#Ideenbild – Februar 2017 – Die Geister der Ahnen

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Das Projekt #Ideenbild wird von Lexy durchgeführt. Hier wird monatlich ein Bild gezeigt und damit die Kreativität angekurbelt. Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Mitmachen wenn was einfällt. Das Logo stammt auch von ihr.

 

 

Mildred saß auf ihrer Veranda. Sie liebte den Ausblick. Sie hatte schwer gekämpft für diese Farm. Als ihr Mann, Alfred, auf den Bievers Rock kletterte und verschwand, war sie mit den Hypotheken die auf dieser Farm lasteten alleine gestellt. Sie hatten keine Kinder. Keine anderen Familienmitglieder. Waren eingewanderte in diese Dorfgemeinde und nicht sehr willkommen. Der Nachbar – Walker – wollte dieses Stück Land kaufen um dann sein Imperium auszubauen. Aber die Stadt wollte diese Dominanz nicht. Das kannte man schon aus den Geschichtsbüchern. Also wurde das Grundstück mit der Farm Mildred und Alfred zugesprochen. Sie wollten eine ökologische Farm aufbauen. Aber sie hatten schon oft ungewöhnliche Geschichten gehört, über diesen Ort. Sie hatten oft Besuch von Indianern aus dem benachbarten Reservat. Diese erzählten ihnen, dass Bievers Rock eine heilige Indianerstätte sei.

Hier wurde schon seit Generationen die Geister der Ahnen angerufen. Die rachsüchtigen Geister.  Sie hatten die Weißen, die ihnen ihr Land gestohlen hatte und sie in Reservaten eingepfercht hatten verflucht. Die Farm war vorher schon lange verwaist. Es gab immer wieder enthusiastische Besitzer, die hier große Pläne hatten. Da aber der Bievers Rock mitten auf dem Grundstück lag, nahm er eine große Fläche des Landes ein. Deswegen wollten es viele der Besitzer abtragen lassen. Diese Menschen verschwanden meist über Nacht. Nie wieder hatte jemand was von ihnen gehört. Meist dachten die Bewohner des Tals, dass sie die Kostenvoranschläge für die Abtragung vertrieben habe.

Mildred und Alfred hatten nie irgendwelche Probleme. Aber sie liebten den Rock. Sie hielten sich Tiere und versuchten die Farm ökologisch zu bewirtschaften. Sie wollten keinen Gewinn machen. Sie wollten nur ein ruhiges und entspanntes Leben führen. Sie waren gerade dabei einen Gnadenhof einzurichten, als Alfred unbedingt das Gefühl hatte er müsse den Rock besteigen. Es war eine Unruhe in ihm, die ihn nicht mehr schlafen lies. Er wurde unruhiger und unruhiger. Er aß nicht mehr und hatte keinen Spaß mehr an der Farmarbeit. Irgendwann meinte Mildred

„Alfred, mein Lieber. Du machst mir echt Sorgen. Ich verstehe nicht, warum du nicht auf den Rock steigst. Es scheint dich doch so fertig zu machen. Nimm dir den Hund mit und pack dir einen kleinen Rucksack. Ich verstehe deine Zurückhaltung nicht.“

„Ich bin wirklich total ausgelaugt. Aber ich warte auf das richtige Zeichen. Ich träume von dem Rock. Und es soll ein Zeichen für  mich geben, dass mir erlaubt ihn zu besteigen. Solange muss ich warten, und leiden. Ich verstehe es wirklich auch  nicht. Aber ich kann nicht jetzt schon gehen. Das wäre fatal. Ich habe das Gefühl, es könnte mein Leben kosten, wenn ich zu früh gehe. Hab einfach bisschen Verständnis für mich. Ich versuche mich etwas zusammen zu reißen, damit du dir nicht so viel Sorgen machen musst. „

„Ok. Ich werde mich bemühen. Du wirst schon wissen, was du zu tun hast. Ich habe von den Indianern schon so viel gehört über den Rock. Er soll verflucht sein. Beziehungsweise. Er soll uns Weiße verflucht haben. Weil wir sein Land geschändet haben. Das soll er uns nicht verzeihen. Du weißt, ich glaube schon so ein bisschen an diesen mystischen Kram. Deswegen habe ich gemischte Gefühle deinem Wunsch gegenüber. Aber ich vertraue dir und deinem Gefühl.“

Das war jetzt drei Monate her. Eine Woche nach ihrem Gespräch meinte Alfred, es wäre so weit. Er packte einen kleinen Rucksack und nahm Duke  – ihren Mischlingshund mit. Er küsste sie und nahm sie fest in die Arme.

„Schatz. Ich weiß nicht was mich da erwartet. Ich hoffe ich komme wieder. Meine Gefühle sind sehr verwirrend. Ich freue mich und ich habe wahnsinnige Angst. Aber ich habe auch Vertrauen in diese Träume. Ich fühle keine Gefahr von ihnen.“

„Ach Liebster. Ich habe Angst, dass ich dich nie wieder sehe. Gut. Geh besser bevor ich dich irgendwo einsperre und fessle. Dann wirst du  nur noch flüssig ernährt und wirst mich nie verlassen. „Lachte Mildred mit Tränen im Augenwinkel.

Als sie auf der Veranda saß und an ihren Abschied dachte, kamen ihr die Tränen. Drei Monate. Maggie, ihr anderer Mischling kam angerannt und schmiegte sich an sein Frauchen.

Sie ging mit dem Hund Richtung Rock und als sie ankam, schien die Kulisse zu schimmern. Sie rieb sich die Augen und sie fröstelte.  Es fühlte sich an wie eine Barriere. Sie wollte ihre Hand ausstrecken, aber sie fühlte, es wäre nicht richtig. Sie hatte nicht das Recht einzudringen. Sie seufzte. Drehte sich um und ging mit dem Hund zurück zur Farm. Es gab immer viel zu tun.

Mildred war in Gedanken. Sie jätete gerade in ihrem kleinen Gemüsegarten, als sie das Gefühl hatte beobachtet zu werden. Sie drehte sich um und sah eine befreundete Indianerin aus dem Reservat.

„Little Flower. Ach wie schön, dass du mich besuchst . Möchtest du einen Kaffee oder Tee. Ich habe auch noch Gebäck. „

„Das ist doch der Grund warum ich überhaupt komme. Dein Kaffee schmeckt mit immer am besten. Klar will ich einen Kaffee  – und natürlich gehört da auch Gebäck dazu.“ Zwinkerte sie.

„Komm lass uns auf die Veranda gehen. Die Sonne geht gleich unter, da haben wir einen ganz besonders schönen Ausblick auf den  Rock. Setz dich schon mal, ich hole den Kaffee und das Gebäck“

„Erzähl, was gibt es neues bei euch. Ich bin schlimm, ich wollte die ganze Zeit mal bei euch vorbei  schauen. Aber ich habe es immer aufgeschoben. Echt blöd manchmal. Dabei genieße ich eure Gemeinschaft so. Ach ich freu  mich wirklich, dass du  mich besuchst.“

Little Flower trank von ihrem Kaffee und schloss genießerisch die Augen.“ Ich bin nicht nur einfach so da, meine Liebe. Alfred ist jetzt drei Monate weg. Es wird Zeit, dich darauf vorzubereiten.“

„Vorzubereiten, was meinst du. Kommt Alfred endlich wieder? Kannst du mir mehr erzählen? Was war los und wo war er? Ich dachte mir schon, dass ihr mehr wisst. Aber ich hatte doch Angst, dass es was Schlimmes ist, was ihn und mich erwartet. Wir hörten genügend über die Gegend um den Rock.“

„Hör mir zu, Mildred. Der Rock ist sehr, sehr heilig und gefährlich. Der Platz der Ahnen. Hier kommen unsere jungen Männer her um ihren Geist und ihren neuen Namen zu erhalten. Eine sehr persönliche Sache für unsere Männer. Aber sie konnten es schon lange nicht mehr machen, da die Weißen immer für Unruhe sorgten und die Geister der Ahnen einfach nicht mehr erschienen. Die jungen Männer mussten zu den anderen Gebieten wandern um ihre Bestimmung zu erhalten. Das ist heute nicht mehr so schlimm, da es ja keine gegnerischen Stämme mehr gibt, die Krieg führen, aber es stört den reibungslosen Fluss der Energie. Aber seit ihr beide, du und Alfred, hier leben merkte unser Geisterseher, dass sich hier wieder Ahnen einfinden. Es  gibt also die Möglichkeit, dass unser Volk wieder hier in Ruhe seine Bestimmungen entgegen nehmen können. Das haben sie nur euch zu verdanken. Ihr seid immer hilfsbereit und achtet auf die Natur. Ihr treibt kein Raub an Mutter Erde und achtet auch die Tiere. Deswegen ist Alfred für eine hohe Stellung in unserem Volk auserkoren worden. Die Geister der Ahnen haben ihn gerufen. Und sie haben ihn zum Bewacher des Rocks ernannt. Er soll in Zukunft für die Sicherheit und Ruhe hier sorgen.“

„Was bedeutet das? Was bedeutet das für  mich? Werde ich Alfred wieder sehen? Kann er denn jetzt überhaupt zu mir zurückkommen?“ Schluchzte Mildred.

„Meine Liebe – das Universum ist ständig im Fluss. Natürlich wirst du Alfred wieder sehen. Sehr bald, denn ihr beide gehört zusammen. Ihr seid ein Team und werdet auch beide die Hüter dieses Heiligen Geländes werden. Aber Alfred hat besondere Fähigkeiten, die noch ein bisschen Feinschliff benötigen. Aber es dauert nicht mehr lange. Also  mach dir keine Sorgen mehr. Es geht ihm gut.“

Etwa einen Monat nach dem Besuch von Little Flower war Mildred gerade damit beschäftigt die Schafe in ihr neues Gehege um zu siedeln. Es war sehr heiß und die Sonne brannte ohne Erbarmen auf sie nieder. Die Erde flimmerte und etwas ließ sie aufschauen. Ihr Blick wurde Richtung Bievers Rock gelenkt und sie konnte nur dieses Flimmern sehen. Aber etwas bewegte sich. Eine Gestalt kam aus diesem flimmernden Schatten auf sie zu. Und sie erkannte die Bewegungen. Es war Alfred.

Endlich – Alfred. Endlich kam er Heim. Sie verließ das Gehege und ging langsam in seine Richtung. Er strahlte eine Aura ab, die eine neue Kraft erahnen ließ. Sie konnte seine Macht bis zu sich spüren. Ihr  Mann war ein Hüter geworden. Das spürte sie. Etwas magisches haftete ihm an. Und als sie endlich zusammentrafen wurde sie unweigerlich in seinen Bann gesogen. Es schien, als würde die Erde aufhören sich zu drehen. Sie hatte das Gefühl zu schweben und sie drehte sich in der Luft mit Alfred in den Armen. Sie spürte eine Welle der Macht, die sich auf sie übertrug. Und in ihrem Kopf formte sich eine Stimme, die sich anhörte wie das Mächtigste, das ihr je zu Ohren kam.

Ihr zwei, seid auserkoren, die Hüter des Bievers Rock zu sein. Diese Aufgabe ist eine Aufgabe, des Lebens. Ihr werdet unsterblich aber nicht immer hier leben. Irgendwann ist eure Aufgabe erfüllt und die Ahnen werden einen neuen Hüter erwählen. Und ihr steigt auf in die Reihe der Geister. Aber so lange seid ihr beide als Einheit, die Bewahrer des Wissens um diese Gegend. Ihr werdet sie vor allen Gefahren beschützen und alle vernichten, die ihn zerstören wollen.

Damit verstummte die Stimme, sie landeten wieder auf dem Boden. Alfred schloss sie fest in die Arme.

„Meine liebste Mildred. Die Zeit war so lange ohne dich. Aber meine Sehnsucht nach dir hat mich aufrecht alles überstehen lassen. Alle Prüfungen und Entbehrungen konnte ich so ertragen. Bis wir jetzt wieder zusammen sind und zusammen dieses Stück Erde bewachen können. Gibt es eine schönere Aufgabe für Mutter Erde zu arbeiten und sie zu schützen?“

„Alfred“ schluchzte Mildred. „Endlich bist du wieder da. Ich kann es kaum abwarten alles zu erfahren, was du erlebt hast und was wir noch erleben werden. Schnell lass uns rein gehen.“

Damit fassten sich die beiden an den Händen, die Sonne ging unter und der Rock lag hinter ihnen. Er strahlte eine Zuversicht und Sicherheit aus. Die Geister der Ahnen hatten gut gewählt.

ENDE

#Ideenbild im Januar 2017 – Die Rückkehr der entrückten Seele 2 von 2

Hallo – Schön dass ihr wieder da seid und mir meiner Reise nach Afrika folgt. Lest was für mich vorgesehen ist.

Wenn ihr jetzt erst einsteigt, könnt ihr hier noch mal den Start nach lesen. Viel Spass bei der Reise

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Als wir im Naturschutzgebiet Ngorongoro ankamen spürte ich etwas. Es schien, als würde die Erde mit mir reden. Es fühlte sich an wie Schwingungen. Ich war wie elektrisiert. Ich konnte es nicht abwarten zu den Einheimischen zu kommen. Und kaum war ich dort fingen die Frauen an mich mit grossen Augen anzusehen. Sie tuschelten, aber ich wollte erst im Dunkeln noch mal kommen. Es waren  mir zuviel Touristen dort. Aber ich spürte, dass sich hier etwas anbahnte. Ich konnte nur noch nicht erfassen was.

Als es dann dunkel wurde ging ich wieder zu den Einheimischen. Es brannte ein Feuer in der Mitte ihres Dorfplatzes und die Reihen lichteten sich für mich. Ich wurde durch einen Gang von Leibern in die Mitte geleitet. Und kaum war ich da sah ich den Häuptling und die Medizinfrau. Um mich herum fingen die Menschen an zu summen. Ganz leise und es klang wie ein Raunen, das durch die Äste der Bäume fegte. Der Häuptling kam zu mir und lief um  mich herum. Dann fing er an meine Haar an zu fassen, in meinem Gesicht herum zu stochern und mich wie ein Stück Vieh zu begaffen. Die Medizinfrau kam zu mir. Sie pustete mir etwas ins Gesicht. Ich atmete es ein. Das Pulver schmeckte etwas wie Mehl mit Vanillearoma aber auch etwas scharf, als wäre noch eine starke Prise Chillipulver darin. Es hinterließ einen schmierigen Film auf meiner Zunge als ich den Mund zum Atmen öffnete. Mir wurde schwindelig. Die Gesichter verschwammen und ich fiel in Ohnmacht.

Als ich wieder erwachte war ich stark verwirrt. Ich versuchte aufzustehen. Aber ich fühlte mich wie betrunken. Ich hatte keine Gewalt über meinen Körper und sackte wieder zurück. Dann spürte ich Hände. Sie versuchten mich zu stützen. Ich bekam Kissen in den Rücken gelegt und konnte  mich aufrichten. Ich sah viele freundliche Gesichter. Alle lachten mich an und ich war mehr als irritiert. Ich blickte mich um und sah einen weitern Körper in der Nähe von mir liegen. Ich konnte aber noch nichts erkennen. Dann öffnete sich das Tuch vor dem Eingang. Der Häuptling und die Medizinfrau kamen hinein. Sie lachten und klopften sich auf die Schulter. Dann kniete sich die Medizinfrau hinunter und sprach mit mir.

„Hallo, wie geht es dir? Alles in Ordnung, kannst du mich sehen, alles hören und verstehen?“

Wieso sollte ich nicht alles verstehen? „Ja, ich bin aber sehr schwach, was habt ihr mit mir gemacht?“ Sie lächelte freundlich

„Wie soll ich dir das erklären? Die Geister haben zu uns gesprochen und uns gesagt es wird eine junge Frau kommen, die Afrika im Blut hat. Sie ist eine Entrückte.“

„Entrückte?“

„Ja“ meint sie: „Entrückte sind Seelen oder Geister, deren Körper zu früh gestorben sind und dann fortgerissen wurden. Sie wurden ihrem Leben, Land und Lieben entrissen, vor ihrer Zeit. Meist durch böse Zauber. Diese werden von dunklen Magiern durchgeführt, die meist eine Rechnung offen haben, weil ihnen entweder etwas verwehrt wurde oder sie verbannt wurden wegen ihrer dunklen Machenschaften. So war das auch bei uns.“ Sie drehte sich zum Häuptling um und er nickte.

„Die Tante des heutigen Häuptlings wurde eingefordert von einem bösen Mann. Er wollte sie unbedingt haben. Sie war eine solche Schönheit und sehr begehrt. Ausserdem von Adel. Sie war die Tochter eines Häuptlings. Er hätte durch die Ehe anrecht auf die Stellung gehabt, da es keinen männlichen Nachkommen gab. Also warb er um sie, aber sie hatte angst vor ihm und wollte nicht. Ihr Vater war unschlüssig, denn er konnte nicht erkennen, dass es sich um eine dunkle Seele handelte. Seine Tochter war feinfühlig. Sie hätte unsere geistige Führerin werden können. Unsere Sprecherin der  Geister. Eine sehr seltene Gabe. Deswegen spürte sie auch diese dunkle Macht. Sei weigerte sich. Und ihr Vater – er gab ihr nach. Der Magier war sehr, sehr böse und versuchte das Dorf zu vernichten. Aber Samarar war im Weg. Ihre Macht war stark. Aber ihr Körper nicht. Bei der Verteidigung versagte ihr Körper und ihr Geist wurde entrissen. Ziellos verschwand er und suchte sich ein neues Gefäss. Weit von uns – denn für Entrückte gibt es keine Grenzen. Unsere Seherin hat und dann angekündigt, das Samaras Seele sich auf den Weg nach Afrika befinden soll.“

„Eine schöne Geschichte, aber ich verstehe trotzdem nicht, was hat das mit mir zu tun. Ich war noch nie hier und bin auch nur durch Zufall hier.“

„Zufälle, meine Liebe gibt es nicht. Du bist heim gekehrt. Der böse Magier hat schon lange keine Macht mehr. Es gab viele Kämpfe. Aber wir haben ihn besiegt und gebannt. Er kann nichts mehr anrichten. Das scheint auch der Grund zu sein, warum Samaras Seele den Ruf der Heimat vernahm. Und du kamst zu uns. Wir haben die Seele sofort erkannt. Dein Neffe – der heutige Häuptling – hat sofort die familiäre Verbindung gespürt. Nur – wir mussten den Körper tauschen. Es ginge nicht in deinem alten Körper. Dort hin haben wir eine unserer kranken sterbenden Seelen geschickt. Wir haben sie gefragt, ob sie sich für dich opfern  möchte. Es ist eine ehre eine Entrückte Seele in sich aufzunehmen. Dein alter Körper wird zu Hause sterben. Verabschiede dich von deinem alten Leben.“

Mit diesen Worten hob sie die Decke von dem Körper neben mir und ich verstand nichts. Da lag ich. Ich lag dort und röchelte. Ich sah genauso aus wie ich mich das letzte mal im Spiegel gesehen hatte. Aber doch anders. Der Körper drehte den Kopf und ich konnte in die Augen sehen. Meine Augenfarbe hatte sich geändert. Von Grün in Braun. Und sie sahen krank aus. Ich war blass und fiebrig.

„Was ist mit mir? Ich verstehe das nicht, was wollt ihr von mir? Lasst mich gehen. Ich habe Angst“ Und da traf mich wieder ein Pulver und es fühlte sich so ähnlich an wie beim letzten  mal ohne diesen schleimigen Film und ich fiel in erholsamen, beruhigenden Schlaf.

Ich träumte. Ich träumte ein anderes Leben. Ich war jung, hübsch, hatte eine dunkle Hautfarbe und war glücklich. Ich fühlte mich geliebt. Aber dann zogen dunkle Wolken auf. Meine Gefühle änderten sich. Ich war ängstlich, fühlte mich bedroht und war unglücklich. Ich kämpfte gegen etwas böses und mein Körper verlor. Ich wurde entwurzelt. Meine Seele – Mein Geist fühlte sich zerissen an und ich war eine Suchende. Lange suchte ich, dann fand ich einen Körper. Er war noch im Mutterleib. Ich zog ein und fühlte mich wieder sicher. Ich wurde wieder geliebt, war glücklich und sicher, aber unvollständig. Eine tiefe Sehnsucht lag immer in mir verborgen. Ich erwachte und erinnerte mich. Ich erinnerte mich an meine Vergangenheit. Und ich lebte.  Ich verstand alles was mir die Medizinfrau erklärt hatte.

Ich war endlich zu Hause. Ich war wieder in meinem Land und bei meiner Familie. Ich war wieder vollkommen. Meine Seele würde ihre komplette Struktur und Macht wieder aufnehmen. Und mein altes Leben wäre Vergangenheit. Eine Erinnerung.

Ich war kräftig genug um aufzustehen. Ich ging zu meinem alten Körper, umarmte ihn und bedankte mich bei der Seele, die dort eingezogen ist. Sie verbeugte sich und verliess die Hütte. Sie würde in mein altes Leben zurückgehen und sich für mich von meinem alten Leben verabschieden. Ich dagegen, würde jetzt für immer hier in Afrika bleiben. In dem Land meiner Vorfahren. Und ich würde meinen rechtmässigen Platz in diesem Volk einnehmen. Als Geistersprecherin.

#Ideenbild im Januar 2017 – Die Rückkehr der entrückten Seele 1 von 2

Das Projekt #Ideenbild wird von Lexy durchgeführt. Hier wird monatlich ein Bild gezeigt und damit die Kreativität angekurbelt. Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Mitmachen wenn was einfällt.  Das Bild wurde uns von Reisen-Fotografie.de zur Verfügung gestellt….Danke schön

Waaaa……..ich war so aufgeregt. Hatte ich doch eine Reise gewonnen.! Ich konnte es nicht fassen. Ich hatte noch nie was gewonnen. Doch ich hatte mal bei einer Tombola ein Radio gewonnen. Das habe ich auch gehütet wie meinen Augapfel. Weil ich so stolz war, dass ich mal was gewann. Und Rubbellose um noch mehr zu Rubbeln. Mehr war es nicht. Und jetzt eine Reise. Ich sollte nach Afrika fliegen. Vierzehn Tage Safari und Strand. Ich wusste nicht wie ich mich beruhigen sollte. Also ging ich online und fing an mich ganz rational über Afrika und Impfungen zu informieren. So langweiliges Zeug würde mich schon wieder auf den Boden bringen. Ha….aber das war natürlich nicht so. Die Recherchen zu den Impfungen machten mir etwas Angst. Aber die Recherchen zu dem Land, wiegten das mehrfach auf. Also fing ich an Onlinshopping zu begehen. Ich brauchte schliesslich auch eine neue – Safari taugliche Kleidung – Kreditkarte – du wirst geplündert.

Stunden später war mein virtueller Koffer gepackt und ich war glücklich. Termine für die Impfungen und Visa waren getätigt. Jetzt musste ich  nur noch warten. In zwei Monaten sollte es dann los gehen. Ach ich war so aufgeregt.

Am nächsten Tag ging ich dann wie üblich arbeiten. Ich wusste nicht ob ich es jemanden erzählen sollte. Die Leute mochten mich, aber man weiss ja wie es ist wenn jemandem was gutes widerfährt.  Viele sind neidisch und genervt wenn man dann etwas erzählt. Ich entschied mich dagegen. Es war zwar traurig, dass ich es niemanden erzählen wollte, aber ich hatte nicht vor mir meine Vorfreude nehmen zu lassen, von neidischen Kollegen. Nein. Das ist mein Traum. Ich wollte schon immer mal nach Afrika.

„Ich hatte eine Farm in Afrika am Fusse der Ngong-Berge “ Ich liebe den Film, Jenseits von Afrika. Und natürlich ging bei mir nur noch alles darum wie ich mich am besten vorbereite. Ich las Bücher, sah Filme, sah Dokus und ging auf Dia-Shows. Ich war wie besessen. Ich war ein Stalker. Wenn man ein Land Stalken konnte, ich tat es. Und dann war es endlich soweit. Der Tag war da. Ich fuhr früh zum Flughafen. Kontrollierte unzählige Male, dass mein Ticket auch da war und mein Pass. Ich war so nervös. Es wäre das erste mal, dass ich alleine fliegen würde. Ganz alleine in Urlaub gehen würde. Und dann noch in so ein exotisch, fernes Land. Aber es war ja eine Reisegruppe. Ich wäre also nicht ganz alleine.

Die Zeit ging schnell um und wir landeten am Flughafen Kilimanscharo. Und als wir den Terminal verließen war ich schon gebannt. Ein süsser kleiner Flughafen mit Blick auf den Berg. Ach wie traumhaft. Ich schaute auf meinen Tourenplan, da wurde schon mein Name aufgerufen. Ich folgte den Anweisungen und kam am Transferbus für unser Hotel. Als wir ankamen wurden wir mit Cocktails empfangen und auf unsere Zimmer verteilt. Morgen würde die Safari beginnen. Ich freute mich noch etwas Zeit für mich zu haben. Unsere Tour beinhaltete Serengeti Nationalpark, Naturschutzgebiet Ngorongoro, Ngorongoro-Krater, die Massai und Übernachtungen im Zelt mit Komfort. Das war alles sehr touristisch, ich selbst hätte mit etwas mehr Freestyle erwünscht, aber da es ja eine gewonnene Tour war. Und ich könnte ja immer wieder kommen. Zum ersten Eindruck reichte es. Der dunkle Kontinent. Ich würde sehen, was mich da dunkles erwarten würde.

Am nächsten Tag startete die Safari. Es war wunderbar. Die Wildnis, die Leute, die Gegend, die Tiere. Ich verliebte mich immer mehr in die Gegend und ich wusste nicht, wie ich zu Hause das erlebte verarbeiten sollte. Afrika hatte seinen Samen in mir gepflanzt und es gedieh. Wer hätte gedacht, dass es eine solche Wendung geben würde.

to be continued…..

Was ist das nur für ein Gefühl, dass sich bei mir breit macht. Ich fühle mich geborgen und zerissen. Ich verstehe einfach die Welt nicht mehr. Ich werde sehen, wohin mich dieses Gefühl noch bringen wird. Ich fühle, dass irgendetwas passieren wird. Ich habe etwas angst, aber ich bin auch aufgeregt.

Begleitet mich und seht was meine Bestimmung ist.

(Damit es nicht zu lange wird, teile ich die Geschichte auf. Morgen könnt ihr dann dir Fortsetzung lesen, wenn ihr mögt)

Fortsetzung

 

#Ideenbild im Dezember 2016 – Tulok und die Polarlichter. Teil 2 von 2

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Hier kommt ihr zu Teil 1

Am nächsten Morgen wachte Tulok auf. Er war ziemlich durch gefroren. Er machte sich schnell noch mal Schnee warm und löste einige Teeblätter auf. Das wärmte ihn ein bisschen. Er spannte die Hunde an und legte das Rentier an eine Leine, die er am Schlitten befestigte. Aber er war nicht ganz unachtsam. Er wusste, dass seine Eltern ihn suchen würden. Aber er konnte nicht zurück. Also machte er ein Zeichen für sie, dass sie wussten, dass es ihm gut ginge und er weiter gezogen war.

Dann zogen sie los. Richtung der Polarlichter, die er Abends beobachtet hatte. So zogen sie einige Stunden weiter. Irgendwann wurde das Rentier unruhig. Tulok aber konnte nichts erkennen. Was war los mit ihm. Das Rentier fing an zu tänzeln und wurde immer nervöser. Tulok hielt an und schaute sich um. Aber er konnte immer noch nicht sehen. Er überlies dem Rentier die Führung und er traute seinen Augen nicht. Vor ihm lag nur die weisse Landschaft, aber irgendwie schimmerte es. Es sah bei genauerem Hinsehen wie eine Barriere aus. Eine durchsichtige Wand, oder ein Spiegel, denn er konnte nur die weisse Landschaft sehen. Als er seine Hand ausstreckte traf er auf Widerstand. War er denn da? Wie sollte er da durch kommen. Aber da kam das Rentier und es konnte ohne Probleme durch gehen. Die Wand wurde für das Tier durchlässig. Schnell schnappte Tulok seinen Schlitten und fuhr hinter her.

Er konnte seine Augen nicht trauen. Er sah ein Dorf vor sich mit vielen kleinen Häuschen die alle bunt beleuchtet waren. Aus den Schornsteinen stieg überall Rauch und es wirkte so malerisch.In der Mitte stand ein riesiger Weihnachtsbaum. So was hatte Tulok nur auf Bildern gesehen. Es war so faszinierend. Er merkte gar nicht, dass jemand zu ihm kam. Ein alter Mann trat zu ihm.

„Hallo Tulok. Ich sehe du hast unseren Ausreißer gefunden. Anik, was hast du dir dabei gedacht einfach abzuhauen? Wir haben uns Sorgen gemacht. Deine Familie war ganz nervös. Ich konnte sie gar nicht beruhigen. Aber Tulok hat dich gesund wieder gebracht. Jetzt können wir entspannen. Wie sieht es aus, Tulok, möchtest du eine warme Schokolade und paar Kekse? Ich höre deinen Magen bis hier her knurren. Lass uns Anik in den Stall zu seiner Familie bringen und dann gehen wir zu mir. Ich zeig dir die Werkstatt.“

Tulok war noch sprachlos und nickte nur. Sie gingen zum Stall. Dort konnte er auch seine Hunde lassen. Alle wurden gefüttert und gepflegt. Währenddessen ging er mit dem Weihnachtsmann in die Werkstatt. Dort bekam er eine warme Schokolade und Kekse und konnte die Elfen beim Arbeiten bewundern. Sie waren so fröhlich und sangen  Weihnachtslieder. Lachten und manchmal stand ein Elf auf und erzählte eine kleine Weihnachtsgeschichte. Es war einfach nur herrlich.

„Möchtest du dir was aussuchen als Dankeschön für Anik?“

„Nein danke, Weihnachtsmann. Hier zu sein und dein Dorf zu sehen das ist schon Geschenk genug. Das einzige was ich mir noch mehr wünschen würde wäre einmal mit den Rentieren zu fliegen..“

„Mal sehen was sich da machen lässt. Aber heute schaffe ich das nicht mehr. Ich werde dafür sorgen, dass du schnell nach hause kommst. Deine Eltern machen sich ziemliche Sorgen. Aber warte auf mich. Ich werde zu dir kommen. Jetzt ruh dich erstmal bisschen aus.“

Sie gingen in ein Zimmer und Tulok legte sich auf ein Sofa. Als er erwachte lag er in seinem Bett zu hause. Er sprang auf und lief hinunter zu seinen Eltern. „Tulok,“ sagte sein Vater. „Wir müssen reden. Du hast uns ganz schön Angst eingejagt. Zum Glück haben die Hunde dich zurück gebracht. Du bist wohl im Schlitten eingeschlafen. Aber du wirst schon eine Strafe bekommen.  Du darfst diese Woche nicht weiter weg als bis zu Bank. Hast du verstanden?“

Tulok war betrübt. „Ja Vater. Das ist gerecht. Ich war unaufmerksam und habe euch Sorgen gemacht.“ Wenigstens durfte er überhaupt noch vor die Tür. Seine Eltern wussten, dass er es nicht überstanden hätte, wenn sie ihn zu hause eingesperrt hätten. Jeden Tag ging er zur Bank, kletterte drauf und schaute in den Horizont. Aber er konnte nichts sehen. Langsam bezweifelte er, dass erlebtes echt war. Vielleicht hatte er doch alles geträumt? Wie sollt er es wissen. So eine einsame Nacht in er eisigen weissen Hölle konnte schon mal Halluzinationen hervorrufen. Er kletterte wieder hinunter und die Spuren die er hinterließ wirkten freudlos. Er wurde immer ruhiger und trauriger. Seine Eltern dachten es wäre, weil er nicht weg durfte. Aber sie wollten die Strafe nicht aufheben. Er musste es verstehen.

Es war der 24.12 und Tulok hatte die Hoffnung aufgegeben. Er tat es als Traum ab. Aber ganz tief hatte sich eine dunkle Traurigkeit breit gemacht. Als er sich schlafen legte und gerade am einschlafen war hörte er kleine feine Glöckchen. Schnell stand er auf und schaute aus dem Fenster. Da sah er einen Schatten vor dem Mond. Er schaute genauer und konnte tatsächlich einen Schlitten erkennen und davor waren die Rentiere gespannt. Schnell zog er sich was warmes an und rannte nach draussen. Schon landete der Schlitten und der alte Mann stieg aus.

„Hallo Tulok, ich hatte dir doch gesagt, dass ich kommen würde. Heute ist der Weihnachtsabend und ich möchte dir deinen Wunsch erfüllen. Du sollst mich begleiten. Mir mir im Schlitten und den fliegenden Rentieren. Wir reisen diese Nacht durch die Welt und besuchen die Kinder um ihnen Geschenke zu bringen. Bist du dabei?

„Oh. Weihnachtsmann ich dachte ich hätte alles nur geträumt. Ich war schon so traurig. Aber du bist tatsächlich gekommen. Ich will auf jeden Fall mit dir mitfliegen. Das einzige das ich mir je gewünscht habe. Ich bin bereit.“

Und die beiden erhoben sich in die Luft. Tulok konnte nicht fassen was für ein einmaliges Gefühl das war. Er flog mit den Rentieren durch die Welt. Diese Freiheit war ein Gefühl das er nie vergessen würde. Und immer wenn er auf die Bank klettert erinnert er sich an diesen einen Abend. Und immer wenn er wieder hinab stieg hinterließ er Abdrücke im Schnee die voller Freude und Erinnerungen war.

 

#Ideenbild im Dezember 2016 – Tulok und die Polarlichter. Teil 1 von 2

Das Projekt #Ideenbild wird von Lexy durchgeführt. Hier wird monatlich ein Bild gezeigt und damit die Kreativität angekurbelt. Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Mitmachen wenn was einfällt.2016-dezember-ideenbild-1

Tulok war 10 Jahre. Er lebte in der Arktis. Nicht weit vom Nordpol. Seine Eltern haben schon früh erkannt dass er eine besondere Gabe hat. Die Tiere – er scheint sie auf eine ganz besondere Art beruhigen zu können. Dazu musste er nur in ihre Nähe kommen und schon hatte er ihre Aufmerksamkeit. Als er noch ganz klein war, kam seine Mutter aus ihrem Haus und sah etwas, das ihr das Blut gefrieren lies. Tulok saß in seiner Schaukel und vor ihm ein kleiner Eisbär. Sie wusste, irgendwo musste auch die Mutter sein. Sie blickte sich um und sah sie. Aber die Mutter lag ganz entspannt auf dem Hügel und beobachtete die Situation. Auch Polarwölfe, Robben und andere Tiere spielten mit dem kleinen Tulok.

Nicht lange uns seine Eltern besorgten ihm einen Schlitten und Schlittenhunde. Seit dem war er jeden Tag draussen. Denn er hatte ein Gerücht gehört. Die Polarlichter sollten im Weihnachtsdorf ihren Ursprung haben. Oft stellte er sich auf die Bank und beobachtete am Zaun die Lichter. Er versuchte so weit zu blicken wie er konnte. Und er wusste, er wollte diesen Ort finden. Dort sollte ein Weihnachtsmann und seine Elfen leben. Er soll Rentier haben und die Elfen bauten Spielzeuge. Aber Spielzeug interessierte ihn nicht. Er wollte das Dorf sehen und diese Rentiere, die fliegen können sollen. Das war sein Wunsch. Er kletterte von der Bank und hinterließ dabei immer sehnsuchtsvolle Spuren im Schnee.

Eines Tages – Tulok war gerade mit seinem Schlitten unterwegs in die Richtung in der er die Lichter beobachtet hatte. Da sah er eine kleine Familie Polarwölfe. Sie hatten kleine Welpen und er hielt seinen Schlitten an, löste die Hunde und lies die beiden Familien spielen. Er selbst beobachtete sie und konnte sich nicht zurück halten. Er begab sich in die Mitte und tobte mit den Welpen. Er war so glücklich. Als die Mutter ihre Welpen rief spannte er seine Hunde an und fuhr weiter. Er genoss den kalten Wind, der ihn um die Nase wehte. Er liebte die Kälte. Nicht lange – er war schon ziemlich weit von zu Hause weg. Sah er etwas, das in anscheinend in Not geraten war. Er stieg ab und schaute. Auf einem gefrorenen See war ein Tier eingebrochen.

Er redete beruhigend auf das Tier ein. Schnappte sich ein Seil, band es sich um die Taille und befestigte es an dem Schlitten. Dann begab er sich vorsichtig auf den See. Ein zweites Seil hatte er sicherheitshalber dabei. Als er ankam strampelte das Tier ziemlich und drohte unterzugehen. Er redete weiter auf das Tier ein und es beruhigte sich wieder. Er versuchte es am Geweih zu schnappen und zu ziehen. Aber er war nicht stark genug. Also band er das Seil darum, ging zurück zum Schlitten und liess die Hunde ihm helfen. Gemeinsam schafften sie es das arme Tier zu befreien.

Schnell nahm Tulok ein Handtuch, das er für die Hunde hatte um das Tier abzureiben und warm zu rubbeln. Als es so vor ihm stand und zitterte und seine Nase an ihn drückte um sich zu bedanken und getröstet zu werden, erkannte er das er ein Rentier vor sich hatte. Ein junges. Wie kam es denn hier her? Wo war seine Familie? Tulok schaute sich um. Aber er konnte nichts sehen.

Er hatte nicht gemerkt wie es dunkel wurde. Er würde den Heimweg nicht mehr finden. Das war nicht so schlimm. Die Kinder wurden schon früh auf solche Situationen trainiert. Denn es kam immer wieder vor, dass sie bei der Jagd draussen nächtigen mussten. Aber er wusste, dass seine Eltern sich sorgen machen würden. Denn er hatte ihnen nicht gesagt in welche Richtung er unterwegs wäre und frischer Schnee hatte seine Spuren schon verwischt. Aber es half nichts. Er hielt ausschau nach einem Windschutz oder sogar einem Iglu, dass vielleicht ein anderer Jäger gebaut hatte.

Diese Iglus hatten sein Volk überall errichtet um Jägern in der Nacht unterschlupf zu gewähren. Er fand leider keinen aber einen perfekten Windschutz bei dem er mit einigen Tricks seine Decken wie ein Zelt drapieren konnte. Er und die Hunde und das kleine Rentier machten es sich bequem. Er hatte einen kleinen Kocher dabei und etwas zum anzünden. Da schmelzte er sich etwas Schnee und konnte sich eine Suppe machen. Es war sehr kalt. Aber er hatte keine Möglichkeit ein grosses wärmendes Feuer zu machen. Er drückte sich einfach dichter an die Hunde. Das Rentier legte sich auch zu ihnen und schlief sofort ein. Der Kampf ums Überleben war einfach zu anstrengend. Gemeinsam hatten sie es dann einigermaßen warm.

Kurz bevor ihm die Augen zufielen sah er noch das Polarlicht. Er fragte das Rentier: „Kommst du von dort? Dort soll das Weihnachtsdorf sein. Lebst du dort? Ich bin so neugierig. Ich werde dich dort hin bringen. Dann werde ich den Weihnachtsmann treffen und kann zu deiner Familie gehen. Darauf freue ich mich. Meine Eltern werden zwar sehr wütend werden und mich bestimmt bestrafen, aber das ist mir egal. Ich will unbedingt zu den Rentieren.“ Er beobachtete die Lichter noch und schlief dann ein. Er träumte von fliegenden Rentieren und dass er mit ihnen am Himmel fliegen würde.

In der Zwischenzeit machten seine Eltern sich wahnsinnige Sorgen. Seine Mutter war kurz davor zusammen zu brechen.

Der Vater sagte:“Frau, mach dich nicht verrückt. Du weisst doch wie er gerne die Zeit vergisst, wenn er unterwegs ist. Er weiss wie er überleben kann und vor wilden Tieren brauch er keine Angst zu haben. Die Tiere lieben ihn und beschützen ihn. Wir werden morgen nach ihm suchen. Jetzt beruhige dich bitte.“

„Du hast Recht Mann. Nur – er ist mein kleiner Schatz. Ich weiss, dass er nicht in Gefahr ist, das würde ich spüren. Wir werden morgen los gehen um ihn zu finden“

to be continued…

FORTSETZUNG

#Ideenbild im November 2016 – Fernweh ins Grauen

Das Projekt #Ideenbild wird von Lexy durchgeführt. Hier wird monatlich ein Bild gezeigt und damit die Kreativität angekurbelt. Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Mitmachen wenn was einfällt.2016-november-ideenbild

Endlich war es so weit. Das Fernweh hatte uns ereilt. Wir hatten einige Dokus auf YouTube (myhomeismycar + Wir sind Veg)uns angeschaut und uns fit gemacht und wollten mit einem Wohnmobil oder umgebauten 7,5 Tonner durch die Welt fahren. Im Endeffekt entschlossen wir uns für einen umgebauten 7,5 Tonner. Es war einfach geräumiger. Wir haben viel selbst gemacht und auch einen kleinen Kohleofen installiert. Denn wir wollten eigentlich das ganze Jahr unterwegs sein.

Die Konten waren geplündert der Lkw eingerichtet die Hunde gechipt und geimpft. Nichts stand uns mehr im weg. Wir machten einen auf Aussteiger. Die ersten Tage waren echt entspannend. Wir waren gut drauf und hatten Vorfreude im Gepäck. Wohin wir fuhren hatten wir im Vorfeld nicht festgelegt. Wir wollten uns treiben lassen. Die Hunde waren absolut perfekte Reisegefährten. Sie bellten wenn einer an dem LKW kratzte und waren ruhig, wenn es nötig war. Perfekt. Besser als zu Hause.

Wir starteten im Sommer. Also konnten wir auch gemütlich unsere Ziel in den Norden verlegen. Eventuell über Dänemark, Schweden, Norwegen, Finland nach Russland. Das sollte unsere erste Strecke werden.

Es war Wahnsinn. Noch nie war Fahren so intensiv. Wir fuhren und lebten in dem LKW. Keiner hetzte uns und wir genossen diese Zeit. Landschaftlich war es einfach unbeschreiblich. Wie sich sie Vegetation änderte selbst innerhalb Deutschlands. Einfach toll. Als wir die Grenze zu Dänemark überquerten waren wir schon ca. drei Tage unterwegs. Wir hatten also unseren umgebauten 7,5er schon richtig testen können und ich glaube ich habe noch nie so gut geschlafen. Sicher durch die Hunde und gemütlich war unser Bett. Wir hatten immer mal paar Hotspots angefahren um Internet zu haben. Es war einfach perfekt.

Wir fuhren dann durch Dänemark und schauten uns einige Sehenswürdigkeiten an. Ebenso hielten wir es in Schweden, Norwegen und Finland. Es war einfach ein berauschendes Gefühl von Freiheit. Von Finland wollten wir dann rüber nach Russland. Und dies ging auch ohne Probleme. Natürlich waren auch die Sehenswürdigkeiten geplant.

Als erstes verschlug es uns nach Sankt Petersburg. Da haben wir uns die berühmten Sehenswürdigkeiten angeschaut, sind schön flaniert und haben gut gegessen. Aber wir wollten nicht in der Stadt schlafen. Gegen Nachmittag setzten wir uns wieder in unseren LKW und fuhren weiter.

Etwa 180 KM südöstlichlich von St Petersburg kamen wir an einen malerischen, richtig dichten Wald. Laut Navi befanden wir uns in der Nähe von Nowgorod. Das hatten wir für den nächsten Tag geplant. Jetzt wollten wir uns erst ein mal gemütlich niederlassen, etwas essen und dann mal sehen. Da der Tag sehr anstrengend und lang war, dachte ich, wir würden noch etwas lesen und dann dabei einschlafen.

So war es dann auch. Bis. Ich weiss nicht was mich weckte. Aber es fühlte sich auf einmal sehr kühl an. Das Außenthermometer zeigte 5°C an. Die normale Temperatur sollte zu dieser Jahreszeit eher 10°C betragen. Aber warum sollten die Russen von diesem Klimachaos verschont bleiben. Zum Glück hatten wir den Holzofen und ich feuerte ihn an. Mein Mann drehte sich paarmal und murmelte etwas aber er schlief weiter. Ich kuschelte mich wieder ins Bett. Keine Stunde später. Der Wecker zeigte 23:30 an, wurden die Hunde unruhig. Ja gut. Im Wald sind halt Wildtiere. Und hier ja noch mehr als bei uns. Gibt es in Russland Bären? Ja bestimmt, aber nicht so nah an der Stadt, hoffte ich. Dieses mal war es mir echt zu unheimlich. Der Ofen bollerte noch und es war trotzdem kühl. Wie kalt müsste es denn sein wenn der Ofen es nicht schaffte den Raum zu wärmen.

Mir stellten sich die Härchen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass wir in diesem Wald nicht mehr alleine seien. Aber ich war ein richtiger Schisser. Jaja. Horrorfilme gucken und dann in einer echten Situation den Schwanz einziehen. Das sind die Richtigen. Aber so war es. Ich hielt mich gerade noch zurück – aber nur weil mein Mann schlief – laut Pfeifend auf unsere Couch zu gehen um noch etwas zu lesen.

Das Internet ging hier sogar. Ich war erstaunt. Es war nicht bombastisch, aber ich konnte surfen. Und ich schaute mal unsere geplante Route an. Da stiess ich auf einen Bericht – Mjasnoi Bor – der schrecklichste Wald von Russland. Oh je. Ich wette, der Wald in dem wir uns befanden war dieser Wald – das würde so sicher sein wie das Amen in der Kirche.

Ich war entsetzt und irritiert. Was war das jetzt – wir waren in einem Spukwald gelandet. Na toll. Ich hoffte dass der Bericht nur etwas aufgepuscht wurde. Ich weckte mein Mann. Und erzählte ihm was ich raus gefunden hatte. Und er reagierte sofort. Er öffnete die Tür und schloss sie sofort wieder. Die Hunde winselten. Sie hatten wahnsinnige Angst. Und wenn die beiden mal Angst hatten war es ernst.

Ich kramte also mein gesamtes Wissen über Geister heraus. Und es fühlte sich an – wie nichts. Ich wusste nichts. Geister sind gequälte Seelen. Seelen derer, die einen grausamen Tod erfahren hatte. Oder es einfach nicht wahrhaben wollten, dass sie tot waren. Wir waren in unserem eigenen Horrorfilm gefangen. Mitten in Russland in einem Todeswald.

Ich kramte in den Schubladen. Natürlich hatten wir keine Kreuze dabei. Aber wir hatten genügend kleine Hölzer aus denen ich einige Kreuze bastelte. Und hoffte, dass sie auch wirkten. Wirken Kreuze gegen Geister? Wir wussten es nicht.

Ok. wir mussten in die Fahrer Kabine. Wir mussten weg hier. Wir öffneten die Tür, die Hunde an der Leine, schlichen wir durch den Wald nach vorne. Der Wald war nicht wieder zu erkennen. Er war neblig, düster, gefährlich und überall hörten wir Schüsse, Schreie und andere menschliche Geräusche. Schnell stiegen wir ins Führerhaus und schlossen die Tür. Oh mein Gott. Ich war nass geschwitzt.

Ich wusste nie etwas mit Angstschweis anzufangen. Aber jetzt wusste ich es. Es waren etwa 0°C und ich schwitzte. Mein Mann wollte das Auto starten und – nichts. Oh weh. Wieder ein Horrorfilmklischee. Fehlt nur noch die ausgehenden Taschenlampe. Die würde auch noch kommen.

Wir waren gefangen in dem Führerhäuschen. Und wir betrachteten eine skurile Szene. Es war eine Kampfszene. Es fielen Schüsse. Und es wurden Männer erstochen. Und dann – die Szene stoppte – die Geister sahen zu uns und es war, als wäre die Hölle entfesselt worden.

Die Geister stürmten auf uns zu. Ich hoffte, sie wären nicht so materialisiert um uns zu verletzen. Aber da hatte ich wohl zu früh gehofft. Sie schafften es durch die Türen und Fenster einzudringen. Sie hatten Messer und stachen auf uns ein. Uns blieb nichts anderes übrig als auszusteigen und zu rennen. Die Hunde löste ich von den Leinen und hoffte, sie würden uns finden. Und wir nahmen die Beine in die Hände und rannten. Mit der Taschenlampe, die bestimmt bald ausgehen würde.

Ich weiss nicht wo wir waren. Wo unser Auto war und wo mein Mann war. Ich war auf einmal alleine. Und um mich herum waren ständig die Kampfgeräusche.

Ich hörte Schreie. War das mein Mann? Ich hoffte es ginge ihm gut. Die Hunde würden das schon schaffen. Aber wir auch? Ich war mir nicht sicher. Und dann fühlte ich sie. Ich sah sie noch nicht aber sie waren präsent. Ich fühlte die Kälte auf meiner Haut und ich hatte das Gefühl sie würden durch mich durch gleiten. Dann fingen sie an an mir zu zerren. Die Haare, an den Armen und Kleidern. Auf meinen Armen erschienen blutige Striemen und ich versuchte sie abzuwimmeln. Aber wimmelt mal unsichtbare Gegner ab. Das war ein Kampf gegen Windmühlen. Aber ich schaffte es irgendwie mich zu befreien. Und ich rannte, stürzte, stand auf und rannte.

Ständig die gruseligen Geräusche hinter mir und vor mir Kampfszenen, die aprupt aufhörten, als ich mich näherte. Es war als würden die Geister mein Leben aussaugen wollen um selbst wieder zu leben. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich brach zusammen. Aber ich sah ein Gatter. Dorthin wollte ich mich noch schleppen. Ich spürte sie und sie stachen ständig auf mich ein. Ich wurde immer schwächer. Aber dann hatte ich das Gatter erreicht. Ich konnte mich durch die Streben quetschen.

Als ich mich umsah, merkte ich, dass ich auf einem Friedhof gelandet war. Oh nein. Hoffentlich kämen jetzt keine Zombies aus den Gräbern. Aber selbst wenn – ich hätte mich nicht mehr wehren können. Ich war am Ende. Ich blutete aus unzähligen Schnitten. Und die Schmerzen konnte ich nicht mehr lokalisieren. Aber dieser heilige Ort schien sie abzuhalten. Irgendwann musste ich ohnmächtig geworden sein.

Als ich wieder wach wurde, war es hell und die Geister waren weg. Ich stand auf und versuchte mich zu bewegen. Unter Angstzuständen versuchte ich den Weg zum LKW zu finden. Nach einigen Suchen fand ich ihn tatsächlich. Das hätte ich nie gedacht. Ich öffnete die Tür und liess mich in den Container fallen. Irgendwann hörte ich die Hunde. Sie bellten. Schnell stand ich auf um sie herein zu lassen. Aber sie sahen auch erbärmlich aus. Anscheinend wurden sie ebenfalls von den Geistern attakiert. Die armen waren so verängstigt. Sie verkrochen sich sofort unter das Bett.

Ich hoffte mein Mann würde auch noch auftauchen und ich betete darum. Ich betete um sein Leben. Nach einiger Zeit fingen die Hunde an zu fiepsen. Ich war sofort auf Hab-Acht. Ich wollte nicht öffnen. Aber es könnte ja mein Mann sein. Also sammelte ich meinen restlichen Mut und öffnete.

Da stand er. Verdreckt, blutend und furchtbar zerschrammt. Aber er war da. Ich schloss ihn in die Arme und wir verkrochen uns nach innen. Wir leckten unsere Wunden. Erstmal duschten wir und verarzteten uns. Die Schnitte sahen böse aus und waren auch verdammt tief. Aber wir waren so kaputt, dass sie nicht mal weh taten. Das würde bestimmt noch kommen wenn wir wieder von dem bösen Trip herunter kommen würden.

Schnell stiegen wir in das Führerhaus und fuhren aus dem Wald heraus. Uns war erstmal die Lust an der Weltreise vergangen. Wir wollten nur heim. Also suchten wir die schnellste Route nach Hause. Der kürzeste Weg führte jetzt hier durch Polen. Wir fuhren wir betäubt. Und irgendwann kamen wir an die Deutsche Grenze. Aber wir konnten dieses Land nicht verlassen. Denn vor uns war nur Wasser. Und ein Schild wies darauf hin, dass abbrechende Steilufer das Betreten zu einer Gefahr werden ließen.

Wir waren gefangen und es wurde dunkel. Und als es dunkel wurden sah ich das Ufer durch meinen Mann scheinen. Die Hunde schimmerten auch nur noch und ich konnte durch meine Hände durchsehen. Die Welt der Lebenden war uns verschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

#Ideenbild im Oktober 2016 – Die verschollene Prinzessin

Das Projekt #Ideenbild wird von Lexy durchgeführt. Hier wird monatlich ein Bild gezeigt und damit die Kreativität angekurbelt. Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Mitmachen wenn was einfällt.

 

Der schönste Tag im Leben einer Frau. Die Hochzeit. Ich plante meine Hochzeit schon als Kind. Mein Freund aus Kindheitsttagen musste immer herhalten. Ich wollte immer Mutter-Vater-Kind und Heiraten spielen. Ich weiss nicht warum er immer so brav mitgespielt hat. Das muss schon sehr nervig für ihn gewesen sein. Auch mit den Barbies wurden immer schöne Hochzeiten geprobt. Romantische Komödien waren meine Bibel. Ich wollte unbedingt eine schöne Hochzeit in Weiß haben. Also habe ich angefangen ein Hochzeitsalbum zu kreieren. Ich habe Brautzeitschriften gefleddert und Kataloge schamlos zerschnitten. In meinem Buch fand man die schönsten Dekorationen und tollsten Hochzeitsfrisuren. Aber das Kleid – das habe ich lange lange gesucht.

Dann habe ich es gefunden. Ich mag diesen altmodischen Stil. Es war ein Traum. Ein einfaches Kleid und der Überwurf aus Spitze – eine Schleppe wollte ich nicht – das Kleid hatte Ärmel die wirkten wie feine Spinnweben genau wie der traumhafte Schleier.

Wo habe ich es gefunden – ihr werdet es nicht glauben. In einem Second Hand Laden. Ihr werdet bestimmt sagen – ein gebrauchtes Kleid – neee. Aber das war mir egal. Ich bin in den Laden gegangen und es war als würde alles ausgeblendet – nur dieses Kleid leuchtete in einem perfektem Weiß für mich. Ich konnte nicht anders – ich musste es haben. Ich weiß nicht was passiert ist und wie – ich war zu Hause und das Kleid hing an meinem Schrank – Ich kann mich nicht erinnern es an mich genommen, bezahlt zu haben und nach Hause gegangen zu sein. Ich habe hier einen totalen Filmriss. Aber das war mir egal – ich hatte DAS Kleid.

Ich untersuchte es genau und fand einen kleinen Makel am inneren Saum. Ein kleiner Fleck – Eine eigenartige Form hatte er – wie ein Stern – sehr komisch. Aber es interessierte mich nicht – denn er war innen und der Schönheit dem Kleides tat es keinen Abbruch. So – ich war bereit. Ein Mann musste her. Aber da ich noch keinen potenziellen Kandidaten hatte, arbeitete ich weiter an meinem Hochzeitsalbum  – mein Almanach. Ich besuchte Konditoren um Kuchen zu testen – ein Wunder dass ich nicht zunahm. Caterer und Floristen. Ich suchte mir einen ganz tollen Strauss aus. Ein Strauss mit weißen Rosen und schönen Vergissmeinnicht. Ach der passte so gut zu meinem Kleid.

Dann noch die Kirche. Ich fand eine kleine unscheinbare Kirche tief in den Bergen. Sie war fast ein bisschen unheimlich. Aber auch malerisch. Der Pfarrer war ein sympathischer Mann – er wirkte schon uralt. Richtig Alt. So alt wie die Kirche. Aber er sagte mir zu mich jeder Zeit zu trauen. Er meinte, es würde nicht lange dauern. Er hätte es im Gefühl. So – jetzt war alles perfekt. Ich musste also nur noch Leben und warten.

Eines Tages – ich sass gerade in einem Bistro und frühstückte – da kam er – ER. Ich bemerkte seine Anwesenheit körperlich. Ich wunderte mich über das eigenartige Gefühl und schaute hoch. Er schien ebenfalls etwas irritiert und schaute sich suchend um. Unsere Blicke trafen sich – es war verzaubernd. Wie bei dem Kleid – alles andere verschwand aus meinem Blickwinkel – nur er. Er war scharf gezeichnet.

Er kam zu mir und fragte mich. Er fragte mich warum er sich so eigenartig fühlen würde wenn wir uns ansahen. Ich konnte diese Frage ja leider nicht beantworten. Mir ging es ja genauso. Er setzte sich und besiegelte damit unser Schicksal. Es war wie diese Jing und Jang Geschichte der zwei Seelen, die immer auf der Suche nach einander waren. Wir waren komplett. Eine Einheit.

Das Leben war – wie kann ich es beschreiben – verzaubert. Ich fühlte mich, als wäre ich in einer anderen Dimension. Es gab nur uns und unser Glück. Keinen Monat später konnte ich mein Hochzeitsalbum aktivieren. Und einen weiteren Monat war alles klar. Der Termin stand fest. der 13. Aber ich war nicht abergläubig – wenn dann sah ich in diesem Datum ein Omen. Eine Hochzeit an einem angeblichen Unglückstag. Ach – das muss ein gutes Zeichen sein, denn alles war perfekt. Warum also sollte genau dieser Tag alles verderben, was sich so toll anfühlte?

Endlich konnte ich mein Kleid anziehen – das habe ich bis dahin nicht gemacht – denn das – ihr Lieben bringt nämlich Unglück – Ich zog es an und es schmiegte sich an meine Haut wie für mich gemacht. Es legte sich auf mich wie eine Erinnerung aus vergangenen Tagen.

Wie es die Tradition wollte, sollte mein Bräutigam mich erst am Altar sehen. Der Pfarrer war wieder sehr nett – überaus nett. Als er mich in dem Hinterzimmer in Empfang nahm, viel ein eigenartiger Schatten auf sein Gesicht. Ich habe es aber nicht richtig wahr genommen und hätte eh nichts schlimmes gedacht. Es kann nichts schlimmes an MEINEM Tag passieren. Er gab mir noch Instruktionen und dann wurde es komisch. Er sprach in Latein einige Worte. Sein Gesicht veränderte sich schon wieder. Mir wurde ganz komisch. Ich fühlte mich eingeengt und wollte ihn von mir stoßen. Und verlor das Bewusstsein.

Als ich wieder wach wurde, wusste ich nicht wo ich war. Alles um mich herum war rot. Ich lag auf einem Tisch – nein einem Altar – Was war das? Was sollte das? Es war mein Hochzeitstag. Das durfte nicht an MEINEM Tag passieren. Wo war mein Bräutigam? Um mich herum hörte ich nur Gemurmel und sah nur lauter schemenhafte Gestalten in dunkel roten Roben. Mir wurde abwechselnd warm und kalt – mir war schwindelig – ich glaube ich verlor öfter das Bewusstsein.

Irgendwann wurde ich wach und befand mich in dem Hinterzimmer der Kirche. Ich lag auf dem Sofa und der Pfarrer hatte mir ein kühles Tuch in den Nacken gelegt. Ich fragte ihn was denn passiert sei. Er meinte nur, ich wäre in Ohnmacht gefallen. Ich verstand nichts. War das alles nur ein Traum in meiner Ohnmacht gewesen? Oder hatte ich das wirklich erlebt? Aber es war MEIN Tag. Ich wollte alles vergessen und meiner Bestimmung entgegen gehen. Ich wollte endlich heiraten. Ich hatte alles dafür. Einen Traummann, einen tollen Strauss und ein Traum von einem Kleid. Ein Kleid mit einem kleinen Makel eines Sternes im Innensaum. Ein Stern? Oder? Als ich in das Kirchenschiff trat, war wieder alles perfekt. Die Musik, die Gäste alles freundlich und hell geschmückt. Wer waren all die Leute? Soviel kenne ich gar nicht. Eigentlich hatte ich gar nicht geladen. Es war MEIN Tag, den ich nicht mit irgendwelchen heuchlerischen Verwandten erleben wollte. Was waren das für Leute hier? Vielleicht die Dorfbewohner? Das war hier vielleicht so üblich. Da lag ich gar nicht so falsch. Denn meine Hochzeit war etwas besonderes.

Als ich an den Altar trat, wurde das übliche Prozedure abgehalten und als mein Mann mich küssen durfte wurde mir schwindelig. Natürlich ein Kuss wahrer Liebe. Aber ich verstand nicht. Die Gäste applaudierten und ich sah zu meinem Mann hoch…warum hoch? Wir waren gleich groß. Was war passiert. Ich drehte mich um und dabei erhaschte ich einen Blick auf etwas was sich hinter mir bewegte. Ein Schwanz? Ich hatte einen Schwanz. ICH HATTE EINEN SCHWANZ? Ich schaute an mir hinunter. Mein Traumkleid lag auf dem Boden wie ein Kranz um mich herum. Ich konnte den kleinen Makel sehen. Ein Makel wie ein Stern. Aber jetzt aus dieser Perspektive – die Perspektive einer Katze konnte ich die Feinheiten des Sternes erkennen. Er hatte fünf Zacken. Er war ein Pentagram. Ein Pentagram. Und ich viel wieder in Ohnmacht.

Eine Katze die in Ohnmacht fällt. Aber in dieser Ohnmacht kam die Erklärung. Das Kleid hatte mich erwählt. Ich sollte das neue Oberhaupt – die Königin des Katzenclans werden. In mir schlummerte eine alte Seele. Eine Seele einer veschollenen Prinzessin. Nie jemand wusste was aus mir geworden war. Ich verschwand vor Hunderten von Jahren. Und jetzt bin ich wieder da. Mein Schicksal führte mich zu dem Kleid, zu der Dorfkirche und zu meinem Mann. Mein Mann. Mein Traummann. Ich schaute mich nach ihm um. Und da sass er. Ein prachtvoller Kater in Schwarz mit einer goldenen Locke auf der Stirn, die wie eine Krone wirkte. Unser Schicksal hat uns gefunden. Es hat mir meine Traumhochzeit beschert und meinen Traummann. Ein neues und aufregendes Leben lag vor mir. Vor mir und meinem Volk…