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Lehmann, Marion – M.E.L. – Hoch und Runter – Mein Junge aus Costa Rica

Lehmann, Marion – MEL – Hoch und Runter – Mein Junge aus Costa Rica-Reziexemplar

Vielen Dank an Marion für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

Autor: Lehmann, Marion
Titel: MEL – Hoch und Runter – Mein Junge aus Costa Rica
Verlag: tredition
Erscheinungsdatum: 16. Dezember 2021
Seitenanzahl Printbuch: 464 Seiten
Genre: Autobiografie
Zeitraum: 25.05.22-07.06.22
Band einer Reihe: Nein
ASIN: B09KS1CMWY
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Klappentext

Marion Lehmann erzählt in zwei Zeitebenen eine spannende und tief berührende Geschichte über Abenteuer, Adoption und Abschiednehmen. Der erste Teil taucht ein in ihre Kindheit, in ein enges, schwäbisches Elternhaus, mit Geheimnissen und Verbündeten, von dem sie sich mit 21 Jahren verabschiedet. Zwei Jahre lebt sie in den USA, bis sie in der polynesischen Südsee ihre Leidenschaft für das Segeln entdeckt und auf dem Katamaran Shangri La anheuert. Das Leben auf dem Wasser wird ihr Zuhause, mit und in der Natur. Einige Jahre später setzt sie das Leben mit ihrem Mann auf einer Stahlsegelyacht fort. Beengt und mit vielen Entbehrungen bestehen sie fünf Jahre lang in der Karibik und auf den Bahamas wilde Segelabenteuer. Bei allen Widrigkeiten: eine Glücksgeschichte. Im zweiten Teil erzählt sie von ihrer Entscheidung, das Leben auf dem Schiff zu beenden, auf Costa Rica das nicaraguanische Flüchtlingskind Manuel zu adoptieren und nach Europa zurück zu kehren. Der Junge entpuppt sich als eine schillernde Persönlichkeit bis er mit seinem riskanten Lebensstil viel zu früh ein tragisches Ende findet. »M.E.L hoch und runter« erzählt vom Auf und Ab ihres Sohnes, der seinem Schicksal treu blieb, der das Schicksal seiner Mutter durchflog und sie auffordert, auch ihrem treu zu bleiben.

Meine Meinung 

Ein sehr emotionales Buch. Selbst, obwohl ich wusste, dass Manuel´s Leben zu früh endet, war ich betroffen, als es dann soweit war.

Am Anfang war ich sehr euphorisch und fand das Leben, das sich Marion ausgesucht hat so spannend. Ich hab mich ein Stück in ihr wieder erkannt. Nur mir hat immer der Mut gefehlt es umzusetzen.

Das Buch beginnt mit ihrer Kindheit. Und da gab es schon einiges, das man wieder erkannt hat. Wie wir als Kinder gespielt haben und was wichtig war. Das Verhältnis zu ihrer Mutter war gemischt. Aber so, denke ich, war es damals zwischen heranwachsenden Töchtern und deren Mütter. Meine hatte es auch nicht leicht mit mir. Marion ist ein unruhiger Geist. Sie ist mutig, Angst scheint ein Fremdwort für sie zu sein. Sie trifft soviel interessante Menschen und das Leben steht ihr offen. Sie ist frei und ungebunden. Das war sehr schön zu lesen. Selbst wenn ich immer wieder dachte – Wow…die hat Mut. Toll fand ich auch den Gedanken, warum sie überhaupt ein Kind adoptieren und nicht selbst bekommen wollte. Sie wollte die Überbevölkerung nicht noch zusätzlich vorantreiben und lieber einem Kind das schon da war ein schönes und sicheres Leben bieten. Finde ich eine tolle Einstellung. Ihr Lebensgefährte und späterer Ehemann, Horst, ist sofort dabei. Und nachdem beide lange zusammen gesegelt sind und das Leben haben treiben lassen, kommt es zu der Adoption.

Ihr bisheriges Leben ist jetzt vorbei. Mit einem Kind ist das „Herumvagabundieren“ vorbei. Es wird Zeit sesshaft zu werden. Manuel ist ein charmantes Kind. Er wickelt jeden um seinen Finger und ist als Kleinkind schon nicht ängstlich. Er hat einen sturen Willen und versucht ihn durchzusetzen. Als Teenager wird das nicht besser. Die pubertäre Rebellion ist bei ihm sehr stark ausgeprägt. Marion und Horst gehen oft an ihre Grenzen. Zwischenzeitlich zieht die Familie mehrfach um und erschaffen sich jedes mal wieder neu. Marion hatte während ihrer Reisen gelernt Persenning (Die Persenning ist ein Begriff aus der Seemannssprache für ein imprägniertes Gewebe sowie für wasserfeste Abdeckungen und Schutzbezüge – Wikipedia) zu nähen. Dies wird ihr Hauptstandbein zusätzlich später Navigationsgeräte und anderes.

Ich hatte das Gefühl, trotzdem Marion und Horst sich bewusst für Manuel entschieden haben und er ihr ein und alles war, haben sie sich sehr eingeengt gefühlt. Jeden Urlaub und jede sonstige freie Zeit sind sie gereist. Aber immer mit dem Fuss auf dem Festland gebunden. Irgendwie hat dies auch die Stimmung im Buch beeinflusst. Während ich die freie Marion bewundert habe, habe ich die „gebundene“ Marion bisschen bedauert. Sie hatte zwar ihr Liebstes bei sich, aber ein Stück war immer wo anders. Ich konnte es herauslesen. Das Leben, das am Anfang so frei schien, wurde ein bisschen schwerer. Der rebellische Sohn hat seins getan. Aber wie es bei Kindern so ist. Wenn sie ihre Pubertät hinter sich haben, fangen sie sich. Bedingt. Noch sind sie ja Jung.

Dieses Buch war ein Wechselbad der Gefühle. Ich bin mit gesegelt (obwohl das echt überhaupt nicht mein Ding ist) und hab die Freiheit von Marion mit genossen. Aber ich habe auch das kleine Gefängnis gespürt, als sie die Realität eingeholt hat. Die vielen Umzüge waren wie ein kleines Ausbrechen und wieder Leben.

Schreibstil: Sehr angenehmer Stil. Manchmal bisschen verwinkelt, aber trotzdem gut zu lesen. Es gab nicht viel Segelfachausdrücke. Somit ist es für jeden gut zu lesen.

Charaktere: Huh – die Charaktere sind nicht einfach. Natürlich war Marion als Erzählerin die intensivste Person. Mit Manuel war es bisschen schwierig warm zu werden, obwohl man ja selbst mal Teenie war und genug rebellisch. Aber er schien schon sehr sympathisch. Horst blieb sehr oberflächlich. Am Ende findet er auch keinen Abschluss in der Geschichte. Auch in der Danksagung wird er nicht mehr erwähnt.

Atmosphäre: Hier ist viel Emotion im Spiel. Freiheit, Sorge, Trauer.

Originalität: Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, wie würde meine Biografie aussehen? Tatsächlich war ich überrascht, dass ich es so interessant fand. Während mich Auto-Biografien sogenannter Persönlichkeiten überhaupt nicht interessieren, war das hier echt spannend zu lesen.

Fazit

Ein wirklich sehr aufreibendes Leben. Ich war überrascht wie schnell mich Marions Leben gefesselt hat. Und es war auch sehr gut geschrieben, da ich wirklich gefühlt habe, wann die Freiheit gegen Erwartungen und Regeln eingetauscht wurde Und wie unruhig Marions Leben auf dem Festland war. Es war fachlich nicht zu überladen und man kam gut mit. Ich war sehr beeindruckt von Marions Mut, ihr Leben so in die Hand zu nehmen und einfach zu leben. Nicht nur für Segelfans geeignet.

4,5/5

Autor:

Lesen ist meine Passion. Ich lese langsam, aber immer. Meine Beziehung und meine Familie sind mir wichtig. Ich liebe meine Tiere über alles. Sie sind es, die mir zeigen, wie einfach doch das Leben sein könnte. Ich warte. Warte auf ein Zeichen.

2 Kommentare zu „Lehmann, Marion – M.E.L. – Hoch und Runter – Mein Junge aus Costa Rica

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