Krell, Stefan – Ratten in der Stadt

Im Vordergrund standen meine eigenen Probleme: die nächste Nacht, die nächste Mahlzeit, die nächsten zwei Jahre…

Krell, Stefan – Ratten in der Stadt

Autor: Krell, Stefan
Titel: Ratten in der Stadt
Verlag: Selfpublishing
Erscheinungsdatum: 01.05..2020
Seitenanzahl Printbuch: 416 Seiten
Genre: Tierhorror, Horror
Zeitraum: 18.08.20-25.08.20
Band einer Reihe: Nein
ISBN/ASIN: B086JFMBR3
Bereits gelesene Bücher der Autoren: Band 1-3 Urlaub in der Apokalypse

Klappentext

Zuhause ist es nicht sicher, denn dort wohnt ein Monster…

Seit zwei Jahren lebt Mamas neuer Freund bei uns. Er schlägt mich bei jeder Gelegenheit. Schon der Gedanke, ihm zu begegnen, löst Panik aus. In der Wohnung zu schlafen, grenzt an Russisch Roulette, also verbringe ich die Nächte in einem Schacht hinter dem Neubaugebiet – mit Schlafsack und Isomatte.
Heute Nacht jedoch stimmt etwas nicht. Mein Hund knurrt und bellt in einer Tour. Das macht er sonst nie. Ich schalte die Taschenlampe ein. Der kalte Strahl fräst sich tief in den finsteren Tunnel. Einen Moment lang hätte ich schwören können, ganz weit hinten seltsame Bewegungen gesehen zu haben. Einbildung! Ich schalte die Lampe wieder aus. Der Hund zittert am ganzen Körper und bellt erneut…

Willkommen bei „Ratten in der Stadt“ – nach diesem Horrortrip sehen Sie Mülltonnen und Kanaldeckel mit anderen Augen!

Meine Meinung

Ich bin ein Fan von Stefan Krells Urlaub in der Apokalypse Büchern. Vorallem mag ich daran, dass sie realistisch sind. So wie ein normaler Mensch mit einer solchen Katastrophe umgehen würde. Ein bisschen spiegelt sich das auch hier wider. Man würde nicht von einem 16 jährigen erwarten, dass er die Rattenschwemme selbst bekämpfen würde. Das ist auch nicht das Problem, warum mich dieses Buch nicht überzeugen konnte. Es ging hier weniger um die Rattenschwemme, als um das Problem das Kenny mit seinem Stiefvater und dem daraus resultierenden Leben hat. Natürlich hat Stefan hier ein wichtiges Thema angeschnitten. Eine Plattenbausiedlung mit dem entsprechenden Klientel. Wobei Jochen (Stiefvater) nach Aussen hin noch versucht den Schein zu wahren in dem er einer geregelten Arbeit nachgeht und darauf achtet, während der Schulzeit nicht ins Gesicht zu schlagen. Auch dass die Mutter immer wieder zurück zu dem Schläger geht. Alles bekannte Dinge, die nicht missachtet werden dürfen. Ich finde diesen Part hat Stefan auch sehr gut herausgearbeitet. Die Probleme, die ein Jugendlicher auf der Strasse hat. Den Schein wahren vor den Freunden, kein Geld für unnütze Dinge wie ein Smartphone. Oder auch ein Bahnticket. Wo man doch eher überlegt für das Geld eines Tickets Essen zu holen. Aber auch die Ängste, sollte Kenny bei etwas erwischt werden, das Jochen aufregen würde. Die Hölle, die ihn erwarten würde. Und das ist das Problem, das ich mit diesem Buch hatte. Denn diese Situation wurde ständig wiederholt. Der Schläger Jochen, wie sehr Kenny Angst vor ihm hat und ihn hasst. Trotzdem die Welt um ihn im Chaos versinkt und er vielleicht jederzeit getötet werden könnte, hatte er immer noch mehr Angst davor, was Jochen machen würde, wenn er ihn in die Finger bekäme.  Dies nahm der Geschichte leider ziemlich die Spannung. Und ich hätte fast abgebrochen. Die Rattenproblematik wurde zwar gut aufgeklärt, aber die Konfrontation damit spielte zu sehr im Hintergrund. Erst zum Ende hin, als Kenny kein Ausweg mehr blieb, als sich direkt auseinander zu setzen wurde es ziemlich spannend.

Schreibstil: Stefan Krell hat einen tollen Schreibstil. Nicht verschnörkelt, oder verschachtelt. Es ist als würde man es direkt von ihm erzählt bekommen.

Figuren: Die Charaktere wurden sehr gut herausgearbeitet. Man fieberte mit Kenny und hatte auch viel Mitgefühl mit ihm.

Atmosphäre und Spannung: Die kam mir hier leider ein bisschen zu kurz. Es wurde etwas zu langatmig zwischen den spannenden Passagen.

Originalität: Irgendwie hätte die Geschichte schon Originalität haben können. Ratten sind ein bekanntes Problem und jeder hat schon ziemlich Respekt vor ihnen. Deswegen ist so ein Angriff schon was sehr gruseliges und persönliches.

Fazit
Leider konnte mich dieses Buch nicht so wirklich für sich gewinnen. Die Ratten hatten hier eher eine untergeordnete Rolle. Dominierend waren die persönlichen. wohlgemerkt, schweren Probleme des 16 jährigen Kenny, So ist immer wieder die Spannung auf der Stecke geblieben. Trotz tollem Schreibstil, konnte es mich nicht fesseln.

3 von 5

5 Kommentare zu “Krell, Stefan – Ratten in der Stadt

  1. okay, auch wenn Du nicht so begeistert warst, könnte ich mir das Buch trotzdem für mich vorstellen, ich MAG diese Thematik – wenn jemand vor jemandem Angst hat, was er dann durchleidet etc, wenn ich das vorher weiss, dass ich das da bekomme und zb nicht eine gruselige Story rund zum Thema Ratten dann kann man damit auch anders umgehen. Ich werde es trotzdem mal versuchen – nicht heute und nicht morgen aber ich notier es mir trotzdem mal.

    Lieben Dank für die Rezi
    LG Tanja

    Gefällt 1 Person

    • Auf jeden Fall – es ist auch gut geschrieben – manchmal nervt es halt, dass er diese Situation des Jungen ständig wiederholt. Wie du schon sagst – wenn man weiss, was im Vordergrund steht, ist die Erwartung anders. Gerade die Konflikte, die der Junge hat, sind recht gut geschildert.
      Ist ja auch ein Unlimited da kannst du ja, wenn es passt.

      Liebe Grüsse

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  2. Da warst Du dann ja doch jetzt schnell durch und dann auch direkt die Rezi. :-) Schade, dass es Dich dann doch nicht so einfangen konnte. Ich denke auch, dass das Thema einiges an Stoff hergeben könnte.

    LG Babsi

    Gefällt 1 Person

    • Hab gerade Urlaub – da nutze ich es gleich zu rezensieren und noch paar Leichen aufzuarbeiten. 😉
      Sein Schreibstil ist schon gut – deswegen war es gut zu lesen. Aber leider nicht das was ich erwartet habe. Beide Themen können einiges hergeben.
      Die Probleme des Jungen mit dem Schläger sind schon gut beschrieben – aber passen halt nicht so ganz in diese Horrorstory – jedenfalls nicht so ausgiebig. Zu oft wird es wieder hoch geholt, obwohl es im Moment vielleicht andere Probleme des Jungen gäbe, die wichtiger wären.

      LG

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Zurückgeschaut auf August 2020 | Ich lese

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