#WritingFriday Special im Dezember! Adventskalender

Schon das ganze Jahr durften wir uns Freitags bei Elizzy´s Writing Friday austoben. Viele spannende Geschichten durften wir dort lesen und auch schreiben. Ich freue mich, dass wir im nächsten Jahr weiter die Möglichkeit dazu bekommen.

Zu Weihnachten hat Elizzy sich was besonderes einfallen lassen. Einen besonderen Adventskalender. 24 Blogger/innen haben sich bereit erklärt uns mit ihren Geschichten zu verwöhnen. Jeden Tag können wir eine schöne Winter/Weihnachtsgeschichte lesen. Damit ihr den Faden nicht verliert und auch keine Geschichte verpasst bekommt ihr noch den Link vor und nach meiner Geschichte. Also schaut bei Buchperlenblog für gestern und morgen bei Bücherfieber vorbei.


Edgar war sechs Jahre alt. Seit Wochen war er schon aufgeregt. Weihnachten steht vor der Tür, sagte seine Mutter immer und wirkte leicht gehetzt. Er konnte es sehen. Auf dem Kalender war es schon markiert. Der 24. Dezember. Er war dieses Jahr sehr brav gewesen. Hat sein Zimmer fast immer aufgeräumt und seinem Vater dabei geholfen, das Laub zu harken. Seiner Mutter hatte er beim Spülen geholfen. Dieses Jahr war er in die Schule gekommen. Das war sehr aufregend. Er hatte viele neue Freunde kennen gelernt. Aber am liebsten war er mit Willi zusammen. Sein bester Freund. Sie hatten dieses Jahr viele Abenteuer erlebt.

Willi lebte auf der anderen Seite der Bahnschiene. Sein Vater sagte immer, das sei das Armenviertel. Damit konnte Eddie nicht viel anfangen. Willie hatte Eddie allerdings noch nie zu sich nach Hause mitgenommen. Seine Eltern seien immer viel zu beschäftigt. Es sei nicht aufgeräumt, oder seine kleine Schwester sei krank. Er hatte immer eine Ausrede, aber das sah Eddie nicht so eng. Sie waren sowieso immer draußen. Egal bei welchem Wetter. Nichts konnte sie stoppen.

Die Nachbarn verdrehten schon die Augen, wenn die beiden Jungs an ihren Häusern vorbei rannten. Sie hatten Schwerter aus Ästen und kämpfen. Spielten Robin Hood und die Musketiere. Willie aß dann oft bei ihnen. Manchmal durfte er auch bei ihm schlafen. Das war dann ganz besonders aufregend. Sie erzählten sich dann immer gruselige Geschichten, oder hörten sich spannende Hörspiele an. Für Eddie fühlte es sich an, als habe er einen Bruder.

Er liebte diese Zeit einfach. Seine Mutter fing immer am ersten Advent an zu schmücken und er half immer fleißig. Dieses Jahr half auch Willie. „Mami?“ „Ja?“ „Darf Willie dieses Weihnachten bei uns bleiben?“ „Aber Eddie, Weihnachten ist das Fest der Familie. Willie will bestimmt mit seiner Familie feiern?“ „Ach bitte.“ „Wir werden sehen. Aber ich glaube eher nicht. Vielleicht willst du am ersten oder zweiten Feiertag vorbei kommen?“ Fragte sie Willie. Er zuckte nur schüchtern mit den Schultern. Seine Mutter blickte traurig in Willies Richtung. Sie ahnte wohl schon, dass bei Willie Weihnachten nicht so intensiv gefeiert werden würde.

„Wie sieht es aus ihr zwei. Wollen wir Plätzchen backen?“ „Oh jaaa.“ Riefen beide Jungs. Sie verbrachten lustige Stunden und waren nach dem Backen total müde. „Ich muss jetzt gehen. Meine kleine Schwester wartet schon auf mich.“ „Hier, nimm diese Plätzchen mit, du hast sie schließlich auch gebacken. Lasst sie euch schmecken.“ Sagte Eddies Mutter. „Danke schön Frau Winter.“

Im Flur zog Willie seine verschlissene Jacke an und seinen gestopften Schal. Die Sohle seiner Schuhe löste sich schon an einigen Stellen. „Eddie?“ „Ja Mami?“ „Sag mal. Hast du nicht paar Kleidungsstücke, die dir nicht mehr passen und die Willie vielleicht mitnehmen kann?“ Er blickte seine Mutter an. „Ja klar – komm ich zeige sie dir.“ „Aber ich muss gehen, sonst komme ich zu spät nach Hause.“ „Weißt du was Willie, Eddie packt sie dir ein und wir bringen sie dir morgen vorbei. Ist das Okay?“ „Ich weiß nicht. Vielleicht.“ „Gut, dann machen wir das. Wir kommen morgen mit den Kleidungsstücken und noch paar Plätzchen.“ „Okay?“ Sagte Willie zaghaft und stapfte in den Schnee hinaus.

„Warst du schon mal bei Willie?“ „Nein, es hat nie gepasst.“ „Hör zu, Willies Familie ist sehr arm. Also benimm dich morgen, ja?“ „Arm? Was bedeutet das?“ „Er hat nicht viel. Seine Kleider sind schon sehr kaputt und viel zu dünn für dieses Wetter. Er wird wenig Spielzeug haben, und vielleicht wird es sehr kalt bei ihm zu Hause sein. Aber bitte, sprich ihn nicht darauf an. Es wird ihm peinlich sein.“ „Okay. Ich verstehe es zwar nicht, weil er mir doch alles sagen kann. Aber wenn du das so sagst.“ „Glaub mir, das wird ihm Recht sein. Und jetzt gehe hoch und such die Kleider heraus, die du nicht mehr trägst.“ Eddie rannte schnell nach oben. Er freute sich, dass er seinem Freund helfen konnte. Selbst wenn er nicht alles verstand, was ihm seine Mutter versucht hatte zu erklären.

Am nächsten Tag, es war ein Samstag und Eddies Mutter hatte noch schnell paar Lebkuchen gebacken, machten sie sich auf den Weg zu Willies Haus. Sie hatten die Kleider verpackt und auf einen Schlitten gespannt. Dann könnten Eddie und Willie danach noch zum Schlittenfahren gehen. Gemütlich spazierten sie durch die weiße Pracht. Ab und zu blieben sie stehen um sich mit Schneebällen zu bewerfen. Lachend und außer Atem kamen sie bei Willie an. Eddie blieb erschrocken stehen. Das Haus war ziemlich heruntergekommen. Die Fassade war fast Schwarz. Überall blätterte der Putz ab. Die Rollläden hingen schief in den Angeln. Nirgendwo war nur ein bisschen weihnachtliche Dekoration zu sehen. Verunsichert blickte er zu seiner Mutter. Sie drückte ihm aufmuntern die Schulter und schob ihn voran. „Das wird schon.“

Eddie straffte die Schultern. „Willie?“ rief er. Die Tür öffnete sich und ein kleines blondes Mädchen trat heraus. Sie hatte einen verschlissenen Stoffhasen in der Hand und ein viel zu dünnes Kleidchen an. Eddies Mutter zog die Luft ein. Sie ging auf die Kleine zu. „Hallo, ich bin Evelin. Wie heißt du denn?“ Sie schaute vertrauensvoll, mit ihren glasklaren blauen Augen zu der netten Frau auf. „Mara.“ „Das ist ein schöner Name. Ist Willie da?“ Sie nickte. „Er ist in der Küche.“ „Und deine Eltern.“ Sie zuckte nur mit den Schultern. „Dürfen wir rein kommen? Wir haben Lebkuchen und ich hab warme Schokolade dabei.“ Ein strahlen huschte über ihr schmutziges Geschichtchen. Evelin schluckte schwer. Mara nickte heftig. „Oh ja, gerne.“ Dann nahm sie Evelins Hand in ihre und zog sie hinter sich her.

Auch im Inneren machte das Haus einen verstörenden Eindruck. Es war sauber, aber trist. Die Tapeten lösten sich von den Wänden, es war feucht und kalt und roch teilweise modrig. „Willie?“ rief  Eddie. „Wo bist du?“ Rechts führte eine Tür in die Küche. Mara zog immer noch an Evelins Hand. „Komm“, sagte sie. Die Küche war ganz anders, als der Rest des Hauses. Sie wirkte freundlich und hell. Sogar ein paar selbstgebastelte Sterne hingen an den Fenstern. In der Ecke lag eine Matratze. Es schien, dass die Kinder in der Küche schliefen. Evelin erinnerte sich, dass auch früher oft nur die Küchen beheizt wurden und das Familienleben dort stattfand. Das schien auch hier der Fall zu sein. Sie war erleichtert, dass die Kinder nicht in einem eiskalten Haus lebten. Aber es schien keine Erwachsenen zu geben. Sind die Kinder Waisen?  Wo waren die Behörden?

„Willie, Willie, wir haben Besuch.“ Aus einem abgelegenen Raum kam Willie heraus. „Hallo Frau Winter, Eddie. Möchten sie etwas trinken?“ „Lass nur, Willie, ich hab heiße Schokolade und Lebkuchen dabei. Bring nur paar Tassen und Teller, dann werden wir es uns gemütlich machen.“ Willie strahlte und ging schnell gefragtes holen. Eddie half ihm. „Schau mal. Ich hab paar Klamotten, die mir zu klein geworden sind. Wollen wir sie schnell reinholen? Nachher können wir vielleicht Schlitten fahren? Hast du Lust darauf?“ „Ja klar. Aber wir müssen Mara mitnehmen.“ Eddie schaute zur kleinen Schwester. „Ja klar, ich mag sie.“ Willie atmete hörbar erleichtert aus. Sie tranken ihre Schokolade und aßen die leckeren Lebkuchen. Evelin erhob sich und machte sich auf den Heimweg. „Eddie sei bitte gegen sechs zu Hause. Dein Vater kommt dann heim.“ „Ja, Mami.“ Winkte er genervt und schon stampften die drei Kinder durch den Schnee.

Der Weihnachtstag war gekommen. Wie jedes Jahr hatte Eddie es nicht geschafft den Weihnachtsmann zu überraschen. Dieses Mal hatte er sich sogar in den großen Sesseln im Wohnzimmer versteckt. Aber die wohlige Wärme hatte ihn schläfrig gemacht. Als er die Augen aufschlug, lagen viele Geschenke unter dem Baum. Und ein Fahrrad, das hatte er sich so sehr gewünscht. Schnell wickelte er sich aus der Decke heraus und wollte sich auf die Geschenke stürzen. Schon blinzelte seine Mutter um die Ecke. „ÄhÄh. Du weißt wie das läuft, mein Lieber. Such dir ein Geschenk aus, das darfst du öffnen. Dann machen wir Besuche und gehen in die Kirche. Den Rest darfst du dann heute Abend auspacken.“ Schmollend setzte er sich an den Baum und überlegte ganz genau. Dann griff er zu einem kleinen Paket. Er riss das Geschenkpapier herunter und ein Feuerwehrauto lag in seinen Händen. Er war begeistert und ließ es gleich, mit nervenaufreibenden getute, durch das Zimmer fahren.

Nach dem Frühstück packten sie sich warm ein und gingen auf die Besuchsrunde. Es wurden Freunde und Verwandte besucht. „Mami, darf ich schnell mal zu Willie gehen?“ „Ja natürlich. Sei nur später für die Kirche pünktlich.“ Und schon war er weg.

Als er bei Willi ankommt ging er durch die unverschlossene Tür. „Willie, Mara?“ Er hörte ein Schluchzen aus der Küche. Langsam bewegte er sich vorwärts. Er schaute hinein und sah Willie am Tisch sitzen und weinen. Schnell ging er auf ihn zu und fasste ihn an der Schulter. „Was ist passiert?“ „Ich verstehe es gar nicht. Der Weihnachtsmann war nicht da. Ihm müssen die Spielzeuge ausgegangen sein. Wahrscheinlich hat er nicht mehr genug in seiner Werkstatt gehabt. Deswegen ist er gar nicht erst zu uns gekommen.“ Eddie meinte sein Herz müsse brechen. Er hatte seinen Freund noch nie so verzweifelt, fast gebrochen, gesehen. Eine Idee kam ihm.

„Mensch Willie, deswegen bin ich doch hier. Der Weihnachtsmann war bei uns gewesen und hat einen Fehler gemacht. Er dachte du wärst bei uns und hat deine Geschenke bei uns hingelegt. Ich soll dich schnell holen und Mara auch. Damit ihr eure Geschenke auspacken könnt.“ Willi blickte nach oben. Ein Hoffnungsschimmer glimmte in seinen Augen auf. Er zog die Nase hoch und fragte:  „Wirklich?“ „Ja natürlich. Komm zieht euch an, wir gehen jetzt erst in die Kirche, dann gehen wir zu mir und packen die Geschenke aus.“ Willie stand auf und drückte Eddie fest. „Mara, komm wir gehen in die Kirche und dann zu Eddie. Der Weihnachtsmann hat sich in der Adresse geirrt und die Geschenke dort hingelegt.“ Mara kam um die Ecke gerannt, ihr verschlissenes Häschen fest umarmt. Sie wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln und fiel Willie in die Arme. Er streichelte ihr sanft über den Kopf. In Eddies Hals bildete sich ein Kloss, fast weinte er mit ihnen.

Als sie in der Kirche ankamen schaute er nach seinen Eltern. Als er sie sah rannte er schnell zu ihnen. „Mami, Papa. Ich hab Willie und Mara mitgebracht. Sie waren alleine und der Weihnachtsmann hat sie vergessen.“ Er schluchzte. „Glaubt ihr der Weihnachtsmann wäre sehr böse auf mich, wenn ich ihnen meine Geschenke gebe? Sie sind so traurig. Und ich habe ja das Fahrrad. Ich hab ihnen gesagt, der Weihnachtsmann hat sich in der Adresse geirrt und die Geschenke für sie bei uns gelassen.“ Evelin und Andreas blickten sich tief gerührt an. Evelin bückte sich. „Ich glaube du solltest dem Weihnachtsmann einen Brief schreiben und ihm erklären, warum du deine Geschenke weg gibst. Er wird das bestimmt verstehen.“ „Das mache ich, und ich werde ihn auch darum bitten, dass er nächstes Jahr, wenn er merkt es wird zu knapp, meinen Namen einfach ans Ende der Liste setzt damit die anderen Kinder auch die Chance haben etwas zu bekommen.“ Evelin wischte sich ihre Tränen weg und nahm Eddie fest in die Arme. „Mach das mein Schatz. Und bete nur, dann wird auch Gott glücklich sein, dass du deine Geschenke weiter gibst.“

Das grösste Geschenk würden Evelin und Andreas den Kindern beim Abendessen übergeben. Sie hatten alles in die Wege geleitet, das Willie und Mara als Pflegekinder bei ihnen leben durften.

Eddie sass auf der Kirchenbank und betete, als er der Meinung war, leises Glocken klingeln und ein tiefes HoHoHo zu hören.

ENDE


Inspiriert wurde ich zu meiner Geschichte, von einem ganz besonders zu Herzen gehenden Lied.

 

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26 Kommentare zu “#WritingFriday Special im Dezember! Adventskalender

  1. Wie wunderschön, liebe Rina!
    Herzzerreißend. Die armen Kids. Zum Glück nimmt die Familie sie als Pflegekinder auf!
    Ich finde den kleinen Eddie so zucker! Und das er seine Geschenke geteilt hat mit den beiden armen Kindern ist großartig! Das ist für mich der Sinn von Weihnachten :)
    Du hast eine sehr berührenden Geschichte geschrieben, ich musste mir ein kleines Tränchen verdrücken! Super!
    Viele Grüße, Annie

    Gefällt 1 Person

  2. Deine Geschichte ging mir richtig zu Herzen, liebe Rina!
    Sie zeigt, was an Weihnachten wirklich wichtig ist: Mitgefühl, füreinander da sein und eine Familie, die einen liebt. Ich habe jetzt noch Gänsehaut am ganzen Körper <3
    Hab einen schönen Montag!
    Liebste Grüße,
    Ida

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo,
    wow, ich bin wirklich zu Tränen gerührt. Was für eine wundervolle Geschichte. :)
    Eddie ist ein ganz besonderer kleine Junge und das er seine Geschenke teilt. Du hast die Emotionen einfach ganz wunderbar beschrieben und rübergebracht.
    Ich bin einfach sprachlos!
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

  4. Huhu,

    ach, was für eine süße Geschichte. Traurig irgendwie, aber auch süß. So müssten Kinder sein. Was mit den Eltern ist würde mich aber noch interessieren. Eine schöne Idee und sehr besinnlich zu Weihnachten.

    LG Corly

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: #XMASWRITINGCHALLENGE ADVENTSKALENDER TÜRCHEN 11 – Erinnerungen – Ich lese

  6. Liebe Rina,
    ich gebe es nur ungern zu, aber … jetzt sitze ich vor dem Laptop und weine. Weine, weil mich deine Geschichte, weil mich Eddies großes Herz so sehr berührt hat. Du fängst die Bedeutung von Weihnachten so wunderbar ein: Es geht nicht um die Geschenke unter dem Baum. Es geht darum, Freude zu teilen und auch an die Menschen zu denken, mit denen das Leben es nicht so gut gemeint hat.
    Danke für diese tolle Erzählung!
    Liebe Grüße,
    Anna

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