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Mach was… mit Gewürzen! Hexenkraut

mach-wasMach was mit Gewürzen!

Ein Gemeinschaftsprojekt bei Minorherba

Backt Anisplätzchen, Zimtsterne oder Gewürzkuchen, zimmert ein Gewürzregal, schreibt eine Ode an Euer Lieblingsgewürz, stellt Vanilleschnaps her, fotografiert Nelken und Anis, schreibt eine Geschichte über einen Gewürzhändler….

Wie immer gilt bei Herba und mir: Mach was!
Und was genau ist Eure Entscheidung. Diese Runde läuft wieder 4 Wochen, also bis zum 12.01.2017. Bis dahin: werdet kreativ mit Zimt, Vanille, Kardamom….

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Armir, der hiesige Gewürzhändler, war ein geldgieriger Geselle. Er versuchte immer billig an Gewürze zu kommen und oft verschnitt er sie und verkaufte sie dann teuer weiter. Gewürze waren wertvoller als Gold. Und die Leute bezahlten was Armir verlangte. Aber sie verfluchten ihn jedesmal wenn sie sein Geschäft verließen. Das interessierte den Gewürzhändler nicht. Er ließ die Münzen durch seine Finger gleiten und genoss das Geräusch, das sie dabei machten. Aber eines Tages sollte sein Glück sich wenden.

Esme, die Köchin der Palastküche, viele nahmen an sie wäre eine Hexe. Denn niemand sollte so gut kochen können ohne die Hilfe von Magie. Aber niemand traute sich sie bei der Inquisition anzuzeigen. Denn sie hatten vorher schon andere Köchinnen gehabt und man wäre bei so manch einem Gericht lieber verhungert, als es weiterhin zu essen. Deswegen verhielten sich die Menschen im Palast ruhig. Sie schadete ja niemanden, so nahm man an. Sie hatte nicht nur ein gekonntes Händchen für die Mahlzeiten. Da sie als Hexe verrufen war, kamen die Menschen heimlich zu ihr um Tränke und Pulver für und gegen etwas zu besorgen. Und Esme half immer. Bei reichen Kunden gegen Geld bei Armen gegen eine helfende Hand oder auch gar nichts. Sie war von Herzen gut. Aber – wenn sie sich schlecht behandelt fühlte oder hintergangen – da sollte man sich besser in Acht nehmen.

Esme bemerkte eines Tages, dass eines ihrer beliebtesten Gewürze fast leer war. Beifuss. Beifuss war sehr belieb, da es einfach ein Allheilmittel war. Man konnte es praktisch überall einsetzten.Fruchtbarkeit, Infektionen, Abtreibungen, Schmerzen. Aber sie hatte keine Zeit gehabt welches zu sammeln und trocknen. Sollte so etwas mal vorkommen, nutzt sie dann doch immer mal einen Gewürzhändler. Und dies war auch der Grund warum Esme zu Armir kam.

„Hallo guter Gewürzhändler. Ich benötige Beifuß. Habt ihr welchen da?“

„Liebe Frau. Natürlich habe ich Beifuß. Allerdings muss ich Euch auf Morgen vertrösten, denn es ist in  meiner Kräuterhütte und ich möchte es dann doch frisch für sie mahlen. Bei mir ist alles ganz frisch. Wäre Euch das Recht?“

„Nun gut, ich habe noch Reste in  meiner Küche. Das dürfte noch reichen. Ich werde dann einfach morgen bei Euch vorbei kommen. Aber habt es auch da – ich suche sonst einen anderen Händler auf. Morgen kommt die Karawane hier durch, da sind auch immer Gewürzhändler dabei. Also verärgert mich nicht. Und lasst das auch bei dem Preis eine Rolle spielen.“ Sie drehte sich um und verließ den Laden.

Armir war sauer. Sie drohte ihm? Ein Weibsbild drohte ihm? Das wolle er sich nicht gefallen lassen. Er würde ihr schon zeigen wer hier das Sagen hätte. Er, ein angesehener Händler, oder sie – ein Weibsbild.

Esme hatte natürlich schon Gerüchte über den Gewürzhändler gehört. Sie würde sich vorbereiten. Am nächsten Tag ging sie wieder in den Laden. Armir erwartete sie, bot ihr Tee an, den sie dankend annahm. Sie unterhielten sich etwas über Wetter, Gewürze und Kräuter. Dann  meinte Esme:

„Lieber Armir – Es wird Zeit. Ich muss zurück  in meine Küche.  Hast du nun das Kraut für mich?“

„Sicherlich Esme. Warte ich hole es dir hinten im Lager heraus.“ Damit verschwand er hinter dem Vorhang um schnell wieder da zu sein. Er hatte das Säckchen schon fertig. Esme wollte es öffnen, aber Armir hinderte sie daran.

„Du solltest es erst zu Hause öffnen um es dann gleich in einen verschließbaren Tonkrug zu geben. Damit es sein Aroma nicht verliert und auch seine Wirksamkeit.“

„Du hast Recht mein Freund. Ich vertraue dir. Also bis bald. “

Armir rieb sich die Hände. Nicht nur, dass er den Beifuss verschnitten hatte. Er würde sich der unverschämten Hexe entledigen. Denn einen Mann wie ihn, dem drohte man nicht. Er hatte, dem Beifuß ähnlich sehenden Eisenhut untergemischt. Das würde ihr endgültig das Handwerk legen. Wenn es zu Todesfällen kam, würde sie schnell als Hexe verurteilt werden und er hätte seine Genugtuung.

Aber Armir überschätzte sich und unterschätzte Esmes Wissen um die Pflanzen. Sie hatte, kaum dass sie das Säckchen geöffnet hatte bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Sie war eine sehr gut ausgebildete Kräuterfrau. und dachte sich schon, dass hier ein giftiger Eisenhut drunter gemischt wurde. Das hatte er aber mit der falschen Frau gemacht. Es wurde Zeit dem gierigen und überheblichem Händler seine Missetaten heimzuzahlen.

Esme stand in der Küche und mischte einen leckeren Pudding zusammen. Sie mischte stark schmeckende und übertünchende Gewürze hinein. Vanille, Zimt, etwas Chilli und Honig sollte den Geschmack neutralisieren. Es wäre nicht ganz zu verschleiern. Aber es würde schon gehen.

Am nächsten Tag, der Pudding war gut durchgezogen – Esme probierte nur einen Hauch und stellte fest, dass der Geschmack fast nicht zu merken war. Sie packte ihren Korb und ging wieder zu dem Gewürzhändler

„Armir, mein Freund. Ich wollte noch  mal bei dir vorbeikommen und Safran kaufen, das habe ich gestern vergessen. Und von dem Pudding, den ich für die hohen Damen und Herren kochte ist noch was übrig geblieben. Das wollte ich dir noch mitbringen. Hier. Lass es dir nach her schmecken. Und aus dem Humidore des Herren habe ich noch eine Zigarre mit gebracht. Er wird es nicht merken, so unordentlich wie er ist. Ich hoffe du wirst es genießen.

„Oh, Esme. Ich danke dir ganz herzlich, das werde ich mir nach meinem Essen gerne gönnen. Einen süssen Nachtisch und eine Verdauungszigarre. Besser kann man einen Tag nicht beenden.“

Esme lächelte geheimnisvoll und nahm die Schachtel Safran an sich. Dann verließ sie den Laden. Als sie wieder in ihrer Küche ankam räumte sie den Salzkrug wieder in die Kammer. Nahm das Klartraum zur Beruhigung und verstaute es gut. Brannte den Trog mit dem Beifuß aus und reinigte ihn gleich. Am nächsten Tag ging sie wieder zu Armirs Laden. Es hatte sich schon eine Traube Menschen angesammelt und es wurde wild getuschelt. „…nicht mehr wach geworden. Der Gauner, endlich hat es ihn dahin gerafft.“ „..gehört, dass man ein Säckchen Eisenhut in seinem Lager gefunden hat. Wenn man damit nicht aufpasst, dringt es durch die Haut und man stirbt sofort. Da hat es ja endlich  mal den Richtigen erwischt.“ „Er ist im Schlaf gestorben, sagt man“ „Er hatte es sich noch mal gut gehen lassen. Man fand einen Becher mit Pudding und im Ascher eine teuer aussehende Zigarre.“

Esme aber drehte sich um. Sie lächelte geheimnisvoll und ging Richtung Markt. Dort war heute die Karawane angekommen. Sie brauchte immer noch Beifuß um den Menschen zu helfen.

 

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9 thoughts on “Mach was… mit Gewürzen! Hexenkraut”

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