Jacobs, Anne – Tuchvilla Saga 03 – Das Erbe der Tuchvilla

Jacobs, Anne – Tuchvilla Saga 03 – Das Erbe der Tuchvilla

Autor: Jacobs, Anne
Titel: Tuchvilla Saga 03 – Das Erbe der Tuchvilla
Verlag: blanvalet
Erscheinungsdatum: 19. Dezember 2016
Seitenanzahl Printbuch: 673 Seiten
Genre: Historischer Roman
Gelesen als: Ebook
Zeitraum 07.09.17 – 24.09.17
Band einer Reihe: Ja – Tuchvilla Saga
Challenge: Serienkiller Challenge, Buchweltreise Challenge, Find the Cover Challenge

Worum es geht – Der Krieg ist vorbei und die Inflation setzt allen stark zu. Aber der Aufschwung kommt und so langsam erholt sich die Wirtschaft wieder. Marie macht sich mit einem Modeatelier selbständig – das belastet das Familienleben. Eine Ehekrise steht bevor – aber nicht nur wegen der Selbständigkeit. Eine unliebsame Person stört ungemein und ein Familienskandal steht bevor. Und ein Mord geschieht.

Wann: 1920

Wo: Augsburg

Klappentext: Das Schicksal einer Familie in einer bewegten Zeit. Und eine Liebe, die alles überwindet.

Augsburg, 1920. In der Tuchvilla blickt man voller Optimismus in die Zukunft. Paul Melzer ist aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück und übernimmt die Leitung der Tuchfabrik, um der Firma wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Seine Schwester Elisabeth zieht mit einer neuen Liebe wieder im Herrenhaus der Familie ein. Und Pauls junge Frau Marie will sich einen lang gehegten Traum erfüllen: ihr eigenes Modeatelier. Ihre Modelle haben großen Erfolg, doch es kommt immer wieder zu Streitigkeiten mit Paul – bis Marie schließlich die Tuchvilla mit den Kindern verlässt …

Zum Inhalt: (Spoiler) Paul ist wieder da und übernimmt die Führung der Tuchvilla. Von Klippstein ist sein Partner. Um seiner Marie eine Freude zu machen hat er ihr einen Laden gemietet, in dem sie ein kleines Modeatelier zu eröffnen. Sie ist damit so erfolgreich, dass sie immer mehr Zeit dort verbringen muss. Darunter leidet das Familienleben. Deswegen wird eine Kinderfrau eingestellt. Serafina – eine alte Freundin von Elisabeth und eine alte Bewunderin von Paul. Sie ist mittlerweile verwitwet und durch die Inflation verarmt. Ein Schicksal, das viele ereilt hat. Serafina ist absolut ungeeignet als Kinderfrau – sie schikaniert die Kinder. Kitty hat kurzer Hand die Schnauze voll und zieht in die Frauenthorstrasse zu ihrer Schwiegermutter. Kitty ist mittlerweile auch verwitwet und ihre kleine Tochter – Henny – ist wirklich nervig – eine kleine hübsche Puppe der niemand was abschlagen kann – aber auch total anstrengend. Im Gegensatz zu Dodo und Leo – Die Kinder von Marie und Paul.Dodo ist ein Wildfang – sie interessiert sich unheimlich für Maschinen, Flieger und alles mit Motoren. Leo dagegen nicht – er ist Musiker – ein Genie, der alles in Klängen hört. Er ist ein begnadeter Klavierspieler. Sehr zum Missfallen seines Vaters, der Leo gerne der Firma näher bringen will. Auch für Marie wird Serafina unerträglich. Hinzu kommt noch, dass Bilder ihrer verstorbenen Mutter auftauchten – auch Akte. Paul lehnt es ab, dazu zu stehen – das ist der endgültige Bruch  – Marie zieht aus. Aber das belastet sie natürlich stark. Paul hat sich schwer verändert. Nicht mehr der unbekümmerte Junge sondern ein verknasteter Fabrikunternehmer. Steif und verbohrt. Das kostet ihn fast seine Familie. Elizabeth – die arme sitzt in Pommern fest und verzehrt sich nach ihrem Sebastian. Ihr Ehegatte vergnügt sich mittlerweile mit allen anderen Frauen und schwängert eine. Aber auch Lisa hat ihr Glück – einmalig – nicht ohne Folgen – endlich wird sie Schwanger. Nicht nur dass – sie lässt sich auch scheiden. Der erste Skandal in der Tuchvilla – der nächste ist die Ausstellung der Bilder von Maries Mutter. Aber natürlich hat man auch einen Einblick in die Angestellten der Tuchvilla. Hier ist die Hauptperson Auguste und ihre Gärtnerei. Aber am Ende wird alles gut – Ein grosses Happy End für die Familie Melzer.

Die Handlung wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Leo, Auguste, Marie, Paul, Lisa, aus deren Sichten wird alles berichtet. Was ich immer mal wieder interessant geschrieben fand war, dass man manchmal Geschehnisse nur durch Gerüchte der Angestellten erfahren hat. Das fand ich sehr amüsant. So real. Wir befinden uns im Umbruch – die Frau hat immer noch  nichts zu sagen. Sie ist immer noch das Eigentum des Mannes – sie darf kein eigenes Geld verdienen – kein Geschäft alleine aufbauen. Wenn man Alleinstehend und Verwitwet ist, ist das natürlich kein Problem. Mittlerweile darf man sich auch scheiden lassen. Die Mode wird freier. Knöchel werden gezeigt. Frauen fahren Auto. Serafina ist hier der Hasscharakter – sie ist überall präsent. Die Angestellten hassen sie, die Kinder hassen sie. Die einzige, bei der sie ankommt ist die Mutter von Paul. Dort nimmt sie schon fast den Platz einer Familienangehörigen an – nicht einer Angestellten. Erst Lisa weisst sie in ihre Schranken. Bis dahin hat man schon oft genug den Kopf ärgerlich geschüttelt. Auch über Paul kann man oft nur den Kopf schütteln. Er hat sich so verändert. Er ist nicht mehr der liebevolle Ehemann. Er ist stur und hat so kein Blick für seine Kinder. Er unterdrückt seinen Sohn Leo, der ein aussergewöhnliches Talent für Musik hat. Paul ärgert sich darüber, dass Leo sich in der Fima die Ohren zuhält, da es zu laut ist. Ein Junge, sollte ein Mann werden. Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig, man taucht schnell. Was auch der
Atmosphäre geschuldet ist. Ich habe die ersten Zeilen gelesen und es war, als wäre ich durch das grosse Eingangstor der Villa eingetreten, hätte mich an den Kamin gesetzt und alles von ferne betrachtet. Es ist ein absoluter Wohlfühlroman. Trotz der ganzen Familienkrisen und Ärgernisse, fühlt man sich einfach nur wohl in diesem Haus. Es ist sogar noch Spannung dabei – man will wissen, was aus der Familie wird, raffen sie sich zusammen, werden die Zwistikeiten beigelegt? Finden die Liebenden zusammen? Und ein Mord – es geschieht ein hinterlistiger Mord – wer war es?

Fazit:

Ich denke die Autorin kann den Vergleich zu Downton Abbey nicht mehr hören – aber es geht nicht anders, um es den Fans nahe zu bringen. Denn – wer Downton liebt, wird auch diese Saga lieben. Es spielt zur selben Zeit und muss sich ja auch mit den Zwängen der Gesellschaft ausseinander setzen. Krieg, Intrigen, Familienskandale – alles da. Es ist wie sich in eine Decke hüllen und wohlfühlen. Trotz der ganzen Krisen – einfach nur toll. Ein schöner runder Abschluss der Reihe. Ein Highlight des Jahres.

Zitate

»Das ist die neue Zeit«, knurrte Fanny Brunnenmayer. »Da gibt’s keine Angestellten mehr, Julius. Da schält die Herrschaft die Kartoffeln selber.«

Das ausgekochte Rindfleisch war für einen Eintopf gedacht, der für die Angestellten bestimmt war. Den Gästen wurde gefüllter Schweinebauch mit Rotkohl kredenzt

»Geht es dir wieder gut, Else?«, fragte er höflich.
»Freiliff. Dankschön, daff du fragft, Leo. Ef geht schon wieder …«
Er sah sie forschend an, weil er die Worte nicht gleich verstand. Das kam wohl daher, dass ihr ein paar Zähne fehlten. Nun ja – die würden bald nachwachsen. Ihm waren auch schon zwei Milchzähne ausgefallen, und darunter kamen jetzt die neuen heraus.

Wenn Marie das Geld fehlte, die Kinder anständig zu versorgen und zu kleiden, würde er bald eine Handhabe besitzen, Leo und Dodo zurück in die Tuchvilla zu schaffen. Dann würde auch Marie einsehen, dass er als der Mann in der stärkeren Position war.

So war das eben, auch die reichen Leute hatten mal Pech. Der liebe Gott war halt doch gerecht.

Wer arm war, der blieb auch arm, da konnte man sich auf den Kopf stellen – so war das.

Es lag Hass in der Luft. Verzweiflung. Rache. Triumph. Wut. Trauer. Unzählige Tragödien hingen in den muffigen Vorhängen. Die hölzerne Wandverkleidung hatte sich damit vollgesogen.

Verflixt! Es war nicht gerade einfach, einer so widerspenstigen Person zu sagen, wie sehr man sie liebte

»Notlügen« waren bei Erwachsenen nämlich erlaubt. Bei Kindern nicht. Kinder durften überhaupt nie lügen.

»Das Leben ist ein Spiel, und das Schicksal mischt die Karten. Die kann man nicht austauschen, und schummeln geht auch nicht – man muss nehmen, was man bekommt.«

Charaktere

Leo – Einer der Zwillinge und der musikalisch begabte Sohn von Marie und Paul. Ein sehr nachdenklicher und ruhiger Knabe, der leider schwer darunter leidet, es seinem Vater nicht recht machen zu können

Dodo *Dorothea* – die Zwillingsschwester von Leo – ein Wildfang und Technik Interessiert – sie will mal Fliegerin werden. Und sie interessiert sich auch für die Maschinen der Tuchvilla – hier hätte Paul seine Nachfolgerin – aber hier sieht es noch keiner.

Henny – die Tochter von Kitty – und auch genauso extravagant. Ein Schleckermaul – sie ist ständig am Naschen. Sie ist vorlaut und auch egoistisch. Am liebsten alles für sie und um sie. Sie hat zwar Respekt vor ihrer Mutter – aber ansonsten ist das eher schwach ausgebildet.

Walter – Leos bester Freund und Musik Kumpel.Seine Mutter gibt Leo Klavierunterricht

Julius – Ein Diener aus der Tuchvilla – er ist in einem adligen Haus ausgebildet worden und landet wegen falscher Beschuldigung im Gefängnis.

Humbert – Ihn hat man im zweiten Teil kennen gelernt. Ein Angestellter der Tuchvilla, der im Krieg einiges mitgemacht hat und unter PTBS leidet. Eine Schauspielkarriere in Berlin geht deswegen auch den Bach runter und er kommt zurück

Hannah – Sie geht mit Marie zu Kitty und soll als Näherin ausgebildet werden – das liegt ihr so gar nicht. Sie ist eher die Schafferin.

Dörthe – Ein Tolpatsch wie aus dem Buch – aber geschickt im Gärtnern – Lisa hat sie aus Pommern mitgebracht

Frau Brunnenmayer – Die Seele des Hauses – die Köchin. Sie ist schon so lange in der Tuchvilla – da kann sie auch mal etwas den Mund aufmachen.

Alicia Melzer – Die Mutter von Paul, Kitty und Lisa – sie leidet sehr stark unter Migräne, was sie auch ständig als Ausrede nimmt um bemuttert zu werden. Sie leidet sehr darunter, dass die Kinder aus der Tuchvilla verschwunden sind und heftet sich an Serafina.

Ernst von Klippstein – Ein Kriegskollege von Paul, der als Partner in die Tuchvilla eingestiegen ist. Er ist schon immer in Marie verliebt gewesen. Aber sie ist unerreichbar für ihn. Er macht Tilly einen Antrag

Tilly – Kittys Schwägerin. Sie hat ihre grosse Liebe im Krieg verloren. Aber sie ist eine tapfere Frau, die als eine der wenigen Frauen Medizin studiert – sie hat eine Nebenrolle.

Kitty – die Extravagante Künstlerin. Aufgedreht und immer am plappern. Aber so sympathisch. Sie will, dass alles harmonisch läuft.

Johann Melzer – Der Verstorbene Vater von Paul, Kitty und Lisa – Lisa nennt ihren Sohn nach ihm.

Else – Neben der Köchin, die am längsten beschäftigte Angestellte der Tuchvilla. Sie ist das Stubenmädchen

Gustav – der ehemalige Gärtner der Tuchvilla – im Krieg hat er ein Bein verloren und das macht ihm etwas zu schaffen – ebenfalls kommen sie kaum auf einen grünen Zweig, nach dem Krieg. Er ist eher ein einfaches Gemüt und ruhig.

Auguste – die Ehefrau vom Gustav und Teilzeit in der Villa beschäftigt. Sie geht einen Pakt mit Maria Jordan ein um ein Gewächshaus zu erbauen. Damit sie endlich aus dem tief heraus kommen

Maria Jordan – Die ehemalige Kammerzofe – sie wurde von Marie verdrängt und ist deswegen immer noch sauer. Aber sie kommt trotzdem immer mal wieder die Angestellten besuchen. Sie hat ein Näschen für das Geschäftliche. Sie hat sich durch die Inflation zwei Häuser kaufen können. Da macht sie einiges an Geld. Deswegen kann sie Auguste auch einen Kredit geben. Leider geht es nicht gut aus.

Paul – er hat sich stark verändert. Der Krieg hat einige verändert. Paul entwickelt seinen Charakter nach seinem Vater. Nur am meckern. Er ist unzufrieden mit seinem Sohn und unterdrückt ihn immer wieder. Er ist der Mann im Haus und das zeigt er auch. Dadurch verliert er fast seine Familie

Marie – ist eine erfolgreiche Modedesignerin geworden. Allerdings ist sie unglücklich. Paul erkennt ihre Vergangenheit – ihre Vorfahren nicht an. Das macht ihr sehr zu schaffen.

Lisa – immer auf der Schattenseite der Familie. Sie fühlt sich hässlich und ungeliebt. Ihr Mann hatte im Krieg eine schwere Verletzung erlitten und sie kümmert sich darum. Sie ziehen aufs Land. Aber sie ist unglücklich in den Bibliothekar verliebt. Eine einzige Liaison bleibt nicht ohne Folgen – sie ist mehr als Glücklich, da ihre Ehe Kinderlos blieb.

Sebastian – war in der Räterepublik – gegen die Regierung. Nach dem Krieg findet er Anstellung als Lehrer und Bibliothekar bei Lisa. Er liebt sie. Aber solange sie verheiratet ist will er nichts beginnen. Ein schwacher Moment verändert alles und er verlässt sie.

 

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10 Kommentare zu “Jacobs, Anne – Tuchvilla Saga 03 – Das Erbe der Tuchvilla

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