Ideenbild, Meine Geschichten

#Ideenbild – Februar 2017 – Die Geister der Ahnen

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Das Projekt #Ideenbild wird von Lexy durchgeführt. Hier wird monatlich ein Bild gezeigt und damit die Kreativität angekurbelt. Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Mitmachen wenn was einfällt. Das Logo stammt auch von ihr.

 

 

Mildred saß auf ihrer Veranda. Sie liebte den Ausblick. Sie hatte schwer gekämpft für diese Farm. Als ihr Mann, Alfred, auf den Bievers Rock kletterte und verschwand, war sie mit den Hypotheken die auf dieser Farm lasteten alleine gestellt. Sie hatten keine Kinder. Keine anderen Familienmitglieder. Waren eingewanderte in diese Dorfgemeinde und nicht sehr willkommen. Der Nachbar – Walker – wollte dieses Stück Land kaufen um dann sein Imperium auszubauen. Aber die Stadt wollte diese Dominanz nicht. Das kannte man schon aus den Geschichtsbüchern. Also wurde das Grundstück mit der Farm Mildred und Alfred zugesprochen. Sie wollten eine ökologische Farm aufbauen. Aber sie hatten schon oft ungewöhnliche Geschichten gehört, über diesen Ort. Sie hatten oft Besuch von Indianern aus dem benachbarten Reservat. Diese erzählten ihnen, dass Bievers Rock eine heilige Indianerstätte sei.

Hier wurde schon seit Generationen die Geister der Ahnen angerufen. Die rachsüchtigen Geister.  Sie hatten die Weißen, die ihnen ihr Land gestohlen hatte und sie in Reservaten eingepfercht hatten verflucht. Die Farm war vorher schon lange verwaist. Es gab immer wieder enthusiastische Besitzer, die hier große Pläne hatten. Da aber der Bievers Rock mitten auf dem Grundstück lag, nahm er eine große Fläche des Landes ein. Deswegen wollten es viele der Besitzer abtragen lassen. Diese Menschen verschwanden meist über Nacht. Nie wieder hatte jemand was von ihnen gehört. Meist dachten die Bewohner des Tals, dass sie die Kostenvoranschläge für die Abtragung vertrieben habe.

Mildred und Alfred hatten nie irgendwelche Probleme. Aber sie liebten den Rock. Sie hielten sich Tiere und versuchten die Farm ökologisch zu bewirtschaften. Sie wollten keinen Gewinn machen. Sie wollten nur ein ruhiges und entspanntes Leben führen. Sie waren gerade dabei einen Gnadenhof einzurichten, als Alfred unbedingt das Gefühl hatte er müsse den Rock besteigen. Es war eine Unruhe in ihm, die ihn nicht mehr schlafen lies. Er wurde unruhiger und unruhiger. Er aß nicht mehr und hatte keinen Spaß mehr an der Farmarbeit. Irgendwann meinte Mildred

„Alfred, mein Lieber. Du machst mir echt Sorgen. Ich verstehe nicht, warum du nicht auf den Rock steigst. Es scheint dich doch so fertig zu machen. Nimm dir den Hund mit und pack dir einen kleinen Rucksack. Ich verstehe deine Zurückhaltung nicht.“

„Ich bin wirklich total ausgelaugt. Aber ich warte auf das richtige Zeichen. Ich träume von dem Rock. Und es soll ein Zeichen für  mich geben, dass mir erlaubt ihn zu besteigen. Solange muss ich warten, und leiden. Ich verstehe es wirklich auch  nicht. Aber ich kann nicht jetzt schon gehen. Das wäre fatal. Ich habe das Gefühl, es könnte mein Leben kosten, wenn ich zu früh gehe. Hab einfach bisschen Verständnis für mich. Ich versuche mich etwas zusammen zu reißen, damit du dir nicht so viel Sorgen machen musst. „

„Ok. Ich werde mich bemühen. Du wirst schon wissen, was du zu tun hast. Ich habe von den Indianern schon so viel gehört über den Rock. Er soll verflucht sein. Beziehungsweise. Er soll uns Weiße verflucht haben. Weil wir sein Land geschändet haben. Das soll er uns nicht verzeihen. Du weißt, ich glaube schon so ein bisschen an diesen mystischen Kram. Deswegen habe ich gemischte Gefühle deinem Wunsch gegenüber. Aber ich vertraue dir und deinem Gefühl.“

Das war jetzt drei Monate her. Eine Woche nach ihrem Gespräch meinte Alfred, es wäre so weit. Er packte einen kleinen Rucksack und nahm Duke  – ihren Mischlingshund mit. Er küsste sie und nahm sie fest in die Arme.

„Schatz. Ich weiß nicht was mich da erwartet. Ich hoffe ich komme wieder. Meine Gefühle sind sehr verwirrend. Ich freue mich und ich habe wahnsinnige Angst. Aber ich habe auch Vertrauen in diese Träume. Ich fühle keine Gefahr von ihnen.“

„Ach Liebster. Ich habe Angst, dass ich dich nie wieder sehe. Gut. Geh besser bevor ich dich irgendwo einsperre und fessle. Dann wirst du  nur noch flüssig ernährt und wirst mich nie verlassen. „Lachte Mildred mit Tränen im Augenwinkel.

Als sie auf der Veranda saß und an ihren Abschied dachte, kamen ihr die Tränen. Drei Monate. Maggie, ihr anderer Mischling kam angerannt und schmiegte sich an sein Frauchen.

Sie ging mit dem Hund Richtung Rock und als sie ankam, schien die Kulisse zu schimmern. Sie rieb sich die Augen und sie fröstelte.  Es fühlte sich an wie eine Barriere. Sie wollte ihre Hand ausstrecken, aber sie fühlte, es wäre nicht richtig. Sie hatte nicht das Recht einzudringen. Sie seufzte. Drehte sich um und ging mit dem Hund zurück zur Farm. Es gab immer viel zu tun.

Mildred war in Gedanken. Sie jätete gerade in ihrem kleinen Gemüsegarten, als sie das Gefühl hatte beobachtet zu werden. Sie drehte sich um und sah eine befreundete Indianerin aus dem Reservat.

„Little Flower. Ach wie schön, dass du mich besuchst . Möchtest du einen Kaffee oder Tee. Ich habe auch noch Gebäck. „

„Das ist doch der Grund warum ich überhaupt komme. Dein Kaffee schmeckt mit immer am besten. Klar will ich einen Kaffee  – und natürlich gehört da auch Gebäck dazu.“ Zwinkerte sie.

„Komm lass uns auf die Veranda gehen. Die Sonne geht gleich unter, da haben wir einen ganz besonders schönen Ausblick auf den  Rock. Setz dich schon mal, ich hole den Kaffee und das Gebäck“

„Erzähl, was gibt es neues bei euch. Ich bin schlimm, ich wollte die ganze Zeit mal bei euch vorbei  schauen. Aber ich habe es immer aufgeschoben. Echt blöd manchmal. Dabei genieße ich eure Gemeinschaft so. Ach ich freu  mich wirklich, dass du  mich besuchst.“

Little Flower trank von ihrem Kaffee und schloss genießerisch die Augen.“ Ich bin nicht nur einfach so da, meine Liebe. Alfred ist jetzt drei Monate weg. Es wird Zeit, dich darauf vorzubereiten.“

„Vorzubereiten, was meinst du. Kommt Alfred endlich wieder? Kannst du mir mehr erzählen? Was war los und wo war er? Ich dachte mir schon, dass ihr mehr wisst. Aber ich hatte doch Angst, dass es was Schlimmes ist, was ihn und mich erwartet. Wir hörten genügend über die Gegend um den Rock.“

„Hör mir zu, Mildred. Der Rock ist sehr, sehr heilig und gefährlich. Der Platz der Ahnen. Hier kommen unsere jungen Männer her um ihren Geist und ihren neuen Namen zu erhalten. Eine sehr persönliche Sache für unsere Männer. Aber sie konnten es schon lange nicht mehr machen, da die Weißen immer für Unruhe sorgten und die Geister der Ahnen einfach nicht mehr erschienen. Die jungen Männer mussten zu den anderen Gebieten wandern um ihre Bestimmung zu erhalten. Das ist heute nicht mehr so schlimm, da es ja keine gegnerischen Stämme mehr gibt, die Krieg führen, aber es stört den reibungslosen Fluss der Energie. Aber seit ihr beide, du und Alfred, hier leben merkte unser Geisterseher, dass sich hier wieder Ahnen einfinden. Es  gibt also die Möglichkeit, dass unser Volk wieder hier in Ruhe seine Bestimmungen entgegen nehmen können. Das haben sie nur euch zu verdanken. Ihr seid immer hilfsbereit und achtet auf die Natur. Ihr treibt kein Raub an Mutter Erde und achtet auch die Tiere. Deswegen ist Alfred für eine hohe Stellung in unserem Volk auserkoren worden. Die Geister der Ahnen haben ihn gerufen. Und sie haben ihn zum Bewacher des Rocks ernannt. Er soll in Zukunft für die Sicherheit und Ruhe hier sorgen.“

„Was bedeutet das? Was bedeutet das für  mich? Werde ich Alfred wieder sehen? Kann er denn jetzt überhaupt zu mir zurückkommen?“ Schluchzte Mildred.

„Meine Liebe – das Universum ist ständig im Fluss. Natürlich wirst du Alfred wieder sehen. Sehr bald, denn ihr beide gehört zusammen. Ihr seid ein Team und werdet auch beide die Hüter dieses Heiligen Geländes werden. Aber Alfred hat besondere Fähigkeiten, die noch ein bisschen Feinschliff benötigen. Aber es dauert nicht mehr lange. Also  mach dir keine Sorgen mehr. Es geht ihm gut.“

Etwa einen Monat nach dem Besuch von Little Flower war Mildred gerade damit beschäftigt die Schafe in ihr neues Gehege um zu siedeln. Es war sehr heiß und die Sonne brannte ohne Erbarmen auf sie nieder. Die Erde flimmerte und etwas ließ sie aufschauen. Ihr Blick wurde Richtung Bievers Rock gelenkt und sie konnte nur dieses Flimmern sehen. Aber etwas bewegte sich. Eine Gestalt kam aus diesem flimmernden Schatten auf sie zu. Und sie erkannte die Bewegungen. Es war Alfred.

Endlich – Alfred. Endlich kam er Heim. Sie verließ das Gehege und ging langsam in seine Richtung. Er strahlte eine Aura ab, die eine neue Kraft erahnen ließ. Sie konnte seine Macht bis zu sich spüren. Ihr  Mann war ein Hüter geworden. Das spürte sie. Etwas magisches haftete ihm an. Und als sie endlich zusammentrafen wurde sie unweigerlich in seinen Bann gesogen. Es schien, als würde die Erde aufhören sich zu drehen. Sie hatte das Gefühl zu schweben und sie drehte sich in der Luft mit Alfred in den Armen. Sie spürte eine Welle der Macht, die sich auf sie übertrug. Und in ihrem Kopf formte sich eine Stimme, die sich anhörte wie das Mächtigste, das ihr je zu Ohren kam.

Ihr zwei, seid auserkoren, die Hüter des Bievers Rock zu sein. Diese Aufgabe ist eine Aufgabe, des Lebens. Ihr werdet unsterblich aber nicht immer hier leben. Irgendwann ist eure Aufgabe erfüllt und die Ahnen werden einen neuen Hüter erwählen. Und ihr steigt auf in die Reihe der Geister. Aber so lange seid ihr beide als Einheit, die Bewahrer des Wissens um diese Gegend. Ihr werdet sie vor allen Gefahren beschützen und alle vernichten, die ihn zerstören wollen.

Damit verstummte die Stimme, sie landeten wieder auf dem Boden. Alfred schloss sie fest in die Arme.

„Meine liebste Mildred. Die Zeit war so lange ohne dich. Aber meine Sehnsucht nach dir hat mich aufrecht alles überstehen lassen. Alle Prüfungen und Entbehrungen konnte ich so ertragen. Bis wir jetzt wieder zusammen sind und zusammen dieses Stück Erde bewachen können. Gibt es eine schönere Aufgabe für Mutter Erde zu arbeiten und sie zu schützen?“

„Alfred“ schluchzte Mildred. „Endlich bist du wieder da. Ich kann es kaum abwarten alles zu erfahren, was du erlebt hast und was wir noch erleben werden. Schnell lass uns rein gehen.“

Damit fassten sich die beiden an den Händen, die Sonne ging unter und der Rock lag hinter ihnen. Er strahlte eine Zuversicht und Sicherheit aus. Die Geister der Ahnen hatten gut gewählt.

ENDE

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8 thoughts on “#Ideenbild – Februar 2017 – Die Geister der Ahnen”

    1. Danke – das muss am Valentinstag liegen, der klingt noch nach..hihihi…Ich habe aber ganz schön Anlaufschwierigkeiten bei dem Bild gehabt. Hab ewig davor gesessen. 🙂 Hast Du das nächste schon gesehen…uhhh. Das wird auch nicht leicht.

      1. Huhu,

        he, he. mag sein.

        Ja, ich hatte auch erst Anlaufschwierigkeiten, aber wenn man anfängt zu schreiben kommt es ganz allein.

        LG Corly

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