfen. Nichts! Der Deckel liess sich nicht öffnen. „Ich suche nach etwas zum Aufhebeln. Paul bleib ruhig. Wanda bleibt hier.“

„Madame Morell, wo zum Teufel sind sie? Wir brauchen ihre Hilfe. Paul ist gefangen. Wo sind sie!?“

Paul rannte durch den Raum und versuchte etwas zu finden, mit dem er den Decken aufstemmen konnte. Er riss die Schränke auf und wühlte in den Schubladen. Da erschien Madame Morell in der Tür.

„Lass mich machen.“ Und sie ging zu der Grube. Sie legte die Hand darauf und murmelte unverständliche Worte. Als sie fertig war, sprang der Deckel auf und entliess Paul in die Freiheit. Paul rannte hinaus, stolperte und fing an zu weinen. Wanda ging zu ihm und nahm ihn in den Arm um ihn zu beruhigen. So saßen sie paar Minuten, bevor Madame Morell was sagte.

„Ihr lieben. Hier gibt es eine böse Präsenz und einige sehr wütende Geister. Das habe ich mir in etwa so gedacht, das können wir für uns nutzen. Ich  muss nur den Raum finden in dem der Psychiater die Menschen gequält und getötet hat, dann sind wir dieses Problem ganz leicht los.

„Muss das heute noch sein?“ Fragte Wanda. „Paul hat furchtbares erlebt. Er ist nervlich am Ende.“

„Ich würde es gerne verschieben. Aber dann müssen wir noch mal kommen. Ich will ihn aber auch  nicht alleine hier lassen. Paul? Paul? Was meinst du. Wirst du es schaffen, oder sollen wir dich raus bringen?“

Paul schluchzte. Schniefte und stand auf. “Nein, ich schaff das. Lasst uns dem Wichser in den Arsch treten. Dem ersten Wichser. Wir werden hier als Sieger hinausgehen.“ Er straffte seine Schultern und ging los.

 

FORTSETZUNG 

 

Das Haus der Seelen Teil 7

Teil 1 findet ihr HIER,

Die restlichen Teile könnt ihr HIER finden

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Wanda sass am Küchentisch, der Kaffee stand dampfend vor ihr, die Sonne schien durch das Fenster und gaukelte eine glückliche Welt vor. Sie war in Gedanken und spiele mit der Visitenkarte in der Hand. Madame Morell,  Medium und eine Telefonnummer, mehr stand nicht darauf.  Sie dachte an die vergangenen Ereignisse und ihren Traum. Sie wusste, sie musste was machen, es würde nicht von alleine enden. Sie wollte erst mal alleine Kontakt zu Madame Morell aufnehmen. Erst mal antasten, bevor sie den anderen beiden etwas sagen würde. Sie nahm das Telefon, wählte die Nummer und wartete.

Nicht lange und auf der anderen Seite nahm jemand ab.

„Madame Morell, wie kann ich ihnen helfen.“

„Äh. Hallo, Madame Morell. Mein Name ist Wanda Michel. Ich habe ihre Nummer von Norma Benedikt bekommen. Sie währen bewandert in Geisteraustreibung.“

„Ah, Norma, die Liebe. Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen. Sie hat Recht, aber haben sie Recht? Ist es wirklich ein Geist, der sie heimsucht, oder sind es nur irgendwelche Hirngespinste. Ist ja alles wieder so modern. Ouija und alles was noch so umgeht. „

„Nein, nein. Das ist wirklich kein Hirngespinst. Wir wurden angegriffen und ich habe Träume und Visionen. Es geht um das alte Jakobs Haus.“

Stille.

„Madame Morell?“

„Ja, ja. Ja gut, das klingt auf jeden Fall so, dass sie treffen möchte. Kommen sie heute Nachmittag zu mir.“ Sie nannte die Adresse und verabredeten sich für Sechzehn Uhr.

Wanda atmete auf. Es war der richtige Weg. Sie fühlte sich schon leichter. Die Last schien etwas weniger zu werden. Jemand mit Ahnung würde ihr bestimmt helfen.

Um Sechzehn Uhr betrat Wanda schüchtern das Treppenhaus und stand unsicher vor Madame Morells Wohnung. In dem Moment als sie sich entschloss zu klopfen überlief sie ein Schauer. Sie drehte sich um. Irgendjemand beobachtete sie. Im Schatten. Da. Etwas bewegte sich im Schatten. Es bewegte sich auf sie zu. Die Lichter im Treppenhaus gingen nach und nach aus. Der Schatten bewegte sich mit jeder erlöschenden Birne weiter auf sie zu. Wanda fühlte sich wie ein Reh, das von einem Scheinwerfer angestrahlt wurde. Sie lehnte sich an die Tür und spürte schon den eisigen Hauch, der von dem Schatten ausging, als sich die Tür ruckartig öffnete. In dem Moment gingen die Lichter wieder an und der Schatten verschwand. Schnell zog Madame Morell Wanda in die Wohnung und hängte eine Kette vor die Tür. Keine Sicherheitskette. Es war eine Kette mit verschiedenen Kräuter, die Wanda nicht kannte.

„Oh mein Gott. Da haben sie aber jemand mächtigen sauer gemacht, wenn er sich von dem Haus lösen kann. Meist sind die Geister an Orte gebunden. Aber es scheint, nicht der Ort ist sein Bezug, sondern sie. Das ist interessant. Komme sie schnell, lassen sie uns ins Wohnzimmer gehen, da steht schon ein warmer Tee und etwas Süßes für die Nerven.“

Wanda zitterte und nicht wegen der Kälte.  Dieser Schatten. Sie hatte das Gefühl ihn schon gesehen zu haben. Am Ende der Treppe im Haus. Sie war sich sicher, dass es derselbe war. Er löste das gleiche Gefühl in ihr aus.

Als sie in dem gemütlichen Wohnzimmer saß merkte sie, dass sie langsam entspannen konnte. Dieser Raum strahlte eine Sicherheit aus. Sie  konnte sich fallen lassen. Sie brauchte sich nicht zu erklären, da Madame Morell ja eine Erscheinung mitbekommen hatte.

„So meine Liebe, dann erzählen sie doch mal von Anfang an, wie sie diesen Geist an sich gebunden haben.“

„Ich habe ihn bestimmt nicht bewusst gebunden. Ich weiss nicht, ich glaube er hat mich erkannt. Kann das sein?“

„Ja, ja, das kann sein. Sie sagten etwas von Visionen. Darf ich davon ausgehen, dass sie Visionen von sich in einem anderen Leben hatten?“

„Ja! Genau. Ist das so üblich?“

„In ihrer Situation schon. Ein Geist, der sich an einen Menschen bindet, spürt meist eine Brücke in die Vergangenheit auf. Wer war er?“

„Ich denke es geht um Manfred Jakob und er war wohl mein Vater. Aber in dem Haus muss es noch eine böse Präsenz geben. Es wurde von einem Psychiater berichtet, der Experimente mit den Insassen durchgeführt hat. Aber ihn haben wir noch nicht gesehen, oder gespürt. Nur mal Tonaufnahmen, die auf ihn hin deuteten.“

„Hm. Zwei böse Präsenzen. Das ist nicht gut. Schade, dass es nicht wie in der Mathematik ist. Minus mal Minus ergibt Plus.“ Lachte sie. “Das wird durchaus nicht leicht. Es kann sein, dass der zweite Geist sie noch nicht bemerkt hat, da der erste dominant ist. Es kann aber auch sein, dass er auch noch auf taucht. Aber da er keinen persönlichen Bezug zu ihnen hat, wird er sich auf das Haus beschränken, das macht es leichter. Das werden wir dann Vorort sehen.  Da bin ich flexibel.

„Ja, davon habe ich gelesen und auch schon solche Erscheinungen gehabt. Ach, das wäre eine richtige Erleichterung, wenn es nur um Jakob ginge. Es gibt noch zwei Männer in meinem Team, die da auch involviert sind. Sie waren auch in meiner Vision. Anscheinend hatten sie auch etwas in meinem Leben zu suchen. „

„Hm interessant. Erzählen sie mich doch etwas, was sie so alles schon herausgefunden haben.“

Wanda erzählte alles was sie über die Familie herausfand. Die angebliche Hochzeit, das Verschwinden der Familie und ihre Visionen und Träume.

FORTSETZUNG

Das Haus der Seelen Teil 6

Teil 1 findet ihr HIER,

Die restlichen Teile könnt ihr HIER finden

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Wandas Beine fühlten sich an wie Wackelpudding. Was hatten sie denn da gerade erlebt. Das war furchtbar und bestätigte die Theorie, in dem Haus gab es wenigstens einen bösen Geist. Was hatte Norma gesagt, wir sollten nicht alleine da rein gehen. Ein Medium oder ein Geistlicher. Sie kannte keinen Geistlichen, ob der hiesige Pfarrer genügend Ahnung hätte. Aber wer, das wäre auf jeden Fall das Medium. Da die Adresse von Norma kam, wusste Wanda, dass sie ein echtes vertrauenswürdiges Medium wäre.

Die drei saßen bei Wanda zu Hause und jeder hatte ein Glas mit Whiskey in der Hand. Es musste etwas Stärkeres als Kaffee sein.

„Verdammt, was ist da geschehen?“ Wandas Stimme zitterte.

„Ich weiss es nicht.“ Meinte Paul. „Ich denke wir müssen erstmal die Aufnahmen sichten. Ich habe meinen Laptop dabei. Wartet.“

Paul nahm seine Tasche und angelte den Laptop raus. Dann schloss er die Spiegelreflexkamera an und holte die Bilder runter. Dann nahm er Wandas Actioncam und das Aufnahmegerät. Als er alles zusammen hatte, fingen sie mit der Sichtung der Fotos an.

Da die Fotos in der Bewegung geschossen wurden, waren die meisten nicht verwendbar. Aber er hatte tatsächlich die Situation erfasst, als Wanda in der Luft hing. Und da war etwas zu erahnen. Es sah aus wie ein blinder Fleck, aber ein strukturierter. Man konnte tatsächlich eine Figur erkennen, mit ausgestreckten Armen, deren Hände an Wandas Hals endeten. Man konnte keine Details erkennen. Aber etwas war da. Schnell öffnete Paul die Aufnahmen der Actioncam, die Wanda direkt trug.

Aber da war es ähnlich wie  mit der Kamera. Die schnellen Bewegungen, hatten nur den Raum erfasst. Bis zu dem Moment als Wanda anfing zu schweben. Da konnte man ein Gesicht erkennen, oder erahnen. Ein hasserfülltes Gesicht, das Wanda anschrie.

Da kamen jetzt die Tonaufnahmen dazu. Paul ließ sie ablaufen.  Meist hörte man nur die drei. Aber dann – das musste so zu der Zeit der Vision gewesen sein – hörte man eine wütende Männerstimme.

„Du Hure. Machst du den jungen Männern wieder schöne Augen. Du wirst mir nie entkommen. Schon gar nicht durch einen anderen Mann. Du bist mein Eigentum. Eher werde ich dich töten. Du bist mein.“ Und dann war nur noch das gegurgel von Wanda zu hören als sie gewürgt wurde.

Die drei griffen nach ihren Gläsern und schauten sich fassungslos an.

„Ich glaube wir sollten die ganze Sache abbrechen.“ Meinte Moe.

„Ja du hast Recht. Das wird echt zu gefährlich. Meine Neugierde reicht hierfür nicht aus.“ Meinte Paul

Wanda blieb ruhig und schaute in ihr Glas. Sie befürchtete, dass ein Abbruch nicht mehr möglich war. Sie waren schon zu weit gegangen. Und ihre Vision im Ballsaal zeigte, dass sie alle irgendwie darin verflochten waren.

Aber was war das zwischen ihr und Moe. Sie weiss, das  Amelia entkommen war, indem sie einen Amerikaner heiratete. Ob das Moe gewesen war? Leider konnte sie keine Informationen über Amelia und ihrer Familie in Amerika finden. Als wären sie vom Erdboden verschwunden. Waren sie wirklich nach Amerika ausgewandert, oder hatten sie das Haus nie verlassen?

Als Moe und Peter endlich weg waren, kroch Wanda in ihr Bett, lies aber das Licht an. Sie hatte einfach Angst. Nahm ihr Stofftier in den Arm und schaute an die Decke. Sie versuchte einige Dinge zu verstehen, aber hier eröffneten sich Dinge, an die sie niemals richtig geglaubt hatte. Es gab Geister und sie waren nicht nur harmlose verirrte Seelen, die ins Licht geführt werden wollten. Manche schienen so böse zu sein, schon noch als Lebende, dass sie auch noch böse Geister wurden. Das war furchtbar. Noch nicht mal im Tod gab es Erlösung für diese Menschen.

Sie hatten sich noch gar nicht gefragt welcher Geist dies war. Aber eigentlich war das auch nicht nötig. Alle gingen davon aus, dass es der Geist von Manfred Jakob war. Der gestörte Arzt der Psychiatrie war nicht aufgetaucht. Zum Glück. Vielleicht war er nicht stark genug gegen Jakob. Oder, da er ja seine Behandlungsräume im Keller hatte, würde er dort herumspuken. Na toll.

Aber eigentlich ging Wanda nicht von einer Bedrohung aus dieser Richtung aus. Denn dieser Arzt hatte keinen Bezug zu ihr. Im Gegensatz zu Manfred Jakob. Er schien mit ihr oder ihnen verbunden zu sein. Sie konnte es nur hoffen. Mit zwei so bösen Geistern wären sie mehr als Überfordert.

Während sie so vor sich hin überlegte, vielen ihr die Augen zu. Aber es war kein erholsamer Schlaf. Sie träumte von dem Haus und wieder einer Situation mit ihrem Vater. Er war mal wieder wütend und zerrte sie an ihrem Arm die Treppe hoch. Er sperrte sie in einen Wandschrank und lachte höhnisch, während Amelia weinte. Ihre Schwester, Rosemarie, kam und setzte sich davor um Amelie zu beruhigen.  Sie war selbst schon in diesem Schrank gelandet. Sie wusste genau wie es war, wie düster und muffig. Die Wände kamen immer näher. Es war furchtbar. Die Mutter war nicht im Haus. Sie hatte ihren Frauentreff in der Stadt. Die Mädchen waren alleine mit dem wütenden Vater. Sie hörten ihn im Erdgeschoss poltern. Und irgendwann fiel die Tür ins Schloss. Er war gegangen.

Wanda schlief, nachdem Manfred das Haus verlassen hatte entspannt weiter und wachte sogar relativ ausgeruht auf. Ihre Befürchtung schien sich zu bestätigen. Es würde keine Ruhe geben. Selbst wenn sie nicht mehr in das Haus gehen würden. Der Geist hatte sie schon berührt und war nicht an einen Ort gebunden. Seine Präsenz war im Haus stärker. Aber es war nicht ungefährlicher ausserhalb. Sie würden sich wohl doch Professionelle Hilfe holen müssen. Sie ging an ihre Handtasche und wühlte nach der Karte, die Norma ihr gegeben hatte. Das Medium. Sie brauchten ein Medium.

FORTSETZUNG folgt

Serienmittwoch 60: Mitmachaufgabe: Karnevall feiern mit euren Serienhelden

serienmittwoch-logo1Heute ist wieder eine kreative Aufgabe gefordert. Stellt Euch vor ihr feiert mit euren Serienhelden Karneval. Mehr findet ihr bei Corly

 

Sucht euch fünf Charkatere aus verschiedenen Serien raus, die ihr mögt und stellt euch vor wie es wäre mit ihnen Karneval zu feiern. Was würdet ihr machen? Alles ist möglich!

Okay. Wen brauch man für eine Karnevalparty?

Mich als Karnevalmuffel.

Daryl (TWD) als Karnevalmuffel

Loreley (Gilmore Girl) als Partygirl

Liv (IZombie) als Partygirl, da sie gerade ein passendes Gehirn gegessen hat

Kenzi (Lost Girl) Schon immer ein Partygirl

Narcisse (Reign) als zweiter Mann und Frauenheld

„Auf, auf schnell, schnell. Schmeisst euch in eure Kostüme. Die Party geht gleich los und ich will nicht die letzte sein. Ihr wisst wie das ist. Da ist dann schon das beste angeknabbert.“ Kenzie hüpfte vor den anderen auf und ab.

„Oh Karneval. Ich muss schnell hoch mein Kostüm anziehen, dann können wir los.“ meinte Liv. Sie hatte gerade das Gehirn einer Faschingsprinzessin gegessen und war absolut in Stimmung auf Fasching.

Ich und Daryl sassen auf der Couch und spielten auf der PS4 The Walking Dead. „Pass auf, da hinten kommt ein Zombie. Ich habe keine Munition mehr und mein Messer verloren, du musst deine Armbrust zücken und ihn erschiessen, mach schon, mach schon, mach schon“

„Mach mal langsam. Ich hab alles unter Kontrolle. Da ist noch genug Zeit. Kleine.“

„Kleine – du bist klasse“

Loreley stand schon in ihrem Kostüm vor ihnen. Sie ging als Sexy Meerjungfrau. Sie hatte ihr Kostüm, wie immer selbst genäht.

„Hey Loreley, meine Hübsche – eine tolle Wahl, dein Kostüm. Wenn jemand eine sexy Meerjungfrau gehen kann, dann du.“

„Danke, Narcisse. Es wird trotzdem nichts laufen zwischen uns.“

„Na – ich kann doch auch mal ohne Hintergedanken ein Kompliment machen.“

„Ja Klar.“  meinte Daryl trocken.

„Was ist denn mit euch Muffeln“ meinte Kenzi. „Kommt werft euch mal in euer Kostüm. Wir hatten doch ausgemacht, dass wir heute raus gehen. Biiiitte.“

Ich blickte an mir herunter. Da kullerte gerade ein Flips von meiner Brust und die seltsamen Flecken auf dem Shirt liessen sich auch nicht mehr identifizieren. Könnte ich als Pennerin gehen?

„Vergiss es“ meinte Liv, als könnte sie meine Gedanken lesen. Wessen Hirn hatte sie heute? Ach ja Faschingsprinzessin. „Du wirst nicht so mit gehen. Auf keinen Fall. Komm mit in mein Zimmer, wir finden bestimmt noch ein Kostüm in meinem Schrank.“

Daryl stand auf, blickte an sich herunter. Seine Lederkluft mit seiner Hells Weste konnte durchaus als Kostüm durchgehen. „Ich bin fertig. Aber muss ich mitgehen?“

„Auf jeden Fall“ meinte Narcisse. „Es wird auch mal für dich Zeit ein nettes Mädchen kennen zu lernen.“

„Hä? Das letzte was ich jetzt brauche ist ein Mädchen. Aber bisschen Spass ist okay. Mal wieder paar Bier – Jep – ich bin dabei.“

„Narcisse – ich muss sagen dein Kostüm aus dem französischen Adel. Das steht dir. Ich bin sicher da werden einige Frauenherzen heute für dich schlagen.“ Meinte Loreley

„Ah – endlich da kommen sie ja. Hey, das ist ja ein nettes Kostüm. Eine Vampirlady. Sexy.“

„Brummel“. kam nur von mir.

„Auf, auf, auf – der Umzug hat schon gestartet. Den will ich unbedingt sehen. Danach geht es ab zur Faschingsparty. Endlich können wir uns mal richtig gehen lassen.“

„Alles unter dem Deckmantel des Karnevals. Was an Fasching geschieht, bleibt auch an Fasching.“ schmunzelte Narcisse und hängte sich bei Liv und Loreley ein.

Da gingen die sechs das erste mal zu einer Party. Man kann davon ausgehen, dass sie grossen Spass hatten.  Aber da es ja in Fasching bleibt werden wir es nie erfahren. ;-)

 

 

Haus der Seelen Teil 5

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Teil 1 findet ihr HIERTeil 2 findet ihr HIERTeil 3 findet ihr HIERTeil 4 findet ihr HIER


Als sie bei dem Grundstück ankamen, blieben sie erstmal stehen. Es wirkte noch unheimlicher in diesem dämmerigen Licht. Sie bekamen alle drei Gänsehaut und irgendwie stockten sie. So richtig hatte keiner die Muse das Grundstück und vor allem das Haus zu betreten. Wanda löste sich als erstes aus ihrer Starre.

„Gut. Gib mir eine Taschenlampe, Paul. Dann nehmt ihr am besten das Aufnahmegerät, ich die Kamera und, wie sieht es aus. Soll ich die Actioncam tragen, oder will das einer von euch?“

Moe überlegte:“ Vielleicht ist es nicht verkehrt, wenn du auch ein Aufnahmegerät trägst, die Actioncam. Und Paul nimmt die Spiegelreflexckamera. Wir sollten uns nicht trennen, aber es kann ja trotzdem passieren. Jeder hat ein Thermometer am Armband, da es kalt ist, weiss ich nicht ob man einen rapiden Temperatursturz so gleich merkt. Was noch? Kruzifixe habt ihr alle. Salz habe ich, Weihwasser hat Paul. Gut, lasst uns rein gehen.“

Wanda umarmte die beiden und dann gingen sie, etwas bedrückt, hinein. Die Tür machte wieder dieses seltsam quietschende Geräusch. Die Schatten spielten mit ihren Sinnen. Es fühlte sich an, als würde an jeder Ecke, in jeder Nische ein Jemand stehen. Die Gänsehaut, die ihre Arme überzog, würde wohl an diesem Abend nicht mehr abklingen.

Da sie den oberen Stock schon betreten hatten, wollten sie sich dieses Mal im Erdgeschoss  umschauen. Den Salon hatten sie ja schon oberflächlich begutachtet. Also wollten sie in die andere Richtung gehen.

Sie gingen nach rechts. Gegenüber gab es auch noch einen Gang. Der führte laut Grundriss In das Gartenzimmer und Damenzimmer. Nach rechts sollte es ins Speisezimmer gehen. Dahinter lag das Raucherzimmer und angelegt, das Herrenzimmer. Durch das Raucherzimmer kam man in den Festsaal. Von dort aus sollte man dann in das Turmzimmer gelangen.

Das Speisezimmer strahlte, wie die Halle, einen alten Glanz, der schon stark gelitten hatte. Aber man konnte es sich noch vorstellen. Wanda blieb stehen und versank in eine Erinnerung.

Sie saß am Tisch, am Kopfende ihr Vater, daneben ihre Mutter. Ihre Schwester saß neben ihr und schaukelte mit dem Stuhl. Ihr Vater haute mit der Faust auf den Tisch und schimpfte mit ihrer Schwester. Beide zogen ihre Köpfe ein. Ihre Mutter schien abwesend. Das war in letzter Zeit öfter der Fall. Sie schien keinen Anteil an der Situation zu nehmen. Als wäre sie gar nicht bei ihnen. Die Mädchen schluchzten leise. Sie hatten Angst, dass ihr Vater es hören würde, also löffelten sie die Suppe um es zu vertuschen.

„Wanda? Waanda! Komm lass uns weiter gehen. Ich will mal sehen wie so ein Raucherzimmer und Herrenzimmer aussieht. Ich kenne das nur aus historischen Filmen. Wie muss man sich fühlen als Mann von Welt, wenn man sich „zurück zieht“.  schmunzelte Moe.

Sie betraten das Raucherzimmer. Die Wände schienen noch wie aus alten Zeiten. Getäfelt und viele Regale, aber durch die anderen Einrichtungen war nicht mehr viel vom Raucherzimmer zu erkennen. Moe schien enttäuscht. Er hatte sich bestimmt dunkle Ledermöbel vorgestellt und einen unvergänglichen Geruch nach Zigarren. Der Humidor in der Ecke. Ein prasselndes Feuer im Kamin.

Wanda hatte das Gefühl Zigarrenrauch zu riechen. Ausserdem hatte sie das Gefühl Stimmen zu hören. Schnell machte sie die Actioncam an und das Aufnahmegerät. Sie schaute auf ihr Thermometer aber es wurde nicht kühler. Vielleicht spielte ihr Verstand ihr einen Streich. Sie hatte bei ihrer Recherche gelesen, dass es Kopien der Zeitstränge gab. Es schien, dass schon erlebtes in einer Zeitschleife immer wieder ablief. Das würde ihr erlebtes erklären, ohne diese Geisterphänomene. Sie konnte einfach Erlebtes erkennen.  Das war nicht beängstigend. Jedenfalls im Moment, wenn die Situationen so harmlos war. Sie hoffte nicht, dass dies auch für nicht so harmonische Begegnungen zutraf.

Sie bogen ab ins Herrenzimmer. Aber hier war es ähnlich. Der alte Glanz, den man erwarten könnte war nicht mehr vorhanden. Es schien, als wären beide Zimmer nur noch Gemeinschaftsräume. Vielleicht kamen hier die Familien zu Besuch.

Jetzt betraten sie den Festsaal und es war berauschend. Sofort erklang die Musik.  Wanda schaute sich zu ihren beiden Begleitern um. Sie schienen auch etwas zu hören. Diesesmal war die Erscheinung wohl stark genug um auch sie zu erreichen.  Und in diesem Moment schienen sie in eine andere Zeit katapultiert. Wanda sah an sich hinunter und sie hatte ein traumhaftes Ballkleid an. Sie sah zu Moe und Paul. Beide hatten einen Smoking an und hielten Whisky Gläser in der Hand. Moe sah zu ihr, lächelte, drückte sein Glas Paul in die Hand und kam zu ihr.

„Fräulein Jakob. Wie schön sie hier anzutreffen. Ich hatte gehört, ihr fühlt euch nicht wohl und befürchtete, dass ihr mich nicht mit eurer Anwesenheit zu erfreuen. Dürfte ich um diesen Tanz bitten?“

„Herr Walter. Ihr schmeichelt mir. Ja mir war etwas unwohl. Ich konnte mich aber etwas zu Ruhe begeben und jetzt geht es mir erstaunlich gut. Und ja – ich würde gerne mit ihnen tanzen.“

Und die beiden bewegten sich wie in Trance über die Tanzfläche. Nach einigen Minuten tanzten sie an ihrem Vater vorbei und sie erhaschte seinen Blick. Dieser Blick, sie kannte ihn. Er war sehr wütend und sie bekam Angst. Sofort als die Musik aufhörte, löste sie sich von Moe und verschwand.

Die drei standen sich im Kreis gegenüber und wurden gleichzeitig wieder wach.

„Was war das?“ fragte Paul.

„Ich weiss nicht, ich habe euch in den Visionen noch nie gesehen. Sollten wir in der Vergangenheit schon mal aufeinander getroffen sein? Sind wir deshalb jetzt wieder hier zusammen?“

Wanda und Moe schauten sich an. Was war das zwischen ihnen? Sie hatte das Gefühl, sie spürte noch Moe´s Hand auf ihrem Rücken. Und dieses Gefühl war einfach richtig.

Allerdings fühlte sie auch noch immer den wütenden Blick Manfred Jakobs auf sich. Und sie drehte sich um, da sie das Gefühl hatte ihn immer noch auf sich zu spüren. In dem Moment traf sie etwas im Rücken. Sie fiel und dabei konnte sie einen Blick auf das Thermometer werfen. Die Temperatur war rapide gefallen.  Wanda richtete sich auf und rutschte an den Rand des Raumes. Dann sah sie wie Moe quer durch den Raum geschleudert wurde. Paul rannte schnell zu ihm. Aber er vergass nicht ständig auf den Auslöser zu drücken. Er hielt die Kamera ständig erhoben und versuchte jede Ecke zu erwischen. Als er bei Moe ankam schien der Angriff vorüber. Paul half Moe auf. Und Moe griff schnelle nach dem Salz während Paul das Weihwasser nahm. Sie hielten sich bereit. Wanda wollte gerade aufstehen, als sie plötzlich eine Hand an ihrem Hals spürte. Sie war eiskalt aber sie drückte kräftig zu. Es lag so viel Kraft in diesem Druck dass sie vom Boden erhoben wurde.

Wanda bekam keine Luft mehr, ihre Füsse strampelten und versuchten gegen ihren Angreifer zu treten, aber sie fanden kein Ziel. Moe und Paul kamen angerannt, aber sie wurden weg geschleudert. Sie hatten keine Chance an Wanda heran zu kommen.  Jedesmal wenn sie es versuchten, landeten sie wieder an der gegenüberliegenden Wand.

Wanda sah schon Sterne und versuchte mit ihrer Hand ihren Hals frei zu kratzen. Dabei konnte sie ihr Kruzifix frei legen. Auf einmal ließ der Druck auf ihren Hals nach und sie fiel schmerzhaft auf den Boden.  Moe und Paul konnten aufstehen und kamen schnell zu Wanda. Moe schloss sie in seine Arme und behielt schützend, das Salz in der Hand.

„Lasst und schnell hier heraus, bevor noch weiteres geschieht. Wir müssen hier raus. Schnell“, rief Paul.

Sie sammelten sich und rannten so schnell es ihnen möglich war zum Ausgang. Erst als sie vor dem Grundstück zum Stehen kamen, atmeten sie durch. Moe versuchte Wanda noch mal tröstend in den Arm zu nehmen, aber sie wehrte ihn ab. „Was war das? Wir müssen die Aufnahmen sichten und anhören. Ich brauche dringend etwas zu trinken. Mein Hals schmerzt.“

Und als die drei sich von dem Haus entfernten, erschienen an Wandas Hals Würgemale und am Fenster der Halle wutverzerrtes Gesicht.

Fortsetzung folgt

Corlys Themenwoche 45.7.: Tag und Nacht: Schreibt mir was – Die verwunschene Flasche

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Oh schön, der letzte Beitrag zur Tag und Nacht Woche bei Corly steht wieder ganz im Freestyle. Kreativität ist gefragt.

 

Schreibt mir was zu Tag und Nacht. Was euch so einfällt. Können auch gern Geschichten oder Lieder oder ähnliches sein. Ich lass mich gerne überraschen.

 flaschengeist
Tag und Nacht, Hell und Dunkel. Meine Güte, wo bleibt denn nur die Zeit. Grübelte Andrea. Wie soll ich denn hier alles schaffen? Ich bin doch nicht Santa Claus, der alles an einem Tag schafft. Ach ich hätte gerne mal seine Fähigkeiten. Nur einmal würde ich sie mir gerne ausleihen, dann könnte ich es schaffen, den ganzen Kram einzupacken, zu verschiffen und auszupacken, dann könnte es wieder normal weiter gehen. Das wäre doch mal was. Er brauch doch nur einen Tag im Jahr, er könnte doch die 364 anderen Tage vermieten. Nun gut, da dies wohl nicht geschehen wird, bleibt mir nichts anderes übrig, als alleine weiter zu machen und den Tag halt so zu nutzen wie vorgesehen und ich habe ja auch  noch die Nacht zum Packen. Die Umzugsfirma würde ja erst morgen kommen, also alles noch machbar.
Andrea runzelte die Stirn. Was war das denn? Da lag etwas in ihrer Truhe, das sie gar nicht kannte.
Das muss von Grossmutter sein. Aber wie kommt das hier rein? Wahrscheinlich habe ich es hier rein und es dann vergessen, ist schliesslich auch schon einige Zeit her. Sie nahm diese alte Flasche – sie sah sehr alt aus. Die ist echt schön, warum habe ich sie denn nicht aufgestellt. Manchmal bin ich echt schusselig. In der neuen Wohnung bekommt sie einen tollen Platz. Ich habe ja jetzt viele schöne Fenster, da wird sie im Hellen und im Dunkeln bestimmt gut zur Geltung kommen.
Sie nahm ein Tuch und polierte die Flasche. Sie war so schön, Andrea konnte kaum den Blick von ihr abwenden. Gebannt sass sie auf dem Boden des Dachbodens und polierte Gedankenverloren die Flasche.
Vor dem Fenster wechselte die Tageszeit, die Sonne ging auf, es war Tag. Die Sonne zog ihre Bahn und es wurde Dunkel. Die Nacht war eingekehrt. Und immer noch sass Andrea auf einem Dachboden und polierte. Irgendwann, es war tiefdunkel draussen, löste sie sich von dem Bann der Flasche. Sie schaute aus dem Fenster, schaute sich auf dem Dachboden um und wusste nicht, was war und wo sie war. Was zum Teufel, dachte sie.
Ich habe einen Tag und eine Nacht verloren und wo bin ich?
Mit der Flasche in der Hand verliess sie den Dachboden. Sie ging hinunter, das Haus kannte sie aber es war ihr fremd. Ich bin in meinem neuen Haus?
Was – wie?
Sie sah die Flasche an und drehte sie. Auf dem Boden gab es eine kleine Gravur. Sie ging ins Arbeitszimmer und wühlte in der Kiste nach einer Lupe.
Wer mich reinigt und pflegt, dem werde ich drei mal Helfen. Deswegen bedenkt euren Wunsch ganz genau.
Hä – HÄ! Was? Fast hätte sie die Flasche fallen lassen. Sie rannte hoch zum Dachboden und wühlte in der Kiste, aber sie fand keinen Hinweis auf die Flasche.
Sie konnte sich das nicht erklären. Die Flasche war wirklich alt. War sie magisch, oder hatte Amanda einfach nur die Zeit vergessen. Es konnte ja bei grossem Stress gut vorkommen, das man mal ein Blackout hatte. Vielleicht hatte ich den Umzug erledigt und war in Ohnmacht gefallen. Dann hatte ich eine Amnesie befallen und kann mich ich deswegen nicht an den Umzug erinnern. Oder? Oder es war wirklich eine verwunschene Flasche.
Was sollte sie machen. Wenn die Flasche verwunschen war, wollte sie nicht einfach einen Wunsch verplempern. Und wenn nicht, dann wollte sie es auch nicht wissen. Sie würde auf jeden Fall die Flasche in Ehren halten. Sofort morgen werde ich  schauen ob ich einen Plexiglascontainer bekam in die ich die Flasche sicher aufbewahren kann, aber auch immer sehen kann. Und wenn es so weit war und ich brauche wieder Hilfe, dann werde ich erfahren was hinter der Flasche steckte.
Jetzt erstmal war sie  mehr als Dankbar, dass der lästige Umzug erledigt war. Sie drückte der Flasche einen Kuss auf und verstaute sie erstmal sicher in einer gepolsterten Kiste.
ENDE

Das Haus der Seelen Teil 4

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Es ist etwas Zeit vergangen nach dem 3. Part. Aber ihr wisst ja wie das so ist. Ratzfatz ist eine Woche rum. Deswegen mal einen Kurzen Teil zum Auffrischen. Wieder unterlegt mit gruseliger Musik die ihr HIER hören könnt.

Teil 1 findet ihr HIER

Teil 2 findet ihr HIER

Teil 3 findet ihr HIER

 

„Hallo ihr Lieben, kommt doch rein. Ich habe einen leckeren Tee gekocht und leckeren Kuchen habe ich auch noch.“ Sie waren bei Norma angekommen. Ihre Suche hatte nicht mehr viel gebracht. Die wichtigsten Dinge hatten sie schon besprochen.

„Ach Norma, das ist so schön, wieso ist das denn schon wieder so langen her. Die Zeit ist echt nichts wert. Wenn das vorüber ist, müssen wir uns wieder regelmäßig treffen, das fehlt mir so.“

„Natürlich Süsse. Kommt erstmal rein und macht es euch bequem.“

Der Raum war eingerichtet wie erwartet bei einer Meditationsleiterin. Es gab Bodenkissen, viele Tücher und alles in gedämpften Erdfarben.  Es wirkte alles absolut harmonisch und gemütlich. Die drei liessen sich in die Kissen plumpsen und Norma verteilte den Tee und den Kuchen. Sie erzählten Norma um was es ging und was sie schon erlebt hatten.

„Ihr spielt hier mit dem Feuer meine Lieben. Ja. Die Recherchen im Internet ergeben immer, dass die Geister nicht aggressiv seien. Aber das stimmt nicht. Böse Menschen können noch bösere Geister werden. Vorallem wenn sie plötzlich aus dem Leben schwinden. Und ihr habt hier gleich zwei böse Menschen, die unter seltsamen Bedingungen verschwanden. Das ist nicht ungefährlich.“

„Es ist mittlerweile so,“ meinte Wanda. „dass ich auch ausserhalb des Grundstückes eigenartige Erlebnisse hatte.“

„Oh, oh. Das ist nicht gut. Das geschieht meist nur, wenn der Geist eine persönliche Bindung hat. Entweder, weil du ihn aus der Vergangenheit kennst. Oder er deinen Geist erkannt hat und ihr eine andere Art Bindung habt. Manchmal täuschen sich Geister auch. Sie denken du bist jemand. Sie projizieren dann ihr erlebtes auf den Menschen. Vielleicht solltet ihr geistliche Hilfe holen?“

„Ach ich weiss nicht,“ meinte Paul. „Die Kirche – kann die wirklich helfen? Was sollen die machen, was wir nicht können?“

„Mein Lieber unterschätze mal die Situation nicht. Es könnte schon echt gefährlich werden. Ihr solltet nicht zu lange warten. Ich kann nicht helfen. Ich bin empfänglich, aber nicht genügend. Ich glaube an die Magie und an alles was damit zusammen hängt, aber besser wäre ein Geistlicher, oder ein Medium wäre noch besser. Ich habe eine gute Bekannte, die ist Medium. Vielleicht solltet ihr euch wenigstens beraten lassen, bevor ihr noch mal hin geht.“

Moe runzelte die Stirn. “Ja, du kannst uns auf jeden Fall mal die Daten geben. Wir werden darüber nachdenken. Aber Wanda hat schon raus gefunden, dass unsere Seelen gereinigt und ausgeglichen sein sollten, damit wir nicht so anfällig sind. Dafür sind wir heute bei dir. Du musst unsere Seelen stärken und uns paar Tipps für den Ernstfall mitgeben.“

„Ja, du hast Recht. Ich hole schnell etwas Salbei. Wartet kurz.“

„Vielleicht sollten wir tatsächlich das Medium aufsuchen?“ Flüsterte Wanda.

„Ach, ich weiss nicht. Lass uns erst noch mal alleine dorthin. Vielleicht können wir auch so noch was erfahren. Dann können wir immer noch entscheiden.“ Meinte Paul.

„So, dann setzt euch mal im Schneidersitz auf die Kissen.“ Norma zündete den Salbei an und wedelte damit über ihren Köpfen. Sprach etwas das sich wie Gebete anhörte und reinigte ihre Aura damit.

Dann zeigte sie ihnen einige Entspannungstechniken. Auch in Stresssituationen sollten sie diese anwenden können. Einige waren nur Worte, die wie ein Mantra gesprochen werden sollten, anders waren Dehnungen und Entspannungen, die ablenken und sie in ihre Mitte fokussieren lassen sollten.

Als sie fertig waren, verließen sie Norma, nicht ohne noch mal aufs innigste darauf hingewiesen zu werden, möglichst nicht alleine dorthin zu gehen.

Es wurde schon düster, als sie Norma verließen. „Was meint ihr. Sind wir bereit für das Gruselhaus.“ Scherzte Paul.

„Ich glaube ich werde nie bereit sein, aber lass und gehen. Ich will endlich wissen was dahinter steckt.“ Wanda fröstelte es und das lag nicht an den kühlen Temperaturen. Und immer noch waberten die Schatten in einiger Entfernung von ihnen. Und rote Augen schienen aus ihnen heraus zu leuchten.  Sie wurden erwartet.

Fortsetzung 

 

#Ideenbild – Februar 2017 – Die Geister der Ahnen

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Das Projekt #Ideenbild wird von Lexy durchgeführt. Hier wird monatlich ein Bild gezeigt und damit die Kreativität angekurbelt. Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Mitmachen wenn was einfällt. Das Logo stammt auch von ihr.

 

 

Mildred saß auf ihrer Veranda. Sie liebte den Ausblick. Sie hatte schwer gekämpft für diese Farm. Als ihr Mann, Alfred, auf den Bievers Rock kletterte und verschwand, war sie mit den Hypotheken die auf dieser Farm lasteten alleine gestellt. Sie hatten keine Kinder. Keine anderen Familienmitglieder. Waren eingewanderte in diese Dorfgemeinde und nicht sehr willkommen. Der Nachbar – Walker – wollte dieses Stück Land kaufen um dann sein Imperium auszubauen. Aber die Stadt wollte diese Dominanz nicht. Das kannte man schon aus den Geschichtsbüchern. Also wurde das Grundstück mit der Farm Mildred und Alfred zugesprochen. Sie wollten eine ökologische Farm aufbauen. Aber sie hatten schon oft ungewöhnliche Geschichten gehört, über diesen Ort. Sie hatten oft Besuch von Indianern aus dem benachbarten Reservat. Diese erzählten ihnen, dass Bievers Rock eine heilige Indianerstätte sei.

Hier wurde schon seit Generationen die Geister der Ahnen angerufen. Die rachsüchtigen Geister.  Sie hatten die Weißen, die ihnen ihr Land gestohlen hatte und sie in Reservaten eingepfercht hatten verflucht. Die Farm war vorher schon lange verwaist. Es gab immer wieder enthusiastische Besitzer, die hier große Pläne hatten. Da aber der Bievers Rock mitten auf dem Grundstück lag, nahm er eine große Fläche des Landes ein. Deswegen wollten es viele der Besitzer abtragen lassen. Diese Menschen verschwanden meist über Nacht. Nie wieder hatte jemand was von ihnen gehört. Meist dachten die Bewohner des Tals, dass sie die Kostenvoranschläge für die Abtragung vertrieben habe.

Mildred und Alfred hatten nie irgendwelche Probleme. Aber sie liebten den Rock. Sie hielten sich Tiere und versuchten die Farm ökologisch zu bewirtschaften. Sie wollten keinen Gewinn machen. Sie wollten nur ein ruhiges und entspanntes Leben führen. Sie waren gerade dabei einen Gnadenhof einzurichten, als Alfred unbedingt das Gefühl hatte er müsse den Rock besteigen. Es war eine Unruhe in ihm, die ihn nicht mehr schlafen lies. Er wurde unruhiger und unruhiger. Er aß nicht mehr und hatte keinen Spaß mehr an der Farmarbeit. Irgendwann meinte Mildred

„Alfred, mein Lieber. Du machst mir echt Sorgen. Ich verstehe nicht, warum du nicht auf den Rock steigst. Es scheint dich doch so fertig zu machen. Nimm dir den Hund mit und pack dir einen kleinen Rucksack. Ich verstehe deine Zurückhaltung nicht.“

„Ich bin wirklich total ausgelaugt. Aber ich warte auf das richtige Zeichen. Ich träume von dem Rock. Und es soll ein Zeichen für  mich geben, dass mir erlaubt ihn zu besteigen. Solange muss ich warten, und leiden. Ich verstehe es wirklich auch  nicht. Aber ich kann nicht jetzt schon gehen. Das wäre fatal. Ich habe das Gefühl, es könnte mein Leben kosten, wenn ich zu früh gehe. Hab einfach bisschen Verständnis für mich. Ich versuche mich etwas zusammen zu reißen, damit du dir nicht so viel Sorgen machen musst. „

„Ok. Ich werde mich bemühen. Du wirst schon wissen, was du zu tun hast. Ich habe von den Indianern schon so viel gehört über den Rock. Er soll verflucht sein. Beziehungsweise. Er soll uns Weiße verflucht haben. Weil wir sein Land geschändet haben. Das soll er uns nicht verzeihen. Du weißt, ich glaube schon so ein bisschen an diesen mystischen Kram. Deswegen habe ich gemischte Gefühle deinem Wunsch gegenüber. Aber ich vertraue dir und deinem Gefühl.“

Das war jetzt drei Monate her. Eine Woche nach ihrem Gespräch meinte Alfred, es wäre so weit. Er packte einen kleinen Rucksack und nahm Duke  – ihren Mischlingshund mit. Er küsste sie und nahm sie fest in die Arme.

„Schatz. Ich weiß nicht was mich da erwartet. Ich hoffe ich komme wieder. Meine Gefühle sind sehr verwirrend. Ich freue mich und ich habe wahnsinnige Angst. Aber ich habe auch Vertrauen in diese Träume. Ich fühle keine Gefahr von ihnen.“

„Ach Liebster. Ich habe Angst, dass ich dich nie wieder sehe. Gut. Geh besser bevor ich dich irgendwo einsperre und fessle. Dann wirst du  nur noch flüssig ernährt und wirst mich nie verlassen. „Lachte Mildred mit Tränen im Augenwinkel.

Als sie auf der Veranda saß und an ihren Abschied dachte, kamen ihr die Tränen. Drei Monate. Maggie, ihr anderer Mischling kam angerannt und schmiegte sich an sein Frauchen.

Sie ging mit dem Hund Richtung Rock und als sie ankam, schien die Kulisse zu schimmern. Sie rieb sich die Augen und sie fröstelte.  Es fühlte sich an wie eine Barriere. Sie wollte ihre Hand ausstrecken, aber sie fühlte, es wäre nicht richtig. Sie hatte nicht das Recht einzudringen. Sie seufzte. Drehte sich um und ging mit dem Hund zurück zur Farm. Es gab immer viel zu tun.

Mildred war in Gedanken. Sie jätete gerade in ihrem kleinen Gemüsegarten, als sie das Gefühl hatte beobachtet zu werden. Sie drehte sich um und sah eine befreundete Indianerin aus dem Reservat.

„Little Flower. Ach wie schön, dass du mich besuchst . Möchtest du einen Kaffee oder Tee. Ich habe auch noch Gebäck. „

„Das ist doch der Grund warum ich überhaupt komme. Dein Kaffee schmeckt mit immer am besten. Klar will ich einen Kaffee  – und natürlich gehört da auch Gebäck dazu.“ Zwinkerte sie.

„Komm lass uns auf die Veranda gehen. Die Sonne geht gleich unter, da haben wir einen ganz besonders schönen Ausblick auf den  Rock. Setz dich schon mal, ich hole den Kaffee und das Gebäck“

„Erzähl, was gibt es neues bei euch. Ich bin schlimm, ich wollte die ganze Zeit mal bei euch vorbei  schauen. Aber ich habe es immer aufgeschoben. Echt blöd manchmal. Dabei genieße ich eure Gemeinschaft so. Ach ich freu  mich wirklich, dass du  mich besuchst.“

Little Flower trank von ihrem Kaffee und schloss genießerisch die Augen.“ Ich bin nicht nur einfach so da, meine Liebe. Alfred ist jetzt drei Monate weg. Es wird Zeit, dich darauf vorzubereiten.“

„Vorzubereiten, was meinst du. Kommt Alfred endlich wieder? Kannst du mir mehr erzählen? Was war los und wo war er? Ich dachte mir schon, dass ihr mehr wisst. Aber ich hatte doch Angst, dass es was Schlimmes ist, was ihn und mich erwartet. Wir hörten genügend über die Gegend um den Rock.“

„Hör mir zu, Mildred. Der Rock ist sehr, sehr heilig und gefährlich. Der Platz der Ahnen. Hier kommen unsere jungen Männer her um ihren Geist und ihren neuen Namen zu erhalten. Eine sehr persönliche Sache für unsere Männer. Aber sie konnten es schon lange nicht mehr machen, da die Weißen immer für Unruhe sorgten und die Geister der Ahnen einfach nicht mehr erschienen. Die jungen Männer mussten zu den anderen Gebieten wandern um ihre Bestimmung zu erhalten. Das ist heute nicht mehr so schlimm, da es ja keine gegnerischen Stämme mehr gibt, die Krieg führen, aber es stört den reibungslosen Fluss der Energie. Aber seit ihr beide, du und Alfred, hier leben merkte unser Geisterseher, dass sich hier wieder Ahnen einfinden. Es  gibt also die Möglichkeit, dass unser Volk wieder hier in Ruhe seine Bestimmungen entgegen nehmen können. Das haben sie nur euch zu verdanken. Ihr seid immer hilfsbereit und achtet auf die Natur. Ihr treibt kein Raub an Mutter Erde und achtet auch die Tiere. Deswegen ist Alfred für eine hohe Stellung in unserem Volk auserkoren worden. Die Geister der Ahnen haben ihn gerufen. Und sie haben ihn zum Bewacher des Rocks ernannt. Er soll in Zukunft für die Sicherheit und Ruhe hier sorgen.“

„Was bedeutet das? Was bedeutet das für  mich? Werde ich Alfred wieder sehen? Kann er denn jetzt überhaupt zu mir zurückkommen?“ Schluchzte Mildred.

„Meine Liebe – das Universum ist ständig im Fluss. Natürlich wirst du Alfred wieder sehen. Sehr bald, denn ihr beide gehört zusammen. Ihr seid ein Team und werdet auch beide die Hüter dieses Heiligen Geländes werden. Aber Alfred hat besondere Fähigkeiten, die noch ein bisschen Feinschliff benötigen. Aber es dauert nicht mehr lange. Also  mach dir keine Sorgen mehr. Es geht ihm gut.“

Etwa einen Monat nach dem Besuch von Little Flower war Mildred gerade damit beschäftigt die Schafe in ihr neues Gehege um zu siedeln. Es war sehr heiß und die Sonne brannte ohne Erbarmen auf sie nieder. Die Erde flimmerte und etwas ließ sie aufschauen. Ihr Blick wurde Richtung Bievers Rock gelenkt und sie konnte nur dieses Flimmern sehen. Aber etwas bewegte sich. Eine Gestalt kam aus diesem flimmernden Schatten auf sie zu. Und sie erkannte die Bewegungen. Es war Alfred.

Endlich – Alfred. Endlich kam er Heim. Sie verließ das Gehege und ging langsam in seine Richtung. Er strahlte eine Aura ab, die eine neue Kraft erahnen ließ. Sie konnte seine Macht bis zu sich spüren. Ihr  Mann war ein Hüter geworden. Das spürte sie. Etwas magisches haftete ihm an. Und als sie endlich zusammentrafen wurde sie unweigerlich in seinen Bann gesogen. Es schien, als würde die Erde aufhören sich zu drehen. Sie hatte das Gefühl zu schweben und sie drehte sich in der Luft mit Alfred in den Armen. Sie spürte eine Welle der Macht, die sich auf sie übertrug. Und in ihrem Kopf formte sich eine Stimme, die sich anhörte wie das Mächtigste, das ihr je zu Ohren kam.

Ihr zwei, seid auserkoren, die Hüter des Bievers Rock zu sein. Diese Aufgabe ist eine Aufgabe, des Lebens. Ihr werdet unsterblich aber nicht immer hier leben. Irgendwann ist eure Aufgabe erfüllt und die Ahnen werden einen neuen Hüter erwählen. Und ihr steigt auf in die Reihe der Geister. Aber so lange seid ihr beide als Einheit, die Bewahrer des Wissens um diese Gegend. Ihr werdet sie vor allen Gefahren beschützen und alle vernichten, die ihn zerstören wollen.

Damit verstummte die Stimme, sie landeten wieder auf dem Boden. Alfred schloss sie fest in die Arme.

„Meine liebste Mildred. Die Zeit war so lange ohne dich. Aber meine Sehnsucht nach dir hat mich aufrecht alles überstehen lassen. Alle Prüfungen und Entbehrungen konnte ich so ertragen. Bis wir jetzt wieder zusammen sind und zusammen dieses Stück Erde bewachen können. Gibt es eine schönere Aufgabe für Mutter Erde zu arbeiten und sie zu schützen?“

„Alfred“ schluchzte Mildred. „Endlich bist du wieder da. Ich kann es kaum abwarten alles zu erfahren, was du erlebt hast und was wir noch erleben werden. Schnell lass uns rein gehen.“

Damit fassten sich die beiden an den Händen, die Sonne ging unter und der Rock lag hinter ihnen. Er strahlte eine Zuversicht und Sicherheit aus. Die Geister der Ahnen hatten gut gewählt.

ENDE

Story-Samstag – Reise in die Vergangenheit – Sturm des Schicksals

storysamstagWas ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen….

 

Macht einmal eine Zeitreise in die Vergangenheit und berichtet über eure Erfahrungen. Vielleicht landet ihr ja bei den Dinosauriern? Oder in der Schlacht von Troja?

Wieder ein Tag, wie jeder andere, dachte Steffi. Sie hatte keine Lust die Augen zu öffnen. Aber dann viel es ihr ein. Es war ja gar kein Tag wie jeder andere. Sie hatte Urlaub und sie hatte einen tollen Trip geplant. Sie wollte in die Berge. Das wäre ihr erster Urlaub seit langem und auch noch alleine. Sie war sich nicht sicher, ob ihr das gefallen würde, aber eigentlich hatte sie es fest geplant. Endlich mal abschalten und sich Gedanken machen was sie denn noch so im Leben vor hatte. So wie es jetzt war, konnte es einfach nicht bleiben. Sie hasste ihren Job und ihr Leben auch bisschen. Ihre letzte Beziehung war eine Katastrophe und ihre Freunde hatten sich auf seine Seite geschlagen. Ja – gut sie hatte ihn, ohne ersichtlichen Grund, verlassen. Aber sie war einfach nicht glücklich mit ihm. Das Leben war schon in eine Bahn gerutscht, die ihr nicht gefiel. Deswegen war so ein Trip in die Berge – die Einsamkeit – genau das richtige. Sie hatte eine Hütte gebucht. Dort kam einmal die Woche eine Versorgungstour und sonst nichts. Strom gab es über Solar – so modern waren sie schon – und über einen Generator. Warmes Wasser – na ja wer brauch schon Luxus. Kaltes Wasser lässt die Geister erwachen.

Sie schnappte sich ihren Rucksack und packte, die Sachen, die sie vorbereitet hatte ein. Sie suchte ihr Ticket. Ihr Auto wollte sie hier lassen. Brauchte sie dort nicht. Dann rief sie ein Taxi zum Bahnhof und los ging es. Sie war ganz entspannt. Die Häuser zogen schnell an ihr vorbei. Als sie am Bahnhof ankam, hatte sie sogar Glück. Kein Streik – Keine Verspätung. Also bestens. Rein in den Zug und ab in die Einsamkeit.

Als sie ankam, wartete schon eine Pferdekutsche auf sie. Ein junger Mann sass drauf und als er sie sah, sprang er vom Bock und half ihr mit dem Rucksack.

„Hallo, ich bin Rubens. Ihr „Butler““. Lachte er.

„Mein Butler? Das nenne ich mal All-inclusive.“ Lachte sie. „Sie bringen mich in meine Hütte und versorgen mich wöchentlich?“

„Genau – hier werden Butler verdammt schlecht bezahlt, deswegen nur minimalistische Tätigkeiten.“ Grinste er. „Wie lange bleiben sie noch mal. Vier Wochen?“

„Ja genau. Vier Wochen um meinen Geist und meine Seele zu reinigen.“

„Hm. Ungewöhnlich eine so junge Frau. Sie scheinen keine Angst zu haben, so alleine?“

„Nein – ich bezweifel wirklich, dass sich jemand die Mühe macht auf den Berg zu kraxeln um mich irgendwie zu belästigen. Das wäre doch etwas zu viel Aufwand“ schmunzelte sie

Während der Fahrt unterhielten sich die beiden noch etwas über alltägliche Dinge. Und als sie ankamen zeigte Rubens ihr schnell noch wie der Generator funktionierte. Holz wäre genug da, für die kalten Tage.

„Wenn es einen Notfall gibt,“ meinte Rubens „dann findest du dahinten eine Feuerstelle um Rauchzeichen zu machen.“ Grinste er.“oder du nimmst das Funkgerät in der Hütte.“

„HAHA. Ich bleib beim Feuer. Ich danke dir. Dann sehen wir uns nächste Woche.“

„Alles klar Steffi. Ich wünsche dir eine entspannte Zeit.“

Steffi fing an sich einzurichten und sie genoss jetzt schon die Stille. Könnte sie immer so leben? Wäre es möglich ihre Karrierepläne, die noch nicht mal bestehen, ad acta zu legen um hier zu leben. In Einsamkeit und Stille? Sie würde es wissen – in vier Wochen. Jetzt würde sie erstmal eine ruhige Nacht geniessen. Und morgen wäre eine Wanderschaft geplant.

Steffi hatte noch nie so gut geschlafen. Sie wachte mit den Sonnenstrahlen auf, die auf ihr Bett schienen. Die Vögel zwitscherten ansonsten hörte sie nur einen Bach in der Nähe. Sie stand auf, kochte sich Kaffee und setzte sich mit der Tasse auf die Terrasse. Es war noch kühl, aber einfach traumhaft.

Eine Stunde später packte sie ihren kleinen Trackingrucksack, die Kamera und einen Snack ein und lief los. Sie hatte eine kleine Wanderkarte. Aber die wollte sie nur nehmen, wenn sie sich verlaufen würde. Sie war mit ihrem Vater als Kind oft gewandert und er hatte sie eigentlich ganz gut ausgebildet. Sie lief. sammelte bisschen Nahrung – es war früh im Jahr  – die Birken konnten noch angezapft werden und die jungen Blätter konnte man noch essen. Sie war so in Gedanken, dass sie gar nicht merkte, dass vor ihr jemand stand.

„Rubens, was machst du hier?“

„Neben meinen Butler-Tätigkeiten, bin ich hier auch noch Wildhüter und Förster.“

„Uh – ein Mann mit vielen Geheimnissen. Toll. Darf ich dir etwas folgen. Ich bin schon einige Zeit unterwegs. Und ich muss mich langsam von der Welt abnabeln.“

„Ja klar, warum nicht. Ich habe vor zu einer Felsformation im Norden zu gehen. Da gibt es immer wieder schöne Vogelpopulationen zu beobachten.“

„Toll, lass uns gehen“

Sie liefen schweigend nebeneinander her. Es war nicht nötig zu sprechen. Die Gegend war einfach faszinierend.

Als sie bei der Felsformation ankamen, änderte sich das Wetter. Das passierte in den Bergen sehr schnell. Ihnen blieb nichts anderes übrig als in einer der Höhlen Unterschlupf zu suchen.

Sie machten sich ein Feuer und unterhielten sich etwas. Das Unwetter blieb. Irgendwann schliefen die beiden ein. Als sie wach wurde, krabbelten sie aus der Höhle. Sie streckten sich und Steffi wühlte in ihrem Rucksack nach dem löslichen Kaffee. Schnell machten sie sich auf der Glut noch einen Kaffee warm um dann wieder zurück zu gehen.

„Wie sieht es aus?“ Fragte Rubens

„Was meinst du?“

„Jetzt haben wie die Nacht ja schon miteinander verbracht, da kann ich dir wenigstens, anstandshalber, ein Frühstück spendieren.“ Lächelte er frech.

„Du hast Recht, das ist wohl das mindeste, das ich erwarten kann. Ein Ring wäre passender, aber fangen wir mit einem Frühstück an.“

Sie liefen albernd den Berg runter, Richtung Dorf und als sie gerade das Dorf betreten wollten stockte Rubens. Er blickte sich um und hielt Steffi zurück.

„Hier stimmt was nicht. Das sind zwar die Häuser meines Dorfes, aber sie sind anders gestrichen und es gibt keine Strassen für die Autos. Nur ein grosser runder Platz. Und überall Pferdekarren. Was ist denn hier los. Plant der Bürgermeister einen Mittelalterfest? Das wäre aber viel Energie aufgewendet.“

Sie gingen langsam und misstrauisch weiter. Auf einmal blieb eine Frau mit einer Schubkarre voller Karotten vor ihnen stehen.

Frau Steffanie, Herr Rubens, da seid Ihr ja wieder. Ihr habt eure Beinkleider an, wart Ihr wieder Kräuter sammeln? Wir haben Euch vermisst am Markttag. Aber jetzt weiss ich ja, dass Ihr Eure Medizinschränke auffüllen wolltet. Einen schönen Tag noch.“

Rubens schaute Steffi verwundert an und Steffi stand mit offenem Mund da. Was war denn hier los?

„Komm, lass uns schnell zu mir nach Hause gehen. Vielleicht löst sich das alles noch auf. “

Er zog sie hinter sich her. Als sie vor seinem Haus standen schaute er verwundert hoch. „Es steht auf dem Platz, aber es sieht so anders aus. Schau hier hängen lauter Kräuter zum Trocknen. Und da hinten ist ein Garten mit Kräutern. Das Vieh. Ich hatte kein Vieh. Ich hätte nie Zeit gehabt. Nur mein Hund, Mein Hund – wo ist Felix.?“ Und kaum hatte er den Namen ausgesprochen, wurde er auch schon von einem schwarzweißen Border Collie angesprungen.

„Felix. Ah mein guter Felix. Was ist denn hier los? Komm antworte mir“

„Na da würdest du aber dumm gucken, wenn er jetzt anfangen würde zu reden. Mich würde hier jetzt gar nichts mehr wundern“

„Komm lass uns rein gehen. Das mit dem Frühstück wird wohl nichts. Ausserdem ist es eh schon wieder fast Abend. Der Weg hat länger gedauert als erwartet. Ich lade dich noch mal ein die Nacht bei mir zu verbringen. Dann gibt es bestimmt ein Frühstück. “ Er grinste wie ein Junge, der das letzte Stück Kuchen geklaut hatte.

„Du hast Recht, lass uns schlafen. Vielleicht sind wir gar nicht wach. Es ist alles ein Traum und morgen ist alles wieder normal.“

Er zeigte ihr, wo sie sich hinlegen konnte. Als sie schlief, träumte sie. Sie sass in dem Raum und in der Ecke erschien eine Frau. Sie sah aus wie Steffi.

„Hallo Steffi.“

„Äh, Hallo?“

„Du wunderst dich wohl. Das ist verständlich. Ich bin die Schicksalsgöttin.“

„Oh – was schräge Träume, diese frische Luft hat es echt in sich. Warum siehst du aus wie ich?“

„Weil ich hier für dich erscheine. Ich nehme immer die Gestalt des Besuchten an.“

„Gut – der ganze Tag ist schon unter „Schräg“ gespeichert. Da ändert das jetzt auch  nichts mehr. Also erklär dich.“

„Schön. Das mag ich an dir. Du fackelst nicht lange rum. Hier mein Angebot: Du bist unglücklich in deinem alten Leben. Also kann ich dir anbieten das Leben hier auszuprobieren. Du befindest dich 1407. Du bist hier ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft und kannst mit Rubens zusammen einiges erreichen. Du bist die Heilkundige hier im Dorf und sehr beliebt. Natürlich besitzt du Wissen aus der Zukunft, das hilft dir besondere Behandlungsmethoden anzuwenden, die vielen das Leben gerettet haben. Rubens ist hier ein angesehener Wildhüter und Förster und die Bevölkerung hätte ihn gerne als ihren Bürgermeister. Die Leute hatten es schwer in der Vergangenheit. Kriege, Ausbeuter, Krankheiten. Sie sehnen sich nach eurer Führung. Ihr könnt euch selbst und die Leute hier glücklich machen.“

„Das klingt wie aus einem Groschenroman.“

„Ja, das stimmt – so ist ein glückliches Leben. Wie ein Roman. Ihr könnte hier ein erfülltes Leben führen. Rubens bekommt von seinem Schicksalsgott gerade das gleiche Angebot. Ihr beide seid für einander bestimmt. Hier und auch in eurem alten Leben. Ich mache dir ein Angebot. Teste dieses Leben für die vier Wochen, die du für deinen Urlaub geplant hattest. Wenn du nicht hier bleiben willst, komme zu der Höhle zurück. Da wird sich das Portal in dein altes Leben öffnen und du kannst wieder zurück. Aber gib dem hier eine Chance.“

„Was ist wenn ich mich für hier entscheide. Was wird aus meinem alten Leben, Familie, Freunde?“

„Die Erinnerung an euch wird gelöscht. Ihr habt dann dort nie existiert. Keiner wird euch vermissen. Aber du darfst nicht traurig sein. Deine Liebsten haben ihre Seelen hier, hier in dieser Zeit. Es sind immer die selben die du in deinem Leben triffst. Also auch hier.“

„Man – das klingt wie ein Abenteuer. Gut – gut ich mache es. Ich versuche es. Ja ich will erstmal hier bleiben. So verrückt wie sich das auch anhört. Ich bleibe erstmal in 1407 mit Rubens, wenn er denn will.“

„Oh ja er will.“

Als die Göttin weg war, erwachte Steffi. Sie sprang auf und ging sofort zu Rubens Zimmer rüber. Er war auch wach und sie sah in seinen Augen, dass er ein ähnliches Erlebnis hatte.

Sie setzten sich in die Küche und redeten über diese neue Situation und waren auch ziemlich aufgeregt. Es war wie ein kleines Abenteuer.

So vergingen die Tage. Rubens machte weiter wie bisher nur weniger modern und wesentlich entspannter. Er wurde öfter wegen des Bürgermeisteramtes angesprochen und auch mal ins Rathaus berufen. Währenddessen sortierte Steffi ihre Medizin und versteckte die Bücher, die sich in ihrem Rucksack befunden hatten. Sie hatte sich schon zu Hause für alternative Medizin interessiert und dementsprechende Lektüre dabei gehabt. Die würde nützlich sein, aber auch nicht ungefährlich. Sie genoss die Ruhe in diesem Dorf. Fern der Hektik. Die Leute begrüssten sie, sie luden sie zu Kaffee, Tee und Kuchen ein. Sie kamen zu ihr zu Behandlungen. Es gab keine Hebamme im Dorf, das wurde auch von Steffi übernommen. In der Zeit hatte sie schon zwei Kindern auf die Welt geholfen, und das war ein berauschendes Gefühl. Sie vergas immer mehr ihre Vergangenheit und lebte sich immer mehr in ihr jetziges Leben ein. Die Schicksalsgöttin hatte recht mit den Menschen. Schnell hatte sie ihre Freunde aus dem alten Leben erkannt.

Und auch Rubens fühlte sich immer wohler. Am Anfang war er sehr zurückhaltend Steffi gegenüber. Er machte seine Witzchen über ihre Situation und dass sie in wilder Ehe leben würden. Aber sie wussten beide, dass sie in diesem Leben verheiratet waren. Nur traute sich keiner von beiden den ersten Schritt zu machen. Aber eines Abends, nach einem Fest in der Dorfscheune war Steffi etwas angeseusselt und locker. Sie flirtete wild mit Rubens und es kam wie es das Schicksal wollte. Die beiden fanden sich endlich in ihren Armen wieder. Es war für Steffi wie nach Hause kommen. Endlich fühlte sie sich komplett. Und als der Tag kam, an den die beiden zur Höhle hätten gehen können, kuschelte sich Steffi tiefer in Rubens Arme und küsste ihn innigst. Sie war glücklich und fühlte fast das neue Leben, das schon in ihr wuchs.

Die Schicksalsgöttin sass oben am Berg und lächelte wissend vor sich hin. Sie liebte diesen Teil ihres Daseins. Manchmal war es ihr vergönnt, die Menschen glücklich zu machen. Und dies wiegte alles Leid auf, das sie sonst gezwungen war zu verteilen.

ENDE