Corlys Themenwoche: 34.6: Habt ihr eine kleine Geschichte für Advent für uns?

animiertes-weihnachten-linien-bild-0015corlys-themenwoche-logo1.jpgHeute eine kreative Aufgabe von Corly.

Habt ihr eine kleine Geschichte für Advent für uns?

Keine neue Idee, aber immer wieder ans Herz gehend.

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Als Amy im dunkeln durch die Strassen lief und die Hände aneinander rieb, damit sie warm wurden, dachte sie an die Vergangenheit. Die Vergangenen Adventssonntage als sie noch ein kleines Kind war.

Sie war eine Waise und hatte es nicht leicht. Die dunklen Strassen der Stadt waren nicht nett zu den kleinen Kindern. Sie streunte mit anderen Waisenkindern durch die Strassen und musste mit ihnen konkurieren. Jedes Waisenkind wollte besonders arm und unschuldig aussehen um vielleicht einen Laib Brot oder einen Apfel zu bekommen.

Die reichen Leute strömten in Scharen durch die Kaufläden und kamen bepackt und gestresst wieder heraus. Hinter sich herziehend immer plärrende verwöhnte Bälger, während die armen kleinen Waisen sich nichts sehnlicher wünschten nur einmal einen Tag mit einem dieser verwöhnten Kinder zu tauschen.

Amy schüttelte sich ob dieses Gedanken. Es war einfach eine furchtbar grausame Zeit gegenüber den Ärmsten der Armen. Das Fest der Liebe nennt es sich, aber die Liebe – wo war sie geblieben. Man sah sie weder in den gehetzten Augen der Eltern, noch in den von Tränen gefüllten Augen der Kinder.

Wieder erinnerte sich Amy daran, wie sie mit ihren Freunden vor den Spielzeugläden stand und sich die Nasen plattdrückten. Da gab es Eisenbahnen aus Holz für die Jungs und hübsch gekleidete Puppen für die Mädchen. Und alle Kinder der Strasse träumten davon.

Als es dunkel wurde, mussten die Kinder zurück ins Kinderheim. Aber die Heime damals waren nicht freundlich und warm. Ein jedes Kind, dass zurück kam musste erstmal die Taschen leeren. Wenn es was gutes gesammelt hatte, nahm sich die Heimleiterin gleich das beste. Frau Dohlen. Sie war furchtbar ungepflegt und hässlich. Sie stank nach Alkohol und Kohl.

Die Kinder hatten Angst vor ihr. Aber was sollten sie  machen. Kinder, die nachts auf der Strasse aufgegriffen wurden, wurden gefangen genommen und in Kinderarbeitslager verkauft. Und dort starben viele. Also gingen sie in das Heim. Dort wurde ihnen wässrige Brotsuppe verteilt und sie wurden in zugige Bretterverschläge gesperrt, bis sie am nächsten Tag wieder betteln gehen konnten.

Wieder versuchte Amy die grauen Gedanken abzuschütteln, die geschmückten Fenster und tollen Gerüche des Weihnachtsmarktes halfen dabei. Sie dachte an das Glück, dass sie damals hatte.

Es war der 3. Advent. Am 3. Advent wurde das Waisenhaus geputzt und gewienert, denn es war Tag der offenen Tür. Frau Dohlen zog ihr Sonntagskleid an und ihren albernen Hut, die Kinder mussten sich Hals, Gesicht und Hände waschen und ihre besten Kleider herausholen, die natürlich nur aus Flicken bestanden. Sie traten in Reih und Glied an und warteten auf die Familien, die gerne ein Kind adoptieren wollten.

Amy hatte die Hoffnung schon lange verloren, sie war nun 12 und keiner wollte so alte Kinder haben. Sie schob die kleinen nach vorne und versuchte sie in gutem Licht da stehen zu lassen, denn sie konnten noch hoffen.

Der mickrige Weihnachtsbaum stand im Hof, die Kinder sahen lieblich aus und die Erwachsenen kamen. Natürlich wurden die süssen kleinen als erstes mit genommen. Frau Dohlen rieb sich die Hände, dieses Jahr klingelte die Kasse, denn viele wollten etwas gutes zu Weihnachten tun und einem Kind ein zu Hause bieten.

Amy betrachtete das ganze und übersah ganz das ältere Pärchen, das ruhig in der Ecke stand und den Trubel von der Ferne betrachtete. Amy achtete immer, dass die kleinen ja gesehen wurden und schob die schüchternen auch immer nach vorne. Sie versuchte die Erwachsenen etwas zu manipulieren, in dem sie, die kleinen, die ihrer Meinung am besten zu den Paaren passte in deren Richtung bugsierte.

Irgendwann kam die älter Frau zu ihr und fragte sie. „Sag mal kleine, wie ist denn dein Name?“ „Amy“, antwortete sie. „Warum stellst du dich denn nicht in den Mittelpunkt, du bist ein so hübsches Mädchen.“ „Ach wissen sie, ich bin zu alt, die Erwachsenen wollen lieber kleine süsse Kinder und keine schon so grossen wie ich. Wir sind ihnen zu kompliziert, mit uns können sie nicht mehr so angeben.“

Die Frau nickte, wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel und ging zu ihrem Mann. Amy beobachtete sie kurz und drehte sich wieder zu dem Trubel um.

Wenn der Tag rum war, wussten die Kinder, hatten sie noch viel Arbeit vor sich. Es musste alles auf- und weggeräumt werden. Frau Dohlen verliess das Heim mit gefüllten Taschen und würde erst spät, betrunken wieder kommen. Das war also ein anstrengender aber auch guter Tag für die Kinder, denn sie konnten dann endlich mal machen worauf sie Lust hatten. Und meist erzählten sie sich schöne Geschichten von Weihnachten und Familien, tranken heissen Saft, lachten und sangen.

Am nächsten Tag – Frau Dohlen war wie erwartet – stark verkatert, klopfte es heftig an der Tür. Die Kinder waren noch da, sie sollten erst noch auf die Strassen geschickt werden. Amy stand im Essensraum und wischte die Tische, als sie gerufen wurde.

Sie hatte Angst, dass sie etwas falsch gemacht hatte und bestraft werden würde. Frau Dohlens Strafen waren manchmal sehr grausam. Also ging sie sehr zögerlich zu Frau Dohlen. Da sah sie den grossen Mann, der am Tag davor bei der Frau stand, die sie angesprochen hatte. Sie dachte, sie hätte etwas falsches gesagt und wäre am liebsten sofort im Erdboden verschwunden.

„Amy, meine Liebe“, flötete Frau Dohlen. „Schau mal, Herr Kringel sucht ein kleines Mädchen wie dich und du scheinst gestern grossen Eindruck auf ihn und seine Frau gemacht zu haben“.

Amy verstand einfach nicht, was hier los war. Sie versuchte sich an der Wand entlang aus dem Raum zu drücken. Aber Herr Kringel sagte: „Warte Amy, du brauchst keine Angst zu haben. Es stimmt wirklich was Frau Dohlen sagt. Meine Frau hat dich sofort in ihr Herz geschlossen und hat schon das Zimmer für dich vorbereitet, deswegen haben wir dich nicht gleich gestern mit genommen, sie wollte dass einfach alles perfekt ist. Bitte, tu uns den gefallen und werde unsere Tochter. Es ist das einzige, was wir uns von dir wünschen, gib uns eine Chance, deine Familie zu werden.“

Immer noch wusste Amy nicht sich zu bewegen. Frau Dohlen schüttelte einen grossen Geldbeutel und schob sie dann aus dem Tor heraus, jetzt war wieder Platz für eine weiter arme Seele, die sie aufnehmen konnte. Amy war wie betäubt, als sie an der Hand von Herrn Kringel das Gebäude verließ. Erst als sie aus der Stadt heraus waren und auf einem Feld standen sah sie etwas, was ihr noch mehr den Atem verschlug. Der Nebel lichtete sich und vor ihr stand ein Schlitten. Ein Schlitten mit Rentieren.

Er hob sie auf den Bock, wickelte sie in viele Decken und schnalzte mit der Zunge. Die Rentiere hoben ab und Amy konnte die Stadt unter sich dahin gleiten sehen. Die Stadt in der sie geboren wurde und soviel Leid erfahren hatte.

Amy schüttelte die Erinnerung ab, rieb sich noch mal die Hände, wickelte ihren Schal enger um sich und schnalzte mit der Zunge. Die Rentiere erhoben sich und sie begann ihren anstrengenden aber befriedigenden Arbeitstag. Ganz besonderen Wert legte sie auf die vielen Kinderheime. Hier nahm sie sich besonders viel Zeit um ja sicher zu sein, dass jedes Kind ein Geschenk unter dem Baum finden würde.

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3 Gedanken zu “Corlys Themenwoche: 34.6: Habt ihr eine kleine Geschichte für Advent für uns?

  1. Corly

    Huhu,

    wow, wunderschön geschrieben und so berührend. Richtig mitfühlend. Ich glaub das ist bisher die Geschicte, die mir von dir am besten gefällt. Richtig süss.

    LG Corly

  2. Pingback: Wochenrückblick 28.11.16-04.12.16 | Ich lese

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