[Story-Samstag] Endlich wieder Weihnachtszeit

 – Was ist der Story-Samstag?storysamstagDer Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt alle 2 Wochen ein kleines Thema vor. Und du hast die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren.

Dieses Mal weihnachtet es sehr bei Tante Tex und bei uns. Lasst euch entführen ins Winter Wunder Land. Oder wer meine Geschichten verfolgt hat – Ins Winter Horror Land? Wer weiss wohin meine Fantasie uns trägt. Um in richtige Stimmung zu kommen läuft auch schon die Weihnachtsmusik auf meinem Kopfhörer.

Endlich wieder  Weihnachtszeit. Wie sehr mag ich doch diese Zeit. Aber leider ist es als Erwachsener nicht mehr so magisch wie früher. Als Kind war alles verzaubert. Es lag Schnee. Meine Eltern haben immer die tolle Sache mit dem Glöckchen gemacht. Immer wenn das Glöckchen klingelte – bekommt ein Engel seine Flügel – und ich meine Weihnachtsgeschenke vom Christkind. Damals war es noch das Christkind. Heute ist es Santa Claus. Aber wie geht es dem Christkind mit dieser Situation. Damals als hübsch gekleidetes Christkind gefeiert und heute verdrängt von einem dicken rotwangigem Mann in einem Roten Kostüm. Also ich wäre echt sauer. Lasst und doch einfach mal schauen was das Christkind so macht heute zu Tage.

„Ach ihr lieben“. Meinte das Christkind. „Was macht eigentlich der Geist der Weihnacht. Der ist ja zu Weihnachten eigentlich nie arbeitslos“ Es gibt genügend Scroodes auf der Welt und jedes Jahr kommt mindestens einer in den Genuss. Das ist immer ein Vergnügen. Ich lasse mich – als abgeschobenes Christkind – gerne als Geist der Gegenwärtigen Weihnacht einsetzen. Das ist immer Spassig, obwohl ich denke mehr Spass würde es mir machen der Geist der zukünftigen Weihnacht zu spielen. Das sollte ich mal ins Auge fassen.

„Geist?“ wie sieht es dieses Jahr bei Dir aus? Hast Du wieder Verwendung für mich? Mir ist langweilig und die Paar Familien, die mich noch rufen, die schaffe ich ohne Probleme in kürzester Zeit. Da könnten wir doch wieder einen bekehren?“

„Ach Christkind“ meinte der Geist, „meinst Du das hat überhaupt noch einen Sinn?“ Die Menschen glauben doch immer weniger an Weihnachten. Alles ist dem Konsum zum Opfer gefallen. Mir macht es keinen Spass mehr jemanden zu bekehren. Ich will die Menschen einfach ihrem Schicksal überlassen“.

Das war irgendwie mein Stichwort. Ich zog ihn beiseite und flüsterte ihm ins Ohr. Wie würde Weihnachten ohne die Magie sein. Das würden wir den Menschen zeigen. Sie sollten sehen, dass nicht Geschenke das wichtige wären, sondern die Gefühle, die Weihnachten übermitteln.

Schnell packten wir uns ein und fuhren mit einem Schlitten zum Grinch, denn er wusste ja wohl am besten wie man Weihnachten verdarb. Wir vergruben uns in sein Arbeitszimmer. Und es war – zwischen Plätzchen und Keksen schmatzen und schlürfen – immer nur ein gehässiges Gelächter von uns zu hören. Harharhar.

Ich war mir nicht sicher aber ich denke Knecht Ruprecht sollten wir auch in unser Boot holen. In manchen Ländern hiess er Krampus und dieser Name gefiel ihm wirklich besser. Wer will schon gerne ein Knecht sein. Und Krampus klang doch viel gemeiner. Und er konnte richtig hässlich aussehen. Also besuchten wir noch schnell Krampus.

Als letztes holten wir noch den Geist der zukünftigen Weihnacht. Denn er sollte die Angst der Einsamkeit verbreiten. So die Planung stand. Wir verbanden unsere Magie und wirkten unseren Zauber.

Als am nächsten Tag die meisten Menschen erwachten hatte sich etwas geändert. Wenn weihnachtliche Musik spielte hörte es sich für sie an wie ein Stück aus den tiefen der Hölle, aber es verursachte eine Sehnsucht und Erinnerung an Glanz, gute Laune und Lachen.

Ebenso verhielt es sich mit den weihnachtlichen Düften wie Zimt, Lebkuchen, Glühwein. Die Menschen hatten ihre Erinnerung daran und die war immer positiv, aber wenn sie dann aßen und tranken dachten sie die Speisen wären direkt vom Teufel zubereitet.

Wenn sie ihre Weihnachtsbäume betrachteten, die eigentlich schön glänzten und dufteten sahen sie nur abgestorbene Bäume, die wie ein Skelett da standen und nach Verwesung dufteten. Aber sie hatten immer das Bild der schönen Bäume in Erinnerung.

So langsam verzweifelten die Menschen. Alles was sie je mit Weihnachten in Verbindung brachten waren  schöne Erinnerungen aber sie sahen nur  schreckliche Bilder. Sie verloren ihre Freude und Hoffnung. Das einzige, was nicht von dem Verfall betroffen war, waren die Geschenke, die unter den Bäumen lagen. Sie waren hübsch und glänzten verführerisch. Aber es brachte keine Freude.

Den Menschen fehlte etwas. Sie fühlten sich unvollständig und einsam. Der Winter fühlte sich kälter an als er war. Die Kälte der Menschen schien aus ihnen heraus zu scheinen. Und sie vergiftete die Atmosphäre.

Die vier Verursacher sassen am warmen Kamin mit ihren Weihnachtsleckereien und beobachteten das Schauspiel. Sie wunderten sich, dass die Menschen es nicht schafften, den Zauber zu brechen. Sie schienen sich zu fügen und zu vergessen. Das war eigentlich nicht so geplant. Aber sie hatten nicht vor, es zu ändern, denn wenn die Menschen es nicht von sich aus schaffen würden, dann hätten sie es nicht verdient Weihnachten zu haben.

Aber es sollte jemand geben, der das Weihnachtsfest retten könnte. Tief im Wald – da gab es eine Familie. Sie waren arm, aber glücklich. Reich an Liebe und Traditionen. Sie feierten Weihnachten wie es sein sollte. Sie bastelten, backten, sangen und tanzten. Der Kamin brannte, die Äpfel wurden gebacken und die Socken waren voller Nüsse und Orangen. Unter dem Weihnachtsbaum lagen kleine Päckchen mit neuen Socken, Pullis und warmen Handschuhen. Aber diese Familie, die liebte Weihnachten. So arm wie sie an Geld waren so reich waren sie im Leben.

Diese Familie musste einmal in die Stadt. Und sie sahen den Schmuck und rochen die Kekse, den Glühwein und freuten sich an dem Glanz. Sie hatten eisern gespart um auf dem Weihnachtsmarkt alles zu probieren. Da wurden die Kekse gegessen und sie schmeckten nach Weihnachten, die Eltern tranken den Glühwein und sie schwärmten von dem tollen Geschmack. Sie lobten die Aussteller ihrer Dekoration wegen und bewunderten die tollen Lichter. Und als sie vor der grossen Tanne standen, bekamen sie feuchte Augen, so freuten sie sich und waren beeindruckt.

Die Menschen um sie herum blieben stehen und beobachteten diese Familie erstaunt. Tief in ihrem inneren regte sich eine Erinnerung, aber sie konnten sie nicht hervorrufen. Und sie wirkten einsam und verlassen – fast grau – als wäre mit dem Geist der Weihnacht alle Farbe aus ihrem Leben verschwunden. Und sie wurden so traurig.

Als erstes merkten die Kinder eine Veränderung. Sie fingen an wieder etwas zu riechen. Sie schnupperten und hielten die Nasen in die Luft. Ihre Erinnerungen erwachten und sie fingen an zu lachen.

Dieses helle, klingende Lachen der Kinder führte dazu, dass die Eltern dieser Kinder erwachten. Sie sahen die glänzenden Augen ihrer Kinder und dann kam der Geruch und mit dem Geruch die schönen Erinnerungen, an ihre eigene Kindheit an Weihnachten.

So ging das Reihum. Nach und nach erwachten alle Menschen aus diesem Zauber. Sie sahen, was sie vergessen hatten. Sie rochen was sie verdrängt hatten. Und hörten wofür sie taub geworden waren.

Die vier in ihrem Kämmerchen vor dem Kamin mit ihrem Weihnachtsleckereien standen auf, verabschiedeten sich und beglückwünschten sich für ihren Einfall. Sie wünschten sich alles gute und alle sagten

Endlich wieder Weihnachtszeit

 

Werbeanzeigen

13 Kommentare zu “[Story-Samstag] Endlich wieder Weihnachtszeit

  1. Ein sehr schönes Thema und auch deine herrliche Weihnachtsgeschichte dazu…👍
    Aber leider noch immer eine Woche zu früh, weshalb auch beim besten Willen noch keine entsprechende Stimmung aufkommen kann.😉
    Bei uns kommt aber nach wie vor an Hl Abend das Christkind mit zartem Glöckchengebimmel und am 6.12. der Nikolaus… was anderes kommt uns da nicht ins Haus!!!😄
    Liebs Grüßle

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Wochenrückblick 14.11.16-20.11.16 | Ich lese

  3. Wundervolle Geschichte. :) Bei mir kam immer der Knecht Ruprecht. Ich kann mich zumindest dran erinnern, dass mein Papa immer einen blauen, statt roten Mantel anhatte, als er in seiner Oscar-reifen Rolle auftrat. ;)

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: [Story-Samstag] Sabotage – Tante TeX textet

Mit Absenden eines Kommentars erklärst Du Dich einverstanden, dass evtl. personenbezogene Daten (z.B. die IP-Adresse etc.) abgespeichert und für Statistiken von Wordpress weiterverarbeitet werden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.